Koronare Ablagerungen

Welcher Sport tut den Gefäßen gut?

Menschen, die intensiv Sport betreiben, scheinen anfälliger für atherosklerotische Koronarveränderungen zu sein als ihre bewegungsfauleren Mitmenschen. Neue Studiendaten legen nahe, dass dabei auch die Sportart von Bedeutung sein könnte.

Von Peter Overbeck Veröffentlicht: 21.02.2019, 06:30 Uhr
Welcher Sport tut den Gefäßen gut?

Ein bislang ungeklärtes Paradoxon: Sportlich sehr aktive Menschen entwickeln mit der Zeit mehr Koronarveränderungen als sportlich weniger ambitionierte.

© scusi /stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Sportlich sehr aktive Menschen wie Marathonläufer entwickeln paradoxerweise mit der Zeit mehr Koronarveränderungen als sportlich weniger ambitionierte Zeitgenossen. Zumeist handelt es sich dabei um stärker kalkhaltige Plaques, die als relativ stabil gelten.

Die Gefahr von Plaque-Rupturen mit daraus resultierenden thrombotischen Koronarverschlüssen ist dementsprechend gering. Deshalb verwundert auch nicht, dass solche Läsionen längerfristig ohne Bedeutung für das Sterberisiko von Sportlern waren, wie erst jüngst eine Beobachtungsstudie bestätigt hat (Levine B. et al. JAMA Cardiology 2019, doi:10.1001/jamacardio.2018.4628).

Niederländische Untersucher legen nun Studienergebnisse vor, denen zufolge die koronare Plaque-Bildung je nach Sportart unterschiedlich sein könnte. Die Forscher um Dr. Vincent Aengevaeren vom Radboud University Medical Center in Nijmegen haben in einer Post-hoc-Analyse von Daten der MARC-Studie (Measuring Athlete’s Risk of Cardiovascular Events) bei 284 männlichen Athleten mittleren Alters (über 45 Jahre) nach möglichen Unterschieden in der Koronarsklerose in Abhängigkeit von der Sportdisziplin gefahndet.

Von den analysierten Sportlern waren 25 % Läufer und 29 % Radsportler. Die übrigen waren zumeist als Fußball-, Hockey, Wasserpolo- oder Tennisspieler aktiv. Bei allen Studienteilnehmern war mittels CT-Scans der Koronarkalkgehalt und mittels CT-Angiografie der koronare Plaque-Befall gemessen worden.

Dabei wurde bezüglich der Plaque-Morphologie zwischen kalzifizierten, nicht kalzifizierten und gemischten Läsionen differenziert. (Vorabpublikation JACC / DOI: 10.1016/j.jcmg.2019.01.002)

Weniger Plaques bei Radsportlern

Festgestellt wurde, dass atherosklerotische Plaques insgesamt bei Radsportlern signifikant seltener vorkamen (adjustierte Odds Ratio 0,41). Tendenziell war auch die Prävalenz von Koronarkalk (CAC, coronary artery calcification) niedriger verglichen mit den Läufern. Bei den Athleten, die andere Sportarten wie Fußballspielen ausübten, waren Plaque-Prävalenz und -Morphologie ähnlich wie bei den Läufern.

In der Gruppe derjenigen Sportler mit nachgewiesenen manifesten Plaques war wiederum die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um kalzifizierte und damit stabilere Plaques handelte, bei den Radsportlern deutlich höher als bei Läufern (aOR 3,59). Die Prävalenz gemischter Plaques war in beiden Gruppen gleich.

Macht Gewichtsbelastung den Unterschied?

Darüber, was ursächlich hinter den beobachteten Unterschieden steckt, kann derzeit nur spekuliert werden. Aengevaeren und seine Kollegen bringen den Gedanken in die Diskussion, dass die geringere Gewichtsbelastung des Körpers beim Radfahren im Vergleich zu Laufen zu einer niedrigeren Knochendichte und zu weniger Plaques in Koronargefäßen führen könnte.

Die Gruppe plant, ihre Studie nun über einen längeren Zeitraum fortsetzen, um etwa mithilfe regelmäßiger CT-Scans und Biomarker-Messungen möglichen Mechanismen der unterschiedlichen Atherosklerose-Entwicklung auf die Spur zu kommen.

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