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Crystal Meth

Weltweit erste S3-Leitlinie vorgestellt

Die weltweit erste S3-Leitlinie zur Behandlung Methamphetamin-bezogener Störungen soll allen, die mit Süchtigen arbeiten, mehr Handlungssicherheit geben. Ärzten gibt sie konkrete Hinweise, woran Betroffene zu erkennen sind.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:
Weltweit erste S3-Leitlinie vorgestellt

© fotolia.com

BERLIN. Ärzte und Psychotherapeuten erhalten für die Behandlung von Methamphetamin-Konsumenten künftig eine neue Hilfestellung: Die weltweit erste und methodisch anspruchsvolle S3-Leitlinie "Methamphetamin-bezogene Störungen" enthält 135 Empfehlungen vor allem für die Akut- und Postakutbehandlungen sowie für die Behandlung von Begleiterkrankungen und von speziellen Patientengruppen.

Die Leitlinie wurde am Freitag von Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung, zusammen mit Vertretern der Bundesärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgestellt.

Besonderheiten beachten

Sie richtet sich nicht nur an Ärzte und Psychotherapeuten, sondern auch an Mitarbeiter in der Nachsorge und Rehabilitation sowie an Selbsthilfeorganisationen. "Durch die Leitlinien gibt es jetzt mehr Handlungssicherheit: Was ist wirksam, was ist ungeeignet?", sagte Dr. Josef Mischo von der Saarländischen Ärztekammer und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen der Bundesärztekammer.

Bei der Behandlung von Konsumenten gebe es Besonderheiten, die beachtet werden müssten, so Mischo. Beispielsweise hätten Studien gezeigt, dass bei der Behandlung von Komorbiditäten manche Medikamente, die eigentlich erste Wahl seien, ungünstige oder gar keine Wirkungen hätten. Das gilt nach der Leitlinie etwa bei Antidepressiva zur Behandlung von komorbider Depression.

Die Leitlinie will aber auch für die Anzeichen sensibilisieren, die bei Patienten auf einen Konsum von Methamphetamin hinweisen. Nur so, sagte Mischo, könnten Abhängige möglichst früh in die Suchthilfe geleitet werden. Niedergelassene Ärzte sollten vor allem auf folgende typische Zeichen bei Patienten achten:

  • Schlechte Haut und Pickel mit Narben, Hautexkoriationen
  • Zahnschäden mit Zahnfleischerkrankungen, Karies und Mundsoor
  • Trockene Nasenschleimhaut, Nasennebenhöhlenentzündung, Schleimhautblutungen und Anosmie.

Die Leitlinie wurde mit finanzieller Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums von einem interdisziplinär besetzten Expertenpanel zusammen mit dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin erarbeitet. Federführende Dachgesellschaft war die DGPPN.

Zunehmendes Problem auf dem Land

Seit 2009 hat sich der Konsum von Crystal Meth in Deutschland verbreitet. Dabei ist der Konsum kein reines Großstadt-Problem. Gerade auf dem Land und in kleineren Städten wird die synthetische Droge geraucht, geschnupft oder intravenös injiziert. Weil Tschechien eines der wichtigsten Herkunftsländer ist, seien grenznahe Gebiete im Osten und Süden besonders betroffen, "speziell ländliche Regionen und Mittelstädte", heißt es im ersten Kapitel der Leitlinie.

Auch im Wahlkreis von Mortler hat sich Crystal Meth verbreitet. Er liegt in Franken, also nicht weit entfernt von der tschechischen Grenze. Auch wegen der Probleme, die ihre Heimatregion mit der illegalen Partydroge hat, hat die Drogenbeauftragte Crystal Meth ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Ihr Ziel: Prävention, Eindämmung und eine bessere Behandlung vom Methamphetamin-Abhängigen. Die S3-Leitlinie ist dabei ein Baustein.

In Sachsen habe sich der Methamphetamin-Missbrauch sogar wie ein Flächenbrand ausgebreitet. Hier, so beschreibt es die Leitlinie, habe sich der Konsum innerhalb weniger Jahre "von einem mittelstädtischen Phänomen zu einer flächendeckenden Problematik einschließlich ländlicher Regionen und dörflicher Milieus ausgeweitet". Schätzungen zufolge haben in den vergangenen 30 Tagen 0,2 Prozent der 18- bis 64-Jährigen in Deutschland die synthetische Droge eingenommen.

Kurz-und Langfassung der Leitlinie

unter www.crystal-meth.aezq.de

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