Chronischer Drogenmissbrauch

Crystal Meth wirft Herz aus der Bahn

Wenn aggressive und gewalttätige Patienten in der Notaufnahme auftauchen, könnte Crystal Meth im Spiel sein. Die Frage nach dem Konsumverhalten sollte dann immer im Vordergrund stehen.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht:
Konsumenten, die zum Teil mehrmals täglich Crystal nehmen, weisen häufig Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck auf.

Konsumenten, die zum Teil mehrmals täglich Crystal nehmen, weisen häufig Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck auf.

© kaarsten /iStock.com

MÜNCHEN. Die medizinische Nothilfe oder der Rettungsdienst sind nach Dr. Katharina Schoett, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Mühlhausen, oft die erste Anlaufstelle für Patienten mit einer Methamphetamin-Intoxikation.

Wer im ärztlichen Notdienst auf einen Patienten treffe, der sehr agitiert und aggressiv, eventuell auch gewalttätig auftrete, müsse Crystal-Konsum zumindest als Differenzialdiagnose in Erwägung ziehen.

Zu den wichtigsten Fragen im Rahmen der Anamnese gehört die nach dem Konsummuster, denn die Nutzungsfrequenz kann sehr unterschiedlich sein und hängt eng mit der Symptomatik zusammen, sagte Schoett beim 17. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin in München.

Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck sind häufig

Chronische Konsumenten, die zum Teil mehrmals täglich Crystal nehmen, weisen der Expertin zufolge häufig Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck auf. Daher sei das EKG als Basismaßnahme unerlässlich: "Herzinfarkte oder Schlaganfälle sind bei Patienten unter 30 Jahren, die massiv Methamphetamin konsumieren, ein großes Risiko."

Zu den empfohlenen Labortests gehören AAT/EtG, großes Blutbild, TSH, HCG, Leberwerte sowie die Abklärung von Hepatitis (ABC) und HIV. Ein Drogenscreening (direkter Nachweis von Methamphetamin im Urin) kann bei Bedarf den Verdacht auf Crystal-Konsum bestätigen.

Schoett riet außerdem dazu, einen Röntgen-Thorax anzufertigen und die Patienten zum Zahnarzt sowie gegebenenfalls zur gynäkologischen Untersuchung zu schicken.

Derzeit keine Pharmakotherapie

Eine zugelassene Pharmakotherapie zur Behandlung der Methamphetamin-Abhängigkeit existiert derzeit nicht. Wie Schoett berichtete, wurden in Studien zu Dexamphetamin, Bupropion, Methylphenidat und Modafinil jeweils keine signifikanten Unterschiede zu Placebo gefunden.

So wurden weder der Missbrauch noch das Craving reduziert, und auch die Aufrechthaltung einer Abstinenz konnte nicht verbessert werden.

Psychosoziale Interventionen und Verhaltenstherapien gelten derzeit als die effektivsten Maßnahmen, vor allem die Kombination kognitive Verhaltenstherapie und integriertes Kontingenzmanagement. Zum Erreichen einer Abstinenz seien selbst diese aber, so Schoett, "nur mäßig effektiv". In jedem Fall empfiehlt die Expertin, für den Entzug eine Behandlungsdauer von drei Wochen einzuplanen.

Crystal-Konsumenten oft jung und im Alltag eingebunden

Danach schließt sich üblicherweise eine stationäre Rehabilitation über 26 Wochen an, die vom Rentenversicherungsträger finanziert wird. Da Crystal-Konsumenten jedoch typischerweise jung und im Alltag eingebunden sind, stößt dieses Konzept oft auf wenig Akzeptanz. Schoett forderte daher den Ausbau teilstationärer oder ganztägig ambulanter Konzepte.

Eine S3-Leitlinie zu Methamphetamin-bezogenen Störungen ist in Arbeit und wird in Kürze zur Verfügung stehen (www.crystal-meth.aezq.de). Im Juli dieses Jahres ist darüber hinaus ein Therapiemanual für Kliniker (NEPTUNE*) erstmals auf Deutsch erschienen; es kann zum Beispiel über die Website www.suprat.de bezogen werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neue S1-Leitlinie

Verätzung am Auge: Erst spülen, und dann?

Lesetipps
Junge Frau im Rollstuhl

© Julia Zavalishina / stock.adobe.com

Interview

Was eine gute Reha beim Post-COVID-Syndrom ausmacht