Solarien nicht mehr im Trend

Weniger Deutsche lassen sich toasten

Besuche im Sonnenstudio haben in Deutschland deutlich an Zahl abgenommen. Experten führen das auf die Einführung des Hautkrebsscreenings und auf ein Gesetz zurück.

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:
Am häufigsten gehen die unter 35-Jährigen ins Solarium, doch auch bei ihnen hat sich die Rate stark vermindert.

Am häufigsten gehen die unter 35-Jährigen ins Solarium, doch auch bei ihnen hat sich die Rate stark vermindert.

© Igor Mojzes / Fotolia

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit der Jahrtausendwende ist die Nutzung von Solarien um gut 85 Prozent gesunken, von im Mittel 11 auf 1,6 Prozent im Jahr 2015.
  • Aufklärung im Zuge des Hautkrebsscreenings und einschlägige Gesetzgebung zum Solariumsverbot für Minderjährige erzielen offenbar die gewünschte Wirkung.
  • Einschränkung: Die in die Studie einbezogenen Personen nahmen freiwillig am dermatologischen Screening teil, und womöglich haben gerade Menschen mit dem im Hinblick auf Hautkrebs riskantesten Verhalten den hautärztlichen Kontakt gemieden.

HAMBURG. Der Hang der Deutschen, sich auf den Sonnenbänken von Solarien zu bräunen, hat deutlich abgenommen. Das zeigen Zahlen, die eine Arbeitsgruppe um Professor Matthias Augustin, Leiter des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) am Universitätsklinikum HamburgEppendorf, vor Kurzem vorgelegt hat (J Eur Acad Dermatol Venereol 2018; online 8. November).

Folgt man den Daten der Forscher, ist der Anteil der Berufstätigen, die sich künstlichem UV-Licht zu Bräunungszwecken aussetzen, zwischen 2001 und 2015 von 11 auf 1,6 Prozent gesunken. Das entspricht einem Rückgang von gut 85 Prozent. Frauen (2001: 12,5 Prozent / 2015: 2 Prozent) nutzen Sonnenbänke häufiger als Männer (7,3 / 1,3 Prozent).

Am häufigsten gehen die unter 35-Jährigen ins Solarium, doch auch bei ihnen hat sich die Rate stark vermindert, von 16 Prozent im Jahr 2001 auf etwa 4 Prozent im Jahr 2015.

Die Erkenntnisse von Augustin und Kollegen beruhen auf Screenings von mehr als 150.000 Mitarbeitern in über 500 Firmen, die hautärztlich untersucht und dabei auch nach eventuellen Risikofaktoren für Hautkrebs gefragt worden waren. Ein markanter Abfall der Anteile von Solariumsnutzern ergab sich in den Jahren 2008 und 2009.

Hatte die Rate im Schnitt der Jahre 2001 bis 2008 noch bei 7 Prozent gelegen, waren es von 2009 bis 2015 nur noch 2,2 Prozent. Der Abfall der Nutzerkurve war für beide Geschlechter, alle Altersgruppen und jeden Hauttyp zu beobachten.

Korrelation mit Screening möglich

Damit fällt die Reduktion der Zahlen genau in die Zeit, da deutschlandweit ein Programm zum Screening auf Hautkrebs aufgelegt wurde, womit sich das Bewusstsein für die Erkrankung offenbar stark steigern ließ. Zusätzlich erließ der deutsche Bundestag im Jahr 2009 ein Gesetz, mit dem Minderjährigen der Besuch von Sonnenstudios untersagt wurde. Eine dagegen gerichtete Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht blieb Ende 2011 erfolglos.

Augustin und Mitarbeiter sind dennoch weit davon entfernt, die Hände nunmehr zufrieden in den Schoß zu legen. Zwar sei die Solariumsnutzung im untersuchten Zeitraum offensichtlich zurückgegangen, schreiben sie in ihrem Fazit. Das ändert nach ihrer Ansicht aber nichts an der Notwendigkeit weiterer Kampagnen, um auf die Hautkrebsrisiken aufmerksam zu machen.

Denn schließlich gebe es trotz aller Mühen noch immer Menschen, die sich ins Sonnenstudio begäben – wer dies sei und aus welchen Gründen dies geschehe, sei weitgehend unbekannt. In den Fokus gehörten dabei vor allem die Gruppe der jungen Menschen und ihr soziales Umfeld.

„Die Nutzung von Sonnenbänken sollte noch intensiver kontrolliert werden“, fordern die Forscher. Schließlich gebe es keine Hinweise auf positive Effekte der künstlichen Bräunung, die sich nicht auch auf andere Weise erreichen ließen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Im Sonnenstudio dämmert es

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