Kommentar – Solarien

Im Sonnenstudio dämmert es

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 28.11.2018, 05:36 Uhr

Den Ausgang des Menschen aus selbst verschuldeter Unmündigkeit – das verstand Immanuel Kant unter Aufklärung. Sein Leitspruch: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Wie eng Aufklärung und der Gebrauch des Verstandes zusammenhängen, hat eine Studie von Dermatologen zur Nutzung von Sonnenbänken respektive -studios in Deutschland belegt. Ein Instrument der Aufklärung scheint die Einführung des Hautkrebsscreenings im Jahr 2008 gewesen zu sein.

Und die Infos rund um das 2009 beschlossene „Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen“ taten offenbar ein Übriges. Denn genau nach diesen beiden zeitlichen Marken ging die Nutzung von Sonnenstudios in Deutschland drastisch zurück. Inzwischen liegt der Stand mehr als 85 Prozent unter jenem von 2001.

Es gibt ein gewichtiges Indiz dafür, dass es tatsächlich der Aufklärung zu verdanken ist, wenn die entscheidungsmündigen Bürger in großer Zahl den Ausgang aus dem Solarium suchen. Es sind nämlich vor allem Menschen mit dem hellsten Hauttyp, die auf die Studiobräune verzichten. Früher gehörten sie dort zu den besten Kunden, obwohl sie ein erhöhtes Hautkrebsrisiko tragen. Nun sind sie aufgeklärt, bedienen sich ihres Verstandes – und lassen die Höhensonne untergehen.

Lesen Sie dazu auch: Solarien nicht mehr im Trend: Weniger Deutsche lassen sich toasten

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Kommentare
Hans-Joachim Maes

"Geschäftsmodell Todesangst"

30.01.2019

Sehr geehrter Herr Bublak,

Ihren Kommentar "im Sonnenstudio dämmert es" haben sie mit Immanuel Kants'' Spruch "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" begonnen. Das Zitat stammt aus dem Aufsatz "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?", erschienen 1784. Abgesehen davon, dass sie "Hautkrebsscreening" mit "Verstand" gleichsetzen, eignet sich diese Schrift von Kant hervorragend, die Thematik ernsthaft zu beleuchten. Es geht nämlich darin auch um "Faulheit und Feigheit" der Bürger und um die Obrigkeiten, die ihr "Hausvieh zuerst dumm gemacht haben". Die Einführung des "Gesetzlichen Hautkrebsscreening" scheint mir nach zuletzt Zitiertem erfolgt zu sein. Dafür spricht:

Die Einführung des gHKS war auf Antrag der "Kassenärztlichen Bundesvereinigung" erfolgt. Alle dabei zur Begründung genannten Sachverhalte waren objektiv falsch dargestellt worden. Die KBV hatte solche auch erfunden und Quellen entstellt.

* Falsch war z.B. die Erklärung, Hautkrebs nehme "rasant zu"; jeder Neugeborene müsse damit rechnen, im Laufe seines Lebens "Hautkrebs" zu erkranken.

* Die Angaben über die Entwicklung von "Hautkrebs" und Mortalität stimmten nicht. Die Fälle von malignem Melanom waren in den Jahren vor der Antragsstellung kontinuierlich gesunken. Auch in der Untergruppe "jüngere Lebensalter" hatte es keine Zunahme gegeben.

* Durch Hautkrebs verursachte "sozio-ökonomische Belastungen" waren frei erfunden.

Wie in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" formuliert, hatte die KBV ein "Geschäftsmodell Todesangst" praktiziert. Mit Todesangst zu operieren, scheint mittlerweile ein gängiges Marketing-Instrument zu sein. Was nichts daran ändert, dass solches niemals ernsthaft zu rechtfertigen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Joachim Maes

( Unterschrift )


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