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Wenn die letzte FSME-Impfung lange her ist - das Auffrischen reicht manchmal trotzdem

Auch wenn die Inzidenz der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) derzeit rückläufig ist: Wer in FSME-Risikogebieten lebt oder oft dorthin reist, profitiert von einer Impfung. Vor allem Reisenden nach Osteuropa wird dazu geraten.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
So sieht eine Zecke unter dem Mikroskop aus.

So sieht eine Zecke unter dem Mikroskop aus.

© Foto: PhotoDisc

"Wenn ich in Europa in Richtung Osten reise und mich dort aufs Land begebe, dann würde ich mich auf jeden Fall impfen lassen", sagte Professor Reinhard Kaiser von der Neurologischen Klinik am Klinikum Pforzheim. Die Inzidenz der FSME ist dort regional sehr verschieden. Teilweise liegt sie bei 40 Infektionen pro 100 000 Menschen und Jahr. Zum Vergleich: Deutschlandweit liegt die Inzidenz bei 1,3 Erkrankungen pro 100 000 Menschen pro Jahr.

Von weißen Flecken auf den osteuropäischen FSME-Landkarten (siehe zum Beispiel www.zecken.de) solle man sich dabei nicht täuschen lassen, so Kaiser beim 33. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer. Oft würden die Erkrankungen einfach nicht gemeldet.

In Deutschland sind die Zahlen der FSME-Infektionen aus unklaren Gründen deutlich zurückgegangen, von 546 im Jahr 2006 auf 233 im Jahr 2007 und 276 im Jahr 2008. Bisher war postuliert worden, dass die Infektionen wegen des Klimawandels eher zunehmen müssten. Trotzdem gelten weite Teile Süddeutschlands sowie einzelne Landkreise in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz weiterhin als FSME-Risikogebiete, in denen sich eine Impfung dringend empfehle, so Kaiser.

Bei der Impfung gibt es in der Praxis oft Unklarheiten über das Vorgehen. Nach Grundimmunisierung wird die Auffrischimpfung in Deutschland alle fünf Jahre, ab dem 50. Lebensjahr alle drei Jahre empfohlen. Doch wie ist zu verfahren, wenn die letzte Impfung länger her ist? Was tun, wenn die aus drei Impfungen bestehende Grundimmunisierung unvollständig war?

"Das sind in der Praxis relativ häufige Konstellationen", sagte Kaiser. Er stellte eine aktuelle Studie vor, die sich mit diesen Fragen beschäftigt hat. An der Studie nahmen knapp 3000 Probanden teil, Daten von 832 konnten nach Protokoll ausgewertet werden.

Das Ergebnis war eindeutig: "Wenn in der Vergangenheit eine Grundimmunisierung erfolgte, dann liegt die Schutzrate durch eine erneute Einzelimpfung bei 98,8 Prozent, unabhängig davon, ob es nach der Grundimmunisierung Boosterimpfungen gab oder nicht", sagte Kaiser. Auch wenn die Grundimmunisierung unvollständig war oder die empfohlenen Zeitabstände zwischen den drei Impfungen nicht eingehalten wurden, werden mit einem einmaligen Booster Ansprechraten in dieser Größenordnung erreicht.

"Wir können allerdings nicht sagen, ob dieser Impfschutz dann auch länger als eine Saison anhält", so Kaiser. Dazu war die Studie nämlich zu kurz. Wer dauerhaft auf Nummer sicher gehen will, braucht also doch eine erneute Grundimmunisierung, wenn nicht regelmäßig geboostert wurde.

Wer allerdings nur einen FSME-Schutz für eine (Osteuropa-)Reise benötigt, bei dem reicht - Grundimmunisierung vorausgesetzt - in jedem Falle die Einzelinjektion. "Sie sollte dann ungefähr zwei Wochen vor dem Reiseantritt erfolgen", sagte Kaiser.

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