Prostata-Hyperplasie

Wenn jüngere Männer tröpfeln, ist’s oft Prostatitis

BERLIN (sko). Bei Männern unter 50 ist Harninkontinenz selten. Kommt sie aber vor, können Hausärzte durch weitere - typische - Beschwerden und die Ergebnisse einer rektalen Untersuchung rasch Hinweise auf eine häufige Ursache bekommen: eine Prostatitis.

Veröffentlicht: 16.01.2006, 08:00 Uhr

Bei der Diagnostik ist die Anamnese wegweisend: Betroffene schildern oft Drangsymptome oder "ein tennisballartiges Gefühl da unten beim Sitzen", wie Dr. Ayk-Peter Richter, Urologe aus Bonn, es beschreibt. "Wenn man sich den Patienten anhört und sein Alter berücksichtigt, kommt man eigentlich schon sehr gut zur Diagnose", sagte Richter bei einer Veranstaltung der Bundesärztekammer in Berlin. Bei der rektalen Untersuchung sei die Prostata auffallend weich und druckschmerzhaft.

Jetzt kann man Betroffene beruhigen, daß Krebs als Ursache der Symptome unwahrscheinlich ist und sie zum Urologen überweisen. Geklärt wird dort, ob Bakterien die Ursache sind. Außer Bluttests wird der Urin untersucht. In je einem Glas wird Erst- und Mittelstrahlurin aufgefangen, dann die Prostata massiert, eventuell exprimierbares Prostatasekret aufgefangen sowie Urin nach der Prostatamassage.

Bei mehr als 80 Prozent der Männer werden keine Keime gefunden. Ursache solcher abakteriellen Entzündungen ist nach Richters Angaben wohl eine Hochdruckmiktion. Dabei wird Urin aus der Harnröhre in die Prostata gedrückt. Bewährt habe sich die Therapie mit Alpha-Blockern zur Druckentlastung für mindestens sechs Monate.

Etwa zehn Prozent aller Patienten mit Prostatitis haben eine chronisch- bakterielle Form. Dann sind selbstverständlich Antibiotika indiziert. Häufige Erreger sind E. coli. Eine akute bakteriell bedingte Prostatitis ist sehr selten.

Jeder zweite Mann bekommt im Laufe seines Lebens mindestens einmal eine Prostatitis, der Häufigkeitsgipfel liegt um das 40. Jahr.



STICHWORT

Prostatitis

Bei Prostatitis gibt es vier Kategorien:

  • I: akute bakterielle Prostatitis. Sie ist sehr selten und verläuft hochakut.
  • II: chronisch bakterielle Prostatitis. Nachweis von Bakterien oder Leukozyten im Urin, Prostatasekret und Ejakulat.
  • III: chronisch abakterielle Prostatitis, auch chronisches Beckensyndrom genannt.
  • IV: asymptomatische entzündliche Prostatitis. Keine Symptome; Zufallsbefund etwa bei Biopsien. (gwa)
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