Hausmittelchen

Wer viel Wasser trinkt, beugt Harnwegsinfekten vor

Den Ratschlag, viel zu trinken, sollten sich Frauen nicht nur während eines Harnwegsinfektes zu Herzen nehmen. Wer auch danach reichlich Wasser trinkt, kann offenbar erneuten Beschwerden vorbeugen.

Von Dagmar Kraus Veröffentlicht: 22.10.2018, 05:01 Uhr
Wer viel Wasser trinkt, beugt Harnwegsinfekten vor

Jede zweite Frau hat nach unkomplizierter HWI innerhalb eines Jahres erneut Beschwerden.

© OcusFocus / Getty Images / iStock

MIAMI. Blasenentzündungen sind nicht nur unangenehm, sie sind oftmals auch hartnäckig. Gut die Hälfte der Frauen, die an einer unkomplizierten Harnwegsinfektion erkranken, bekommen nach Abklingen des Infektes innerhalb eines Jahres erneut Beschwerden.

Die Symptome lassen sich mit einem Antibiotikum zwar meist schnell in den Griff bekommen. Doch gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Resistenzen braucht es dringend antibiotikasparende Strategien. Um Harnwegsinfekte zu lindern oder ihnen vorzubeugen, gilt beispielsweise allgemein die Empfehlung, viel zu trinken. Mit der größeren Trinkmenge steigt das Harnvolumen und infolgedessen die Zahl der Miktionen, was die Elimination der Erreger erleichtert, so die Annahme.

Drei Zystitiden in einem Jahr

Mediziner um Dr. Thomas M. Hooton von der University of Miami in Miami haben nun den positiven Effekt des Wassertrinkens in einer klinischen Studie mit 140 prämenopausalen Frauen bestätigt (JAMA Intern Med 2018, online 1. Oktober).

Alle Probandinnen waren in den vorausgegangenen zwölf Monaten mindestens dreimal an einer Zystitis erkrankt und tranken im Durchschnitt eher wenig Wasser (< 1,5 Liter). Die Hälfte der Frauen wurde angehalten, während der 12-monatigen Studiendauer die tägliche Trinkmenge um 1,5 Liter Wasser zu erhöhen. Die anderen 70 behielten ihren Wasserkonsum bei.

Effektive Strategie

Während des Beobachtungszeitraumes wurden insgesamt 327 Zystitiden registriert, 111 in der Wassergruppe und 216 in der Kontrollgruppe. Tatsächlich gaben die Frauen der Wassergruppe 50 Prozent weniger Zystitisepisoden an als Frauen der Kontrollgruppe (1,7 vs. 3,2; Unterschied: 1,5, 95%-KI 1,2-1,8). Auch wurden in der Wassergruppe deutlich weniger Antibiotika verschrieben.

Während in der Kontrollgruppe im Durchschnitt 3,6-mal eine antimikrobiell wirksame Substanz rezeptiert worden war, blieb es in der Wassergruppe bei 1,9-mal(Unterschied 1,7, 95%-KI 1,3-2,1). In der Wassergruppe lagen zwischen den einzelnen Harnwegsinfekten im Durchschnitt 142,8 Tage (95%-KI 127,4-160,1), in der Kontrollgruppe 84,4 Tage (95%-KI 75,4-94,5).

Den täglichen Wasserkonsum zu erhöhen, ist für Frauen, die unter wiederkehrenden Harnwegsinfekten leiden und insgesamt wenig trinken, eine effektive Strategie, um weiteren Zystitiden vorzubeugen, resümieren die US-amerikanischen Studienautoren. Allerdings bleibe offen, ab welcher Trinkmenge pro Tag tatsächlich ein protektiver Effekt zu erwarten sei.

Auch Dr. Deborah Grady von der University of California in San Francisco sieht mit der Studie von Hooton und seinen Kollegen die Volksweisheit bestätigt, dass Trinken dabei hilft, Harnwegsinfektionen zu verhindern oder zu heilen. Gleichzeitig weist Grady in ihrem Editorial aber auf die fehlende Verblindung der Studie hin.

Zudem war die Studie firmengesponsert: Danone Research stellte das Wasser zur Verfügung. Für den Effekt ist es laut Grady jedoch unerheblich, ob das Wasser aus der Flasche oder aus dem Wasserhahn stammt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frage: Gelingt es mit einem gesteigerten Wasserkonsum, Harnwegsinfekten vorzubeugen?
  • Antwort: Frauen, die ihre tägliche Trinkmenge um 1,5 Liter Wasser erhöhten, hatten innerhalb eines Jahres 50 Prozent weniger Harnwegsinfekte als Frauen, die deutlich weniger tranken.
  • Einschränkung: Die Studie war nicht verblindet und das primäre Outcome basierte auf den Selbstangaben der Patienten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Oma hatte doch recht

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