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Fund in einem Bartkauz

West-Nil-Virus erstmals in Deutschland

Das West-Nil-Virus hat nun wohl auch Deutschland erreicht: Erstmals haben Forscher das Virus bei einem Vogel nachgewiesen. Im Süden Europas sind bereits fast 50 Menschen an den Folgen der Infektion gestorben.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Mücken der Gattung Culex sind die Hauptüberträger des West-Nil-Fiebers.

Mücken der Gattung Culex sind die Hauptüberträger des West-Nil-Fiebers.

© Stefan Sauer / dpa / picture alliance

NEU-ISENBURG. Die Zahl der Fälle von West-Nil-Fieber liegt in Europa in diesem Jahr deutlich höher als im vergangenen Jahr. Wie die Europäische Seuchenbehörde ECDC meldet, wurden im Jahr 2018 in den sechs Wochen nach Bestätigung des ersten Falles 168 Fälle gemeldet, 2017 waren es in derselben Zeitspanne nur 66 Fälle.

Betroffen sind vor allem Italien, Griechenland und Serbien, allein in diesen drei Ländern starben seit Anfang des Jahres bereits 47 Menschen.

Als Virusreservoir dienen Vögel

In Deutschland tritt das West-Nil-Fieber nur sehr selten auf, bisher handelte es sich immer um eingeschleppte Infektionen. Allerdings treten auch nur bei etwa 80 Prozent der Infizierten Symptome auf (ähnlich denen einer Grippe) – und vor Kurzem wurde erstmals eine West-Nil-Infektion bei einem Bartkauz in Halle (Saale) in Deutschland nachgewiesen, wie das Friedrich-Loeffler-Institut berichtet. Genetische Untersuchungen des Virus und epidemiologische Nachforschungen sollen nun Auskunft über die Herkunft des Virus bringen.

Der Erreger des West-Nil-Fiebers, das West-Nil-Virus (WNV), wird durch Mosquitostiche übertragen. Als mögliche Vektoren kommen mehrere Mückengattungen infrage, vor allem die Gattung Culex.

Andere Übertragungswege sind Organtransplantationen, Blutspenden, Mutter-Kind-Infektionen in der Schwangerschaft oder bei Arbeiten in medizinischen Labors. Als Virusreservoir dienen hauptsächlich Vögel, aber auch Pferde.

Ungewöhnlicher Frühlingsbeginn

Endemisch ist das WNV in Afrika, Nordamerika und in den südöstlichen Ländern des Mittelmeerraums. Hier kommt es immer wieder zu Ausbrüchen von West-Nil-Fieber, meist zwischen Juli und Oktober, wobei der Peak der Infektionszahl zwischen Mitte August und Mitte September liegt.

2018 allerdings seien die ersten Erkrankungen schon Ende Mai vermerkt worden, berichtet das ECDC. Die ersten bestätigten Fälle einer WNV-Infektion seien den örtlichen Behörden Ende Juni 2018 gemeldet worden, die Fallzahl schon im Juli untypischerweise sehr schnell angestiegen. Grund dafür sind vermutlich zum einen der ungewöhnlich frühe Beginn des Frühjahrs.

Zum anderen gab es in den besonders betroffenen Regionen – Griechenland, Italien und andere Länder an der Adriaküste –, im Frühling besonders hohe Temperaturen und hohe Niederschlagsmengen. Optimale Brutbedingungen für Mosquitos also.

"Hinzu kommt, dass hohe Temperaturen die Virusreplikation steigern und die Inkubationszeit verkürzen", so das ECDC. Dies erhöhe das Risiko für Ausbrüche des West-Nil-Fiebers. Gesundheitsbehörden sollten daher bei ähnlichen Witterungsbedingungen künftig besonders wachsam sein.

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