Kontrazeptiva

Wie die Verhütungsmethode die spätere Fruchtbarkeit beeinflusst

Wie lange es nach Absetzen einer Verhütungsmethode dauert, bis sich die Fruchtbarkeit normalisiert, variiert je nach Methode. Am längsten dauert es einer aktuellen Studie zufolge bei Depotspritzen.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:
Ovulation: Eine dauerhafte Beeinträchtigung der Fertilität durch Kontrazeptiva ist offenbar nicht zu befürchten, auch nicht bei Langzeitanwendung von hormonalen Kontrazeptiva.

Ovulation: Eine dauerhafte Beeinträchtigung der Fertilität durch Kontrazeptiva ist offenbar nicht zu befürchten, auch nicht bei Langzeitanwendung von hormonalen Kontrazeptiva.

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Boston. Pille und Kondome sind in Europa und den USA die meist genutzten Verhütungsmittel. Seit einigen Jahren jedoch werden reversible Langzeitverhütungsmethoden, speziell Intrauterinpessare, zunehmend beliebter.

Während im Jahr 1995 gerade einmal zwei Prozent der 25- bis 34-jährigen Frauen in den USA angaben, reversible Langzeitverhütungsmethoden zu nutzen, waren es in den Jahren 2015 bis 2017 bereits 13 Prozent. In Europa wird für das Jahr 2019 der Anteil mit neun Prozent beziffert.

Daten zu den Auswirkungen dieser Verhütungsmethode auf die Fruchtbarkeit sind bislang kaum verfügbar. Deshalb haben US-amerikanische Wissenschaftler diesen Zusammenhang nun an rund 18.000 Frauen mit Kinderwunsch prospektiv untersucht (BMJ 2020; online 11. November).

Die Frauen aus Dänemark, Kanada und den USA hatten an einer von drei prospektiven Studien (Snart Gravid, Snart Foraeldre, PRESTO) teilgenommen, in denen evaluiert wurde, nach wie vielen Zyklen im Durchschnitt eine Schwangerschaft eintritt. Nach sechs Monaten waren 56 Prozent der Frauen schwanger, nach zwölf Monaten waren es 77 Prozent.

Mehr als jede Zehnte nutzte IUP

Auf die Frage, welche Verhütungsmethode zuvor überwiegend genutzt worden war, nannten 38 Prozent der Studienteilnehmerinnen orale Kontrazeptiva (OC), 13 Prozent reversible Langzeitverhütungsmethoden und 31 Prozent Barrieremethoden. Das Intrauterinpessar – entweder hormonhaltig (acht Prozent) oder aus Kupfer (vier Prozent) – war die meist genutzte reversible Langzeitverhütungsmethode weit vor Hormonimplantat oder Depotspritze.

Bis sich nach Absetzen der Verhütungsmethode die Fruchtbarkeit wieder normalisierte, brauchte es methodenabhängig unterschiedlich lange. Anwenderinnen der Dreimonatsspritze mussten am längsten warten; im Vergleich zu Barrieremethoden dauerte es fünf bis acht Zyklen länger.

Vier Zyklen länger dauerte es bei Anwenderinnen von Verhütungspflastern; ein Plus von drei Zyklen ergab sich für orale Kontrazeptiva und Verhütungsring. Nach Entfernen eines Intrauterinpessars – egal ob kupfer- oder hormonhaltig – brauchte es zwei zusätzliche Zyklen.

Keine dauerhafte Beeinträchtigung der Fertilität

Wie lange es nach Absetzen einer Verhütungsmethode dauert, bis sich die Fruchtbarkeit normalisiert, variiert in Abhängigkeit der verwendeten Methode, so das Resümee der Studienautoren. Die längste Zeitverzögerung im Vergleich zu Barrieremethoden ergab sich für Depotspritzen, gefolgt von Hormonpflastern und oralen Kontrazeptiva.

Für Intrauterinpessare war der Verzug mit einem Plus von zwei Zyklen relativ gering. Allerdings wollen die Studienautoren das Ergebnis zur Depotspritze mit Vorsicht interpretiert wissen, denn der Zeitpunkt der letzten Injektion war in den Patientenunterlagen nicht dokumentiert.

Eine dauerhafte Beeinträchtigung der Fertilität ist gemäß der Forscher nicht zu befürchten, auch nicht bei einer Langzeitanwendung von hormonalen Kontrazeptiva. Die errechnete Schwangerschaftswahrscheinlichkeit pro Menstruationszyklus lag bei Frauen, die zwischen vier und fünf Jahren OC genutzt hatten, um 20 Prozent höher als bei Frauen mit einer Anwendungsdauer unter zwei Jahren.

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