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Krebs

Wie eine HPV-Impfung auch Jungen nützt

Werden Mädchen gegen HPV geimpft, profitieren auch Jungen davon: Bestimmte Krebsarten lassen sich beim männlichen Nachwuchs dadurch wirksamer verhindern.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Bei einer Durchimpfungsquote von 90 Prozent der jungen Frauen würde die Last der HPV-16-/-18-assoziierten Krebsfälle bei heterosexuellen Männern laut Studienautoren um 66 Prozent sinken.

Bei einer Durchimpfungsquote von 90 Prozent der jungen Frauen würde die Last der HPV-16-/-18-assoziierten Krebsfälle bei heterosexuellen Männern laut Studienautoren um 66 Prozent sinken.

© Klaus Eppele / fotolia.com

AMSTERDAM. Um den Nutzen einer HPV-Impfung für Jungen beurteilen zu können, muss man abschätzen, wie hoch die Krankheitslast durch HPV-assoziierte Erkrankungen bei Männern ist und wie viele davon bereits durch die Impfung von Mädchen verhindert werden.

Genau das haben Ärzte aus den Niederlanden getan, indem sie Daten des nationalen Krebsregisters als Basis einer Bayes-Evidenzsynthese genutzt haben (BMJ 2015; 350: h2016).

Demnach ist bei einer Impfquote von 60 Prozent unter den Mädchen noch "ein beträchtlicher Gewinn" durch die zusätzliche Impfung von Jungen zu erwarten, wie Johannes A. Bogaards von der Universität Amsterdam und Kollegen berichten.

Die Zahl der Jungen, die geimpft werden müssen, um ein Karzinom in späteren Jahren zu verhindern, ist unter diesen Bedingungen allerdings viermal so hoch wie die der Mädchen zur Prävention eines Zervixkarzinoms.

14,9 QUALYs würden verloren gehen

Ganz ohne HPV-Impfung, so die Berechnung der Niederländer, würden pro 1000 Männer 14,9 qualitätsadjustierte Lebensjahre (QALYs) durch HPV-16- oder HPV-18-assoziierte Krebserkrankungen verloren gehen, davon 8,4 QALYs durch Plattenepithelkarzinome des Oropharynx, 5,2 durch Analkarzinome und 1,1 durch Peniskarzinome.

Wenn junge Frauen zu 60 Prozent gegen HPV geimpft sind, wie es derzeit in den Niederlanden der Fall ist, dann senkt das die Belastung durch impfpräventable Krebserkrankungen bei heterosexuellen Männern um schätzungsweise 37 Prozent.

Karzinome des Penis werden um 54 Prozent, die des Mund-Rachen-Raums um 46 Prozent und die der Analregion um 18 Prozent reduziert.

Bei einer angestrebten Durchimpfungsquote von 90 Prozent der jungen Frauen würde die Last der HPV-16-/-18-assoziierten Krebsfälle laut Bogaards und Kollegen sogar um 66 Prozent sinken.

Number Needed to be Vaccinated: 795

Würden zusätzlich auch die Jungen im Alter von zwölf Jahren die HPV-Vakzine erhalten, dann müssten bei einer Impfrate von 60 Prozent unter den Mädchen 109 Jungen geimpft werden, um ein QALY zu retten. 795 männliche Impflinge wären nötig, um ein Karzinom zu verhindern.

Die tumorspezifischen "Numbers Needed to be Vaccinated" würden 1975 für Oropharynx-, 2162 für Anal- und 3486 für Penis-Ca betragen. Zum Vergleich: Zur Vermeidung eines Zervix-Ca müssen 200 Mädchen gegen HPV geimpft werden.

Deutlich geringer wäre der Nutzen der HPV-Impfung für Jungen, falls die Durchimpfungsrate der Mädchen 90 Prozent erreichen sollte.

In diesem Fall müssten 1735 Jungen die Vakzine bekommen, um einen Krebsfall zu verhindern, so die Berechnungen. Die krebsspezifischen "Numbers Needed to be Vaccinated" wären dann 2593 für ein Anal-, 6484 für ein Oropharynx- und 29.107 für ein Peniskarzinom.

Die Studienautoren betonen zwar, dass die Gesundheitsbehörden an erster Stelle darauf abzielen sollten, dass "so viele Mädchen wie möglich" geimpft würden.

"Der Schutz von Frauen sollte allerdings nicht mehr das einzige Ziel von HPV-Impfprogrammen sein." Zwar würden Männer indirekt von der Impfung von Mädchen profitieren.

"Unsere Schätzungen verdeutlichen aber, dass HPV-Präventionsanstrengungen für Männer weiterhin relevant sind". Das gelte vor allem für die Vorbeugung von Analkarzinomen bei Männern, die Sex mit Männern haben.

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