Rezidiv nach Prostatektomie

Wie lassen sich gefährdete Männer entdecken?

Nach einer Prostatektomie lässt sich relativ einfach vorhersagen, welcher Mann ein erhöhtes Risiko hat, innerhalb eines Jahres ein biochemisches Rezidiv zu erleiden. Bereits eines von zwei Kriterien macht es möglich.

Veröffentlicht:
Prostatektomie: Zwei Kriterien könnten bei der Bewertung des Rezidivrisikos helfen.

Prostatektomie: Zwei Kriterien könnten bei der Bewertung des Rezidivrisikos helfen.

© Klaus Rose

BALTIMORE. Bereits eines von zwei präoperativen Kriterien liefert bei Hochrisikopatienten nach einer Prostatektomie möglicherweise entscheidende Hinweise auf ein frühes Rezidivrisiko: ein primärer Gleason-Grad 5 oder mindestens vier Prostatastanzen mit einem Gleason-Grad 4.

Aus mehreren Studien geht hervor, dass bei Hochrisikopatienten nach dem Eingriff die Rate mit einem biochemischen Rezidiv (PSA-Wert . zwei ng/ml) innerhalb der folgenden drei bis fünf Jahre bei 55 bis 70 Prozent liegt. Ein Anteil von weiteren 32 Prozent wird in zehn Jahren ein solches Rezidiv erleiden, bei 16 Prozent wird es zur Metastasierung kommen, wie US-Urologen um Dr. Dabasish Sundi vom Johns Hopkins Hospital in Baltimore berichten.

Um Anhaltspunkte zu finden, welcher Hochrisikopatient Gefahr läuft, schon innerhalb eines Jahres ein Rezidiv zu bekommen, analysierten sie retrospektiv die Befunde von knapp 1500 aus einer Sammlung von insgesamt 20.000 wegen eines Prostatakarzinoms operierten Männern (Prostate 2014; online 22. Januar).

Das Risiko war dabei nach den Kriterien des National Comprehensive Cancer Network (NCCN) definiert: ein Gleason-Score von acht bis zehn und/oder ein PSA-Wert über 20 ng/ml und/oder ein Tumorstadium größer als T2 (also nicht mehr lokal begrenzt). Primärer Endpunkt der Studie war das frühzeitige Auftreten eines Rezidivs.

Von insgesamt 1471 Patienten kam es bei 520 innerhalb eines Jahres zu einem biochemischen Rezidiv, bei 951 Männern trat es erst später auf. Männer mit einem frühen Rezidiv hatten ein statistisch erhöhtes Risiko für Fernmetastasen (33,1 versus 18,1 Prozent) und eine tumorspezifische Mortalität (24,0 versus 13,1 Prozent).

Der Anteil der Männer mit einem hohen NCCN-Risiko lag in der Gruppe mit spätem Rezidiv bei 19,2 Prozent, in der Gruppe mit frühem Rezidiv dagegen bei 33,7 Prozent. Bei Männern der Hochrisikogruppe mit früh auftretendem Rezidiv war die Wahrscheinlichkeit für eine perineurale Invasion der Krebszellen annähernd doppelt so hoch wie bei Spätrezidivierenden (36,7 versus 22,3 Prozent).

Außerdem lag der Anteil der Männer mit Fernmetastasen drastisch höher (48,1 versus 8,6 Prozent). Allerdings war das Follow-up in der Gruppe der Patienten mit früh auftretendem Rezidiv deutlich kürzer (vier versus sechs Jahre).

Bei der statistischen Auswertung stellte sich heraus, dass die stärkste Assoziation mit einem frühen Rezidiv alternativ der präoperative Parameter Gleason-Grad 5 oder vier oder mehr Stanzzylinder Grad-4-positiv waren. Patienten, bei denen der eine oder andere Parameter zutraf, hatten ein um das Dreifache erhöhtes Risiko für ein Frührezidiv (Odds Ratio: 3,17).

Prostatektomierte Männer mit einem erhöhten Risiko für ein frühes biochemisches Rezidiv könnten möglicherweise von einer adjuvanten Therapie profitieren. Allerdings müsse dies noch in prospektiven Studien überprüft werden, so die Urologen. (ple)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Unzuverlässige Biopsie

Beim Prostatakarzinom heißt GG1 nicht immer indolent!

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

Lesetipps
Ein Mann schwimmt in einem Schwimmbecken.

© TeamDF / stock.adobe.com

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft