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Wie weit geht die Kostenverantwortung von Ärzten?

BERLIN (ami). Wer entscheidet, wie medizinischer Fortschritt gerecht verteilt wird? Das haben Experten aus allen Bereichen des Gesundheitswesens am Wochenende in Berlin diskutiert.

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"Ärzte haben eine doppelte ethische Verantwortung und Verpflichtung", sagte Dr. Hermann Schulte-Sasse, ehemaliger Gesundheitsstaatssekretär der Linken in Berlin und angehender SPD-Staatsrat in Bremen. Sie seien zwar ihren Patienten verpflichtet, aber auch der gesamten Gesellschaft und somit auch zum Erhalt des solidarischen Krankenversicherungssystems. "Für die Höhe der Ausgaben sind sie fast ausschließlich verantwortlich", so der Politiker bei einem Symposium des Klinikkonzerns Vivantes zur Verabschiedung des onkologischen Chefarztes Professor Anton Mayr.

Dem widersprach der Hamburger Onkologe Professor Dieter Hossfeld. "Es kann nicht sein, dass der Arzt für die Finanzierung der GKV genauso verantwortlich ist wie für den einzelnen Patienten", sagte Hossfeld. Er sprach sich für eine offene Diskussion über Kriterien zur Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Therapien aus. Besonders in der Onkologie sei das aufgrund der rasanten Fortschritte nötig. "Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden wir die Onkologie in eine Fortschrittsfalle führen, in der wir alle ersticken", so Hossfeld.

Für die Bewertung neuer diagnostischer und therapeutischer Optionen gebe es aber "nur rudimentäre Werkzeuge", kritisierte Vivantes-Chef Joachim Bovelet. "Ärzte und Krankenhausmanager laufen so Gefahr, Entscheidungen zu treffen, die nur unzureichend legitimiert sind", sagte Bovelet. Auch der ehemalige Berliner AOK-Chef Rolf-Dieter Müller bemängelte, dass es kaum Daten über den Wert des Fortschritts gebe.

Einig waren sich Ärzte, Manager und Politiker darin, dass die Entwicklung von Kriterien zur Kosten-Nutzen-Bewertung von einem neutralen Gremium vorgenommen werden muss. Die Politik sei maßlos überfordert, so Schulte-Sasse. "Diese Herkulesaufgabe wird nur gelingen, wenn alle Beteiligten zusammenwirken."

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