Wieder Streit um die Vergleichstherapie

FRANKFURT/MAIN (cw). Auf das IQWiG-Votum gegen das Brustkrebsmittel Eribulin hat Hersteller Eisai umgehend reagiert: Das Unternehmen wirft dem Institut vor, durch nachträglich definierte Sub-Gruppen die statistische Aussagekraft der Zulassungsstudie zu verzerren.

Veröffentlicht:
Hat Eribulin bei Brustkrebs einen Zusatznutzen oder nicht? Der Streit geht weiter.

Hat Eribulin bei Brustkrebs einen Zusatznutzen oder nicht? Der Streit geht weiter.

© Springer Verlag GmbH

"Mit Überraschung und Unverständnis" habe Eisai zur Kenntnis genommen, dass das IQWiG keinen Zusatznutzen für Eribulin (Halaven®) in der Therapie von vorbehandeltem Brustkrebs habe erkennen können, heißt es in einer Stellungnahme.

Konkret wirft Eisai dem IQWiG vor, aus der vorgelegten Studie nachträglich zwei Subgruppen gebildet und damit die statistische Aussagekraft der Studie reduziert zu haben.

Umgekehrt hatte das IQWiG zuvor kritisiert, in der Eisai-Studie (Lancet 2011; 377(9769): 914-923) seien "nur 69 Prozent der Patientinnen in der Vergleichsgruppe gemäß den Vorgaben des GBA behandelt" worden.

Eisai dagegen rechtfertigt seine weiter gefasste Wahl der Vergleichstherapie sowohl mit dem Hinweis auf nationale Leitlinien als auch internationale Guidelines. Außerdem sei dieses Vorgehen mit der Zulassungsbehörde EMA abgestimmt gewesen.

Therapie nach Wahl des Arztes

Die von Eisai vorgelegte Zulassungsstudie umfasste 762 Frauen mit metastasiertem oder lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom, die bereits mindestens zwei Chemotherapien inklusive eines Anthrazyklins und eines Taxans erhalten hatten.

Die so vorbehandelten Patientinnen wurden entweder mit Eribulin oder "einer Therapie nach Wahl des Arztes" weiterbehandelt ("Treatment of Physicians Choice", TPC) da es, so Eisai, "keine Standardtherapie für derart vorbehandelte Frauen gibt".

Das IQWiG hatte dann in seiner Bewertung von Eribulin zwar Anhaltspunkte für einen lebensverlängernden Effekt unter Eribulin für Patientinnen konzediert, die keine Taxane oder Anthrazykline mehr bekommen sollten.

Allerdings wurde moniert, es sei unklar "um wieviele Wochen oder Monate es sich dabei handeln kann". Aufgerechnet gegen mögliche Nebenwirkungen sprach das Institut dem Wirkstoff schließlich einen Zusatznutzen ab.

Laut Institut habe der Bundesausschuss als zweckmäßige Vergleichstherapie entweder eine Monotherapie mit Capecitabin, 5-Fluorouracil oder Vinorelbin oder aber eine erneute anthrazyklin- oder taxanhaltige Therapie gefordert, sofern die Patientinnen dafür infrage kamen.

Dennoch, so monieren die Kölner Prüfer, habe Eisai "in seinem Dossier die Ergebnisse aller Patientinnen (Gesamtpopulation) herangezogen. Dies ist ein Vorgehen, dem das IQWiG nicht folgen kann."

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Sollte bei Brustkrebs gegen COVID-19 geimpft werden?

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Was zur Prophylaxe wirklich nützt

© bymuratdeniz / Getty Images / iStock

Rezidivierende Harnwegsinfekte

Was zur Prophylaxe wirklich nützt

Kooperation | In Kooperation mit: Dermapharm AG
Fast jede Frau macht die Erfahrung einer Blasenentzündung. Häufigster Erreger ist E. coli.

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

Prophylaxe von Harnwegsinfekten

Langzeit-Antibiose nicht mehr First Line

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Dermapharm AG
Plädoyer für die Immunprophylaxe bei Harnwegsinfekten

Experten-Workshop

Plädoyer für die Immunprophylaxe bei Harnwegsinfekten

Kooperation | In Kooperation mit: Dermapharm AG
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Abb. 1: Finale Analyse der SPOTLIGHT-Studie zum fortgeschrittenen, Claudin-18.2-positiven und HER2-negativen Adenokarzinom des Magens/AEG: Gesamtüberleben (PPS-Population)

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [8]

Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Zolbetuximab: Standardtherapie bei CLDN18.2+/HER2− Magenkarzinomen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Innovative Diabetestherapie

Nicht-peptidische GLP-1-Rezeptoragonisten am Start

Lesetipps
DEGAM, DDG oder DGIM: Je nach Fachgesellschaft finden sich teils leicht voneinander abweichende Empfehlungen.

© mit KI generiert / kirania / stock.adobe.com

Keine einheitlichen Zielkorridore

Typ-2-Diabetes: So stark divergieren die aktuellen Empfehlungen

Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?