Direkt zum Inhaltsbereich

"Wippt der Fuß, dann haben wir gewonnen"

KÖLN (iss). Beim Langsamen Walzer und beim Wiener Walzer ist die Resonanz groß, viele Paare wagen sich auf die Tanzfläche. Beim Tango bleiben die meisten dann doch lieber auf ihren Plätzen sitzen und bewundern die ältere Dame, die sich mit Tanzlehrer Hans-Georg Stallnig aufs Parkett wagt. Tanzen mit Demenzpatienten in Köln: ein Angebot, das gut angenommen wird.

Veröffentlicht:

In der Tanzschule Stallnig-Nierhaus geht es an diesem Freitag nachmittag etwas lebhafter zu als sonst. Der Tanzkreis "59 Plus" um 15 Uhr hat Verstärkung bekommen durch Bewohner mehrerer Alteneinrichtungen und ihre Betreuer. Einige der Gäste sind dement, andere nicht, gemeinsam ist ihnen die Lust, mal wieder das Tanzbein zu schwingen.

Gelungene Aktion zum Welt-Alzheimertag

Unter dem Motto "Wir tanzen wieder" haben das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und das Demenz-Servicezentrum für die Region Köln und das südliche Rheinland anlässlich des Welt-Alzheimertages in die Tanzschule eingeladen. Die Aktion soll der Auftakt sein für regelmäßige Tanzveranstaltungen für Paare, bei denen ein Partner an Demenz erkrankt ist.

"Bei Demenz spielt Bewegung eine ganz zentrale Rolle", sagt Christine Sowinski, Fachbereichskoordinatorin für Soziales und Pflege beim KDA. Durch Bewegung könne der Beginn der Erkrankung hinausgezögert werden, bei bereits Erkrankten lasse sich der Zustand damit erheblich verbessern. Das Tanzen habe einen besonderen Vorteil: "Tanzen und Musik sprechen die Gefühle an." Das ermögliche einen neuen Zugang zu den Patienten und biete den Erkrankten und den Angehörigen oft eine unerwartete positive Erfahrung. "Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Ältere die Schritte von früher noch kennen."

Patienten werden aus der Isolation geführt

Gerade Hausärzte sollten das Thema Bewegung bei Angehörigen von Demenzkranken ansprechen, empfiehlt Sowinski. "Der Hinweis auf die Bedeutung der Bewegung sollte für die Hausärzte zur Selbstverständlichkeit im Umgang mit Dementen werden."

Man brauche einen langen Atem, um die Patienten und ihre Angehörigen aus der Isolation zu holen, sagt Stefan Kleinstück, Koordinator des Demenz-Servicezentrums. "Wir müssen ihnen zeigen: Es geht." Wichtig sei, den Menschen die Angst vor einer Einrichtung wie der Tanzschule zu nehmen. Sind sie erst einmal da und hören die Musik, ergibt sich alles weitere, glaubt er. "Wippt der Fuß erst einmal, dann haben wir gewonnen." Die Kölner Aktion soll einen kleinen Beitrag dazu liefern, das Thema Demenz zu enttabuisieren. "Unser Ziel ist es, Tanzangebote für Menschen mit Demenz zu einer regelmäßigen Einrichtung zu machen", berichtet Kleinstück. Er hofft, dass sich noch mehr Tanzschulen - nicht nur in Köln - solchen Angeboten öffnen.

"Jeder hat doch die Erfahrung: Über Musik kommt die Erinnerung", sagt Tanzlehrer Stallnig.

"Es geht um Spaß an der Bewegung"

Gibt es genügend Interesse soll die Aktion "Wir tanzen wieder" soll zumindest in seiner Tanzschule keine Eintagsfliege bleiben. "Wir machen hier doch etwas ganz Normales", sagt Stallnig. Der Spaß an der Bewegung und der Musik stehe beim Tanzen im Vordergrund, nicht die sportliche Leistung.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

US-Datenbank-Analyse

Hochdosierter Influenza-Impfstoff könnte Demenz vorbeugen

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Differenzierung ist entscheidend

INOCA/ANOCA: Welche Therapie ist die richtige?

Apps auf Rezept im Visier

Schutz vor Regress bei der DiGA-Verordnung

Digitalisierung

KI-Chatbots bieten 24/7-Sprechstunde für Patienten

Lesetipps
Dass Sport einen positiven Effekt bei Patienten mit Depressionen hat, ist nichts Neues. Der Casus Knacksus ist die Motivation.

© Rifqi Muflih / stock.adobe.com

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Jörg Schelling

© Foto: Matthias Balk

Hantavirus und Ebolavirus

Was Patienten brauchen, die Sorge vor einem neuen Virusausbruch haben

Ein Arzt arbeitet mit einer KI-Anwendung.

© Deemerwha studio / stock.adobe.com

Von DiGA bis Chatbot

Wie KI hilft, die rheumatologische Versorgung zu verbessern