Ticagrelor

Wirkmechanismus aufgeklärt

Ticagrelor verhindert das Verklumpen der Blutplättchen, indem es die ADP-Bindungsstelle am Rezeptor besetzt.

Veröffentlicht:

BONN. Indikation des Thrombozytenaggregationshemmers Ticagrelor ist die Infarktprophylaxe bei Herzpatienten.

Bekannt war bisher, dass er an das Membranprotein P2Y12 bindet, das unter anderem das Verklumpen der Blutplättchen steuert. Auf welche Weise, war aber unklar. Nun wurde der Wirkmechanismus aufgeklärt, wie die Universität Bonn mitteilt.

P2Y12 ist ein Rezeptor. Normalerweise reagiert er auf das Signal des Moleküls ADP: Sobald ADP andockt, beginnen die Blutplättchen zu verklumpen. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass ADP und Ticagrelor an überlappenden Bereichen von P2Y12 binden.

Ticagrelor besetzt also die ADP-Bindungsstelle und blockiert sie. Der Ticagrelor-beladene Rezeptor löst zudem keine Gerinnungsreaktion aus (Journal of Thrombosis and Haemostasis 2014, online 29. September).

Die Wissenschaftler haben im P2Y12-Rezeptor eine Aminosäure identifiziert, die für die Bindung von Ticagrelor sehr wichtig ist. Diese Beobachtung könnte es nun erleichtern, den Wirkstoff zu modifizieren und zu verbessern.

Verbesserte Gerinnungshemmung

Dabei hilft ein Computerprogramm, das in Sekundenschnelle Tausende von Varianten durchspielt und nach Ticagrelor-Modifikationen sucht, die theoretisch noch besser an die Schlüsselaminosäuren andocken. Dadurch könnten sich unerwünschte Wirkungen wie Atemstörungen vermindern oder abstellen lassen.

Das erst vor wenigen Jahren entwickelte Medikament bietet bedeutende Vorteile: Es muss nicht gespritzt werden, sondern lässt sich schlucken, heißt es in der Mitteilung. Und seine Wirkung sei reversibel - wenn es zu Blutungen kommt, kann man die Einnahme stoppen und damit die Gerinnung der Blutplättchen wieder in Gang setzen.

Vor allem aber hemme Ticagrelor den P2Y12-Rezeptor direkt - im Gegensatz zu Substanzen, die in inaktiver Form verabreicht und erst in der Leber in das eigentliche Medikament umgewandelt werden. Da diese Umwandlung bei manchen Patienten besser klappt als bei anderen, sei die Wirkung schlecht kalkulierbar, heißt es in der Mitteilung.

Infarktrate messbar gesenkt

Bei jedem vierten Patienten hatten die "alten" P2Y12-Hemmstoffe nach den Ergebnissen einer klinischen Studie keinen Effekt. Untersuchungen zufolge kann Ticagrelor bei ihnen die Infarktrate gegenüber den althergebrachten Wirkstoffen noch einmal messbar senken. (eb)

Mehr zum Thema

Corona-Studien-Splitter

Hohe Viruslasten auch bei Kindern möglich

Infarkt-Prädiktoren

Herzinfarkt: Risikofaktoren für Typ-1 und Typ-2 wohl ähnlich

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Derzeit haben rund 400 Ärztinnen und Ärzte in Bayern die Zusatzbezeichnung Homöopathie erlangt. Künftig ist dies nicht mehr möglich.

© Mediteraneo / stock.adobe.com

80. Bayerischer Ärztetag

Bayern streicht Homöopathie aus Weiterbildungsordnung

Nach erfolgreicher Sondierungswoche (v.l.n.r): Robert Habeck und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und FDP-Chef Christian Lindner am Freitag in Berlin.

© Kay Nietfeld/picture alliance

Update

Erfolgreiche Sondierung

Das plant die Ampelkoalition im Bereich Gesundheit