Direkt zum Inhaltsbereich

Tuberkulose-Bericht

Wo bleiben die Fortschritte?

Schlechte Nachrichten zur Tuberkulose: Die Zahl der Neuinfektionen und Toten ist im vergangenen Jahr fast konstant geblieben. Wichtige Millenniumziele könnten trotzdem bis 2015 erreicht werden.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis, aufgenommen unter dem Elektronenmikroskop.

Der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis, aufgenommen unter dem Elektronenmikroskop.

© RKI / Gudrun Holland / dpa

Jetzt bloß nicht mit den Anstrengungen nachlassen - das ist eine der wichtigsten Schlussfolgerungen, die sich aus dem aktuellen Tuberkulosebericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben. Denn das selbstgesteckte Ziel, die TB-Mortalitätsrate des Jahres 1990 bis zum Jahr 2015 zu halbieren, ist in Reichweite.

Allerdings gab es im vergangenen Jahr keine allzu großen Fortschritte mehr, die TB-Inzidenz und die TB-Mortalität sind im Vergleich zum Vorjahr nur noch marginal gesunken.

Nach dem aktuellen Report erkrankten 2012 weltweit 8,6 Millionen Menschen neu an TB und 1,3 Millionen starben daran. Im Vorjahr zählte die WHO noch 8,7 Millionen Neuinfektionen und 1,4 Millionen TB-Tote.

Immerhin geht die Zahl der Neuinfektionen nun schon etwa seit einem Jahrzehnt zurück, die Inzidenz sank seit dem Jahr 2000 global von 148 auf 122 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die TB-Mortalität fiel im selben Zeitraum von 22 auf 13 pro 100.000 Einwohner.

Eines der Millenniumziele der WHO, nämlich ein Rückgang der TB-Inzidenz, ist damit bereits erreicht worden. Mit einer Reduktion der Mortalität um 45 Prozent seit 1990 ist auch das zweite Ziel - ein Rückgang um die Hälfte - in Reichweite. Deutlich verfehlt wird wohl das dritte Ziel, die TB-Prävalenz um 50 Prozent zu senken.

Um TB weiter einzudämmen, müssten noch eine ganze Reihe von Problemen gelöst werden, heißt es in dem am 23. Oktober veröffentlichten Bericht.

Jeder dritte Neuerkrankte nicht erfasst

Sorge bereitet der WHO, dass noch immer jeder dritte Neuerkrankte vom lokalen Gesundheitssystem nicht erfasst und damit auch nicht behandelt wird. Immerhin ist auch dieser Anteil in den vergangenen zwölf Jahren gesunken - im Jahr 2000 waren es noch 42 Prozent.

Dennoch fehle es in vielen schwer betroffenen Ländern weiterhin an Ressourcen, um auch Personen jenseits der staatlichen Gesundheitssysteme zu erreichen und nach der Diagnose adäquat zu behandeln.

Hier sei unter anderem ein vermehrter Einsatz von freiwilligen Helfern und NGOs erforderlich, um solche Defizite zu mildern, schreibt die WHO.

Leicht verbessert hat sich offenbar auch der Nachweis multiresistenter Erreger (multi drug resistant TB, MDR-TB). Schätzungen gehen von 450.000 MDR-Neuerkrankungen im Jahr 2012 aus, es erfolgte aber nur bei einem Viertel der Betroffenen ein MDR-Nachweis. Im Jahr zuvor war der Anteil mit einem Fünftel allerdings noch geringer.

Von dieser Verbesserung bei der Diagnose profitierten aber nicht alle Patienten: Etwa 16.000 bekamen trotz MDR-Nachweis keine Therapie, sondern wurden auf eine Warteliste gesetzt.

"Es ist völlig inakzeptabel, dass ein verbesserter Zugang zur Diagnostik nicht auch zu einem besseren Zugang zur Therapie führt", schreibt Dr. Mario Raviglione, Direktor des TB-Programms der WHO.

Hohe Inzidenz in Afrika

Verbessern muss sich nach dem WHO-Bericht auch die Versorgung von HIV-Patienten mit TB. Noch immer erhielten 60 Prozent der Koinfizierten keine antiretrovirale Behandlung. Bei solchen Patienten müsse primär eine geeignete Aids-Therapie initiiert werden, diese habe Vorrang vor der TB-Behandlung.

Sehen lassen kann sich dagegen die Erfolgsrate bei der TB-Therapie: So war diese im vergangenen Jahr bei 87 Prozent der behandelten Patienten erfolgreich, im Jahr 2000 erst bei 69 Prozent. Die WHO sieht in der Verbesserung einen der wichtigsten Indikatoren für den Fortschritt bei der TB-Bekämpfung.

Am schwierigsten ist die Situation nach wie vor in Afrika südlich der Sahara. So liegt die Inzidenz in Südafrika und Swasiland bei über 1000, in westlichen Ländern hingegen bei unter 10 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner.

Auch Länder wie Kongo, Mozambique und Afghanistan haben ein massives TB-Problem und werden bis 2015 voraussichtlich keines der WHO-Ziele erreichen. Auch Osteuropa, insbesondere die Ukraine verfehlen die für 2015 vorgesehenen Milleniumsziele. So hat die Ukraine das zur Verfügung stehende Budget in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren.

In Deutschland ist die Zahl der Neuerkrankungen mit etwa 4300 pro Jahr seit Jahren recht konstant (Inzidenz: 5,3/100.000 Einwohner).

Links zum Nachlesen: WHO Global tuberculosis report 2013 Pressemitteilung zum WHO Global tuberculosis report 2013

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Regierungen unter Druck setzen!

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rückblick

Ein Jahr Alzheimer-Antikörper: Was sich getan hat

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt