Direkt zum Inhaltsbereich

Zahl der HIV-Neuinfektionen nimmt seit 2002 leicht zu

MÜNCHEN (nsi). Das Thema HIV-Infektion und Aids wird in Deutschland seit einigen Jahren immer unpopulärer: in der Allgemeinbevölkerung, in der Politik und auch in der Ärzteschaft. Das rächt sich. Die Zahl der Erstdiagnosen steigt seit 2002 leicht an, und wird am Ende des Jahres in Deutschland vermutlich bei 2000 liegen.

Veröffentlicht:

Und: Bei jeder sechsten Neuinfektion werden resistente Erreger übertragen, das heißt, die infizierende Person erhält eine antiretrovirale Therapie. Auch infizieren sich deutlich mehr Kinder perinatal mit dem HI-Virus, als es bei einer Transmissions-Prophylaxe der Fall wäre.

Bei den 10. Münchener Aids-Tagen haben die Veranstalter dringend daran appelliert, der HIV-Prävention mehr Aufmerksamkeit zu schenken. So seien Überlegungen, den HIV-Test aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen zu streichen, absolut kontraproduktiv. Schon jetzt würden Gynäkologen nicht mehr so konsequent Schwangeren einen HIV-Test anbieten, sagte Dr. Annette Haberl von der Uniklinik Frankfurt.

Die Folge: deutlich höhere Transmissionsraten bei Neugeborenen von Müttern mit unbekanntem Infekt. Seit Anfang des Jahres sind bereits bei 19 Säuglingen HIV-Infektionen gemeldet worden. Bei einer Prophylaxe nach den Empfehlungen der deutsch-österreichischen Fachgesellschaften seien Mutter-Kind-Übertragungen äußerst selten.

Fachgesellschaften, Ärzte- und Patientenvereinigungen haben in München gemeinsame Konzepte vorgestellt, um die Prävention, aber auch die Behandlung von bereits HIV-Infizierten zu verbessern.

Zu den Präventionsprogrammen gehören niederschwellige Beratungsangebote von Ärzten dort, wo sich Menschen infizieren, etwa in Saunen, die schwule Männer mit Sexwunsch aufsuchen. Die Menschen würden wieder risikofreudiger in ihren Sexualpraktiken, hieß es in München. So entwickelten sich die Absatzzahlen für Kondome rückläufig.

Für HIV-Infizierte wird zur Zeit ein Schulungsprogramm erprobt, ähnlich den Chroniker-Programmen zum Beispiel für Diabetiker. Das Pilotprojekt endet Mitte nächsten Jahres, und das Programm könnte - ein positives Votum der Gutachter vorausgesetzt - eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung werden, so Armin Schafberger von der Deutschen AIDS-Hilfe Berlin.

Kritisiert wurde die mangelnde Forschungsförderung in Deutschland. Das Bundesforschungsministerium investiere nur neun Millionen Euro pro Jahr in die HIV-Forschung, dreihundert Mal weniger als die öffentlichen Mittel, die in den USA für die HIV-Forschung zur Verfügung stünden, sagte der Virologe Professor Bernd Fleckenstein von der Universität Erlangen-Nürnberg. Diese Bilanz habe das Ministerium nach Vorlage auch nicht nach oben korrigiert.

Mehr zum Thema

Präexpositionsprophylaxe

HIV-PrEP: Diese Möglichkeiten gibt es

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Nahaufnahme eines jungen Paares, das sich küsst.

© Africa Studio / stock.adobe.com

Mögliche Glutenquelle

Wie riskant ist ein Zungenkuss bei Zöliakie?

Eine Hand hält ein

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Jetzt abonnieren

Unsere Newsletter in der Übersicht