Risikofaktor

Zwei von drei Obdachlosen psychich krank

Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Viele Wohnungslose landen einer Studie zufolge auf der Straße, weil sie psychisch krank sind und Hilfe fehlt. Mehr als zwei Drittel der Betroffenen litten unter psychiatrischen Erkrankungen, ergab die Untersuchung mit 232 in Münchner Notunterkünften lebenden Menschen der Klinik für Psychiatrie am Uni-Klinikum Rechts der Isar.

"Das zeigt, dass psychiatrische Erkrankungen ein ganz erheblicher Risikofaktor sind", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Klinische und experimentelle Neuropsychologie, Thomas Jahn, am Mittwoch in München.

Nur ein Drittel der Erkrankten erhalte eine entsprechende Versorgung. Deshalb müsse die psychiatrische Betreuung in Wohnungsloseneinrichtungen weiter verbessert werden.

Betroffen seien oft Menschen mit geringerer Leistungsfähigkeit, der IQ der Teilnehmer lag durchschnittlich bei nur 85. Allerdings sei in der Studie auch ein Hochbegabter mit einem IQ von 132 gewesen.

Die Problematik nimmt den Angaben zufolge zu. Bundesweit seien 300.000 Menschen ohne Wohnung. Nach einer Prognose der Bundesarbeitsgemeinschaft Obdachlosenhilfe wird die Zahl bis 2016 auf 380.000 steigen.

Die Teilnehmer der Studie litten etwa an manisch-depressiven Störungen, Schizophrenie, Depressionen, Angst- oder Zwangserkrankungen. Sie seien im Schnitt sechseinhalb Jahre vor dem Verlust der Wohnung erkrankt, sagte der Leitende Oberarzt Josef Bäuml. "Das ist kein schönes Ergebnis für uns Psychiater."

Die Reduzierung der Psychiatriebetten im Zuge der Enthospitalisierung seit den 1970er Jahren trage daran einen Anteil. Viele der chronisch Kranken könnten in den kurzen stationären Zeiten, die nun sogar auf 21 Tage verkürzt werden sollen, nicht ausreichend stabilisiert werden.

"Das muss man noch einmal überdenken, ob die Dinge, die am Reißbrett geplant wurden, in der Praxis darstellbar sind", sagte Bäuml. Schließlich sei eine psychiatrische Krankheit kein gebrochenes Bein. (dpa)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin

Herzchirurg mit Installateurfirma

Das Doppelleben des Dr. Jean-Philippe Grimaud: Arzt und Klempner

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?