Direkt zum Inhaltsbereich

Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz

Koalition schiebt exklusive Rabattverträge für Biosimilars auf die lange Bank

Kassenmanager standen bereits in den Startlöchern: Erst im April waren die Modalitäten der Aut-idem-Substitution rekombinanter Fertigarzneimittel in Apotheken klargestellt worden. Doch jetzt schärft der Gesetzgeber nach.

Veröffentlicht:
Ein Apotheker bei der Suche nach einem verordneten Arzneimittel.

Apotheken sind bei der Abgabe von Biosimilars verpflichtet, diese durch ein preisgünstiges (Rabatt-)Arzneimittel zu ersetzen.

© U. Grabowsky / photothek

Berlin. Die Koalitionsfraktionen treten bei exklusiven Rabattausschreibungen im patentfreien Biological-Segment auf die Bremse. In einem Änderungsantrag zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) werden solche Rabattverträge vorerst bis Juli 2028 gestoppt. Open-House-Verträge mit mehreren Partnern sollen aber weiter möglich sein.

Zuvor, nämlich bis Ende Juni 2027, soll der GKV-Spitzenverband dem Bundesgesundheitsministerium einen Bericht vorlegen, „wie sich die Anbietervielfalt, die Produktionsstandorte in Deutschland und der EU und die Zulassungen in der EU“ in diesem Teilmarkt entwickelt haben.

Erst im April 2026 war ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses in Kraft getreten, der die Modalitäten der Aut-idem-Substitution rekombinanter Fertigarzneimittel in Apotheken regelt. Nachdem bereits seit März 2024 eine analoge Regelung für parenterale Zubereitungen gilt, definiert der G-BA-Beschluss vom 4. Dezember 2025 nun auch das Vorgehen für Fertigarzneimittel mit biotechnologisch hergestellten Wirkstoffen.

Lesen sie auch

Mit dem Änderungsantrag gibt die Koalition Appellen der Pharmaindustrie nach. Dabei wurde vor einem ruinösen Preiswettbewerb in Folge exklusiver Rabattverträge gewarnt, der die Versorgungssicherheit gefährden könne – wie schon bei Generika.

Genau darauf nimmt die Begründung des Antrags Bezug: „Zur Förderung der Resilienz der Arzneimittelproduktion in Deutschland gegenüber Versorgungsengpässen und globalen Krisen sollte zunächst eine Übergangsphase nach Einführung des automatischen Austausches in der Apotheke für die Etablierung der Biosimilar-Industrie gesetzt werden“, heißt es.

Bereits im Februar hatte etwa der AOK-Bundesverband erklärt, man werde mit Blick auf exklusive Lieferbeziehungen die „eigenen Handlungsmöglichkeiten genau prüfen“. Kein Wunder: Je nach Umsetzungsgrad der Rabattverträge hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) jährliche Einsparungen von bis zu 2,33 Milliarden Euro errechnet.

Die Fronten bei dem Thema sind seit langem verhärtet. „Der Austausch hochpreisiger Biologika durch gleichwertige, günstigere Biosimilars ist längst überfällig“, hat Johannes Bauernfeind, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, in der Ärzte Zeitung argumentiert. Thomas Weigold, Chef von Sandoz Deutschland, warnte hingegen: „Monopolisierung macht Versorgung fragil.“ Der Markt habe gezeigt, dass Wettbewerb auch ohne Exklusivität funktioniere.

Lesen sie auch

Krankenkassen reagierten am Dienstag ungehalten auf den Änderungsantrag. „Das ist ein weiteres Zugeständnis an die Pharmaindustrie, die schon in den bisherigen Sparplänen weitgehend verschont geblieben ist“, sagte Dr. Carola Reimann, Vorständin des AOK-Bundesverbands.

Wenn der Wettbewerb durch Sonderregelungen bei Biologika eingeschränkt werden soll, belaste das Versicherte und Arbeitgeber, argumentierte Ulrike Elsner, Reimanns Kollegin im Ersatzkassenverband. Exklusive Rabattverträge gäben Herstellern im Vergleich zu Open-House-Verträgen mehr Planungssicherheit, so Elsner.

Bereits an diesem Freitag (22. Mai) will der Bundestag das Apothekengesetz beschließen – nach 35-minütiger Debatte. (fst/af)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Pharmazeutische Dienstleistungen

Nachfrageschub für Grippeimpfung in Apotheken – aber auf Niedrigstniveau

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

© Springer Medizin Verlag

Unternehmen im Fokus

Patientenzentrierter Ansatz und europäische Produktion

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps für die Therapie

Was gegen Warzen wirklich hilft

Kohlenhydrate, Apfelessig, Gottesnahrung und Süßstoffe

Vier Ernährungs- und Blutzuckermythen im Faktencheck

Lesetipps
Zwei Hände tippen auf einem PC.

© Monkey Business / stock.adobe.com

Bewertungsportale

Wie Praxen am besten auf schlechte Online-Bewertungen reagieren