Niedersachsen

Ärztekammerchefin Martina Wenker: „Landarztquote reicht nicht“

Es sind mehr Anstrengungen notwendig, damit die Gesundheitsversorgung in Niedersachsen aufrechterhalten werden kann, meint Ärztekammerchefin Martina Wenker. Können Kollegen aus dem Ausland helfen?

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Frische Eier als Dank für den Hausarztbesuch: Auf dem Lande ticken die Uhren der Patienten anders als in den Metropolen.

Frische Eier als Dank für den Hausarztbesuch: Auf dem Lande ticken die Uhren der Patienten anders als in den Metropolen.

© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner

Hannover/Bremen. Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker warnt vor einem Medizinermangel zwischen Harz und Nordsee. „Jedes Jahr gehen in Niedersachsen 1000 Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand, es kommen aber nur 500 Absolventen von den drei medizinischen Fakultäten nach“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Die klaffende Lücke werde immer größer. „Wir müssen jetzt schon Schadensbegrenzung machen“, kritisierte Wenker. Beim am Freitag zu Ende gegangenen Deutschen Ärztetag in Bremen forderte die Ärzteschaft bundesweit erneut mehr Medizin-Studienplätze. Darüber hinaus plädierte sie für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Wertschätzung.

In Niedersachsen ist ein Medizinstudium an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der Universität Göttingen und der Universität Oldenburg möglich. Seit diesem Jahr kooperiert die Uni Göttingen mit dem Klinikum Wolfsburg – auf diese Weise konnten 60 Teil- in Vollstudienplätze umgewandelt werden. Zudem beschlossen SPD und CDU im Landtag im März eine Landarztquote – 60 Studienplätze werden für Bewerber reserviert, sie sich verpflichten, für mindestens zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region in Niedersachsen zu arbeiten. Die ersten angehenden Landärzte starten im Wintersemester 2023/2024.

Skepsis überwiegt weiter

„Das ist viel zu spät“, kritisierte Wenker. Die Ausbildung dauere mindestens zwölf Jahre. „Die Landarztquote reicht nicht. Wir sehen den Mangel überall, auch im öffentlichen Gesundheitsdienst, auf den Intensivstationen und bei den Notärzten.“ Bei der Auswahl der 60 angehenden Landärzte aus rund 1000 Bewerberinnen und Bewerber werde die Kammer das Land unterstützen, auch wenn sie die Quote immer skeptisch gesehen habe.

Es sei ungeheuerlich, dass Deutschland als eine der reichsten Industrienationen nicht genügend ärztlichen Nachwuchs ausbilde, sagte Wenker. Eine Abwerbung von Medizinern aus dem Ausland hält sie für falsch, da diese in ihren Heimatländern gebraucht würden. Derzeit suchten bereits einige aus der Ukraine geflüchtete Kolleginnen und Kollegen einen Job in Niedersachsen.

Interimslösung für ukrainische Ärzte angemahnt

Wenker hält in diesen Fällen eine vorübergehende Berufserlaubnis für sinnvoll, damit die ukrainischen Mediziner zum Beispiel in Unterkünften für Geflüchtete mitarbeiten können. Dies habe sich auch 2015/2016, als viele syrische Ärzte ankamen, als erfolgreich erwiesen. Aber die Ärztechefin sagt: „Ich bin gegen ein Schnell-Diplom, denn die Kollegen müssen zunächst die deutsche Sprache und die Fachsprache sicher beherrschen.“ (dpa/lni)

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