Coronavirus

Antikörpertest auf SARS-CoV-2 entwickelt

Wie viele Menschen sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben, ist unklar. Aufschluss könnten Antikörpertests geben – Einen solchen haben New Yorker Forscher nun entwickelt.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 23.03.2020, 16:16 Uhr
Antikörpertest auf SARS-CoV-2 entwickelt

ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay)-Test: Befinden sich in einer Probe Antikörper auf ein bestimmtest Virus, zeigt sich das durch einen Farbumschwung (Symbolbild).

© Euroimmun AG / dpa

New York. Das tatsächliche Ausmaß der aktuellen Corona-Pandemie ist schwer einzuschätzen – Experten vermuten, dass viele Infizierte ihre Erkrankung aufgrund fehlender Symptome gar nicht bemerken oder wegen der eher milden Symptome fälschlicherweise als Erkältung oder Allergie betrachten. Mit den derzeit eingesetzten PCR-Tests lässt sich zwar eine aktive Infektion nachweisen, nicht detektieren lassen sich aber Personen, die eine Infektion mit SARS-CoV-2 bereits durchgemacht haben und Antikörper gebildet haben.

Genau diese Personen könnte nun aber ein Antikörpertest erkennen – und damit eine Analyse ermöglichen, wie stark SARS-CoV-2 in der Bevölkerung verbreitet ist. Nur so lässt sich zudem eine konkrete Aussage zur Todesrate durch eine SARS-CoV-2-Infektion treffen. Entwickelt haben einen solchen Antikörpertest Forscher der Icahn School of Medicine Mount Sinai, wie sie beim Preprint-Server medRxiv berichten (medRxiv 2020; online 18. März).

Die Forscher um Erstautorin Fatima Amanat betonen, mit dem neuen Antikörpertest könnten zudem gezielt Ärzte und Pflegepersonal für die Betreuung von COVID-19-Patienten eingesetzt werden, bei denen der Test positiv ausgefallen ist und die damit immun gegenüber SARS-CoV-2 sind. Auch sei es möglich, Antikörper aus dem Serum von Rekonvaleszenten mit starker Immunantwort zu nutzen, um Therapeutika zu entwickeln.

Positives Ergebnis nur bei SARS-CoV-2

Der neue Test erkennt Antikörper, die gegen das Spike-Protein (S-Protein) von SARS-CoV-2 gerichtet sind. Mit dem S-Protein bindet das Virus an seine Zielzellen, es ist für eine Infektion also essenziell.

Wie spezifisch der Test ist, haben die Wissenschaftler an vier Blutproben von drei COVID-19-Patienten überprüft. Als Kontrolle dienten 59 Serumproben von Patienten aus der Zeit vor der SARS-CoV-2-Pandemie, die zum Teil mit anderen Viren wie Hanta- oder Denguevirus oder dem humanen Coronavirus NL63 infiziert waren.

Nur bei den COVID-19-Patienten zeigte der Test ein positives Ergebnis. Selbst bei NL63 verlief der Test negativ, obwohl das Coronavirus denselben Rezeptor wie SARS-CoV-2 nutzt, um seine Zielzelle zu infizieren: ACE2.

Test wird bereits eingesetzt

Dass die beiden Coronaviren NL63 und SARS-CoV-2 augenscheinlich durch unterschiedliche Antikörper neutralisiert werden, sei ein gutes Zeichen, so Studienautor Professor Florian Krammer in einem Science-Bericht aus Anlass der Publikation. Denn bei einigen Virusinfektionen wie etwa Dengue könne es bei Zweitinfektion mit einem anderen Viren-Subtyp zu schweren Verläufen kommen, da bereits vorhandene Antikörper eine Überreaktion, ein „antibody-dependent enhancement“ (ADE), auslösen können. Dies sei bei SARS-CoV-2 eher unwahrscheinlich.

Krammer berichtete, er und seine Kollegen setzten den Test bereits an ihrer New Yorker Klinik ein, um herauszufinden, wann im Krankheitsverlauf COVID-19-Patienten Antikörper gegen SARS-CoV-2 bilden.

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