Auch in Krisenzeiten

Brandenburger schicken Betten für ukrainische Kliniken

Seit 30 Jahren helfen Brandenburger ukrainischen Krankenhäusern und Heimen. Auch jetzt noch sind Lastwagen auf dem Weg in das Land. Für den Verein „Ukraine-Hilfe“ ein Zeichen deutscher Unterstützung.

Benjamin LassiweVon Benjamin Lassiwe Veröffentlicht:
Matratzen und Bettgestelle haben die Brandenburger Helfer erst kürzlich in die Ukraine transportiert.

Matratzen und Bettgestelle haben die Brandenburger Helfer erst kürzlich in die Ukraine transportiert.

© Ukraine-Hilfe Lobetal

Bernau. Auf der Ladefläche des LKW liegen gebrauchte Schulmöbel und Krankenhausbetten. Rollstühle und Kleidung, säuberlich verpackt in alten Bananenkartons. Wieder einmal steht ein schwerer 40-Tonner vor der Baracke der „Ukraine-Hilfe“ in Lobetal bei Bernau. Wieder einmal laden Ehrenamtliche gespendete Hilfsgüter in den Truck. „Sechs LKW mit Spenden haben wir seit Mitte Januar auf die Reise in die Ukraine geschickt“, erzählt Elisabeth Kunze.

Die Leiterin der Ukraine-Hilfe aus Lobetal engagiert sich seit fast 30 Jahren für die Ukraine. Denn nach der politischen Wende in der DDR baute die Lobetaler Anstaltskirchengemeinde Kontakt zu einigen in der Gegend stationierten sowjetischen Soldaten auf.

Elisabeth Kunze, Leiterin der Ukraine-Hilfe aus Lobetal.

Elisabeth Kunze, Leiterin der Ukraine-Hilfe aus Lobetal.

© Ukraine-Hilfe Lobetal

Und als in den 1990er Jahren die letzten sowjetischen Soldaten aus Brandenburg abzogen, erfuhr man schnell von den damals unhaltbaren Zuständen in den Heimen und Krankenhäusern des Landes. Die Hilfe für die Ukraine begann. Heute ist die „Ukraine-Hilfe“ ein selbstständiger Verein und als „cura hominum e.V.“ Mitglied des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Hilfe auch in jetzigen Krisenzeiten

Und dieses Engagement will Elisabeth Kunze gerade in diesen Tagen fortsetzen. „Wir wollen die Menschen in der Ukraine nicht im Stich lassen“, sagt Kunze. Auch die örtlichen Partner der Ukraine-Hilfe Lobetal sind bedrückt. „Kaum eine Region in der Ukraine ist weit von der russischen Grenze entfernt“, sagt Kunze. „Ein Konflikt würde immer das ganze Land treffen.“

Im Gespräch zitiert sie eine E-Mail von Andrei Stoyev, einem Jugendmitarbeiter einer Kirchengemeinde in der Region Donezk. Schon seit vielen Jahren arbeitet er mit der „Ukraine-Hilfe Lobetal“ zusammen. „Überall kann man hören und lesen, dass die Oligarchen und alle reichen Leute die Ukraine verlassen haben, irgendwohin ins Ausland gefahren sind“, schreibt Stoyev in seiner E-Mail. „Aber viele Menschen haben einfach keine Möglichkeit dazu, kein Geld, kein Fahrzeug und keinen, der auf sie warten würde.“ So mache sich „eine große Hoffnungslosigkeit“ breit.

Enttäuschung im Land

„Unsere Partner fühlen sich von allen Seiten bedroht“, sagt Kunze. „Es ist wichtig, dass gerade wir Deutschen die Ukraine in dieser Situation nicht im Stich lassen.“ Denn generell fehlten der Ukraine die westlichen Partner. „Viele Menschen sind enttäuscht darüber, dass ihr Land kein Teil der EU geworden ist, und die Ukraine nicht die Unterstützung erhalten hat, die sich das Land gewünscht hat.“

Denn im Land habe sich in den letzten Jahren auch einiges zum Positiven entwickelt. „In der Ukraine treffen wir immer wieder beeindruckende Menschen, die anderen Menschen helfen wollen“, sagt Kunze. „Wir kennen junge Menschen, die zwei Mal pro Woche den Allerärmsten mit Lebensmitteln helfen.“ Eine Kirchengemeinde habe, auch mit der Hilfe aus Deutschland, ein Programm zur Hilfe für Suchtkranke aufbauen können.

Mit Menschen, die dadurch ein neues Leben beginnen konnten, kümmern sie sich gezielt um die Integration von Rollstuhlfahrern und Therapien für körperbehinderte Menschen, die sich die Betreffenden in der Ukraine oft nicht leisten könnten. Und die Krankenhäuser, die vor einigen Jahren aus Deutschland gespendete Betten und Nachttische erhalten haben, hätten dies oft zum Anlass genommen, auch selbst die Krankenzimmer zu renovieren.

Bürokratie behindert Brandenburger

„Aber wir erleben bei jedem Besuch auch noch andere Zustände“, sagt Kunze. So gebe es noch immer psychiatrische Einrichtungen, wo Menschen in großen Sälen mit Gitterfenstern dahinvegetierten. „Und auch die Korruption ist noch nicht raus aus dem Land“, sagt Kunze.

Selbst leidet die Ukraine-Hilfe oft unter einer überbordenden Bürokratie. Polen vergibt nur eine eng begrenzte Zahl an Durchfahrerlaubnissen für ukrainische Transporte. Und die Ukraine hat schon vor einigen Jahren ihre Zollvorschriften verschärft. Nun muss schon vor der Verzollung ganz genau angegeben werden, welcher Empfänger was aus dem Ausland erhält.

Sogar die Wohnadresse der Bedürftigen wollen die Behörden wissen. Bei Krankenhausbetten geht das leicht, bei Kleidungsstücken ist das schwierig – denn die Hosen oder Mäntel müssen ja auch passen.

Und die Feinverteilung der humanitären Hilfe ist Aufgabe örtlicher Partner in der Ukraine: Von Kirchengemeinden und Wohltätigkeitsfonds, deren Mitglieder ehrenamtlich aktiv sind. Die ausufernde Bürokratie ihres Landes überfordert sie oft. „Manchmal ist es frustrierend“, sagt Elisabeth Kunze. „Denn wir sehen, dass unsere Hilfe gebraucht wird und die Menschen dafür dankbar sind.“

Kliniken brauchen Beatmungsgeräte

Zumal der kleine Verein aus Brandenburg auch immer wieder ganz konkrete Wünsche aus der Ukraine erhält. „In der Corona-Pandemie haben wir etwa Masken, Desinfektionsmittel und persönliche Schutzausrüstung an Krankenhäuser in der Ukraine verteilen können“, sagt Kunze.

„Jetzt sind wir auf der Suche nach Sauerstoff- und Beatmungsgeräten für Krankenhäuser in der Ukraine - und gleichzeitig suchen wir natürlich immer Spender, die uns bei der Finanzierung der Transporte mit Geldspenden unterstützen.“

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