COVID-19

Deutlich mehr beatmungspflichtige Patienten als bei Influenza

COVID-19-Patienten müssen deutlich häufiger und deutlich länger beatmet werden als Pneumonie-Patienten zu Zeiten von Influenzawellen. Das Robert Koch-Institut betont eindringlich: Auf eine solche Situation müssen sich Kliniken in Deutschland einstellen.

Von Anne Bäurle Veröffentlicht: 03.04.2020, 15:29 Uhr
Die mittlere Beatmungsdauer von COVID-19-Patienten lag in China bei 9 Tagen für nicht-invasive Beatmung und bei 17 Tagen für invasive Beatmung.

Die mittlere Beatmungsdauer von COVID-19-Patienten lag in China bei 9 Tagen für nicht-invasive Beatmung und bei 17 Tagen für invasive Beatmung.

© Alexandre Marchi/MAXPPP/dpa

Berlin. COVID-19-Patienten sind im Vergleich mit Pneumonie-Patienten in Zeiten von Influenzawellen eher jünger, müssen deutlich häufiger beatmet werden und dies über einen deutlich längeren Zeitraum. Zudem haben COVID-19-Patienten seltener Vorerkrankungen. Grundsätzlich ist, ausgehend von einer vergleichbaren Grunddiagnose (Pneumonie), der Anteil intensivpflichtiger und gestorbener Patienten allerdings „erstaunlich ähnlich“, wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet (Epi Bull 14/2020). Das RKI betont eindringlich, die Krankenhäuser in Deutschland sollten sich dementsprechend vorbereiten.

Diese erste RKI-Einschätzung zur klinischen Schwere von COVID-19 beruht auf einem Vergleich von Daten hospitalisierter COVID-19-Patienten aus mehreren chinesischen Städten (Wuhan, Peking, Shenzhen und aus den Provinzen Hubei und Zhejiang) mit einer Referenzgruppe von Pneumonie-Patienten, die jeweils in einem vergleichbaren Zeitraum (3. – 5. KW) zu Beginn der jährlichen saisonalen Influenzawelle 2015-2019 in 73 deutschen Krankenhäuser stationär aufgenommen wurden. Diese Patientendaten waren im ICOSARI-Sentinel des RKI erfasst worden.

Einbezogen wurde der jeweilige Anteil der Pneumonie-Patienten mit akutem Atemnotsyndrom (ARDS), Beatmung, Intensivpflichtigkeit und tödlichem Krankheitsverlauf.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • COVID-19-Patienten sind jünger: In einer Studie aus Wuhan waren die hospitalisierten COVID-19-Patienten im Schnitt 55,5 Jahre alt. Pneumonie-Patienten im ICOSARI-Sentinel waren dagegen durchschnittlich 63 Jahre alt. Das RKI betont, die unterschiedliche Bevölkerungs- und Altersstruktur in Deutschland und China seien in der Berechnung beachtet worden: „Dieser Unterschied kann nicht allein durch die jüngere Bevölkerung in China erklärt werden.“
  • COVID-19-Patienten haben seltener Vorerkrankungen: Der Anteil von Patienten mit vorbestehenden Grunderkrankungen war bei den COVID-19-Patienten in China mit 20 – 51 Prozent deutlich geringer als bei den Pneumonie-Patienten in Deutschland (70 – 77 Prozent). Als häufigste Diagnosen wurden sowohl bei den COVID-19-Patienten als auch bei den Pneumonie-Patienten in Deutschland Hypertonie und Diabetes angegeben. COVID-19-Patienten litten allerdings weniger häufig an COPD oder Nierenerkrankungen.
  • COVID-19-Patienten müssen häufiger beatmet werden: In drei Fallserien aus Hubei wurde ein hoher Anteil von beatmeten COVID-19-Fällen beschrieben (20, 23 und 25 Prozent). Dagegen war der Anteil beatmeter Pneumonie-Patienten im ICOSARI-Sentinel um mehr als die Hälfte geringer (9 Prozent).
  • COVID-19-Patienten müssen länger beatmet werden: Die mittlere Beatmungsdauer der COVID-19-Patienten lag bei 9 Tagen für nicht-invasive Beatmung und bei 17 Tagen für invasive Beatmung. Bei den Pneumonie-Patienten im ICOSARI-Sentinel war die Beatmungsdauer (nicht-invasiv und invasiv) mit 2 Tagen deutlich kürzer.
  • Ähnlicher Anteil intensivpflichtiger und gestorbener Patienten: Der Anteil intensivpflichtiger Pneumonie-Patienten betrug im ICOSARI-Sentinel 20 Prozent. Ein vergleichbarer Anteil intensivpflichtiger Pneumonie-Patienten mit laborbestätigter SARS-CoV-2-Infektion wurde auch in Wuhan berichtet. Der Anteil gestorbener ICOSARI-Pneumonie-Patienten lag bei 6 Prozent und damit in einer vergleichbaren Größenordnung wie bei den COVID-19-Patienten in Hubei.
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Kommentare
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Dr. Martin P. Wedig

Der Vergleich von unterschiedlichen Kohorten erlaubte die Dimension des höheren Bedarfs an Kapazitäten zur Beatmung einzuschätzen. Inzwischen liegen europäische Daten zur Auslastung von Beatmungsabteilungen vor. Bedarf und Bestand können über Matrizen verkettet und abgeglichen werden. Die Verlegung mit Flugzeugen hilft einzelnen Patienten. Konvois, mehr noch Transfer per Schiene ermöglichen die Ausschöpfung von Kapazitäten für den Massenanfall von beatmungspflichtigen Patienten. Das Raumangebot von Schienenfahrzeugen sollte auch für die Behandlung während des Transportes förderlich sein. Erfahrungen mit der Verlegung französischer Patienten mit dem TGV und Chancen der Nähe von Hauptbahnhöfen und spezialisierten Kliniken sollten für strategische Entscheidungen ausgewertet werden.


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