Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen

Klimaschutz: Ärztinnen und Ärzte tragen besondere Verantwortung

Wie können Ärztinnen und Ärzte zum Klimaschutz beitragen? Um diese Frage ging es bei der Tagung „Klimakrise im Gesundheitswesen“. Eine Erkenntnis: Bis zum Jahr 2040 ließen sich 100.000 Todesfälle verhindern.

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Ärztinnen und Ärzte hätten eine besondere Pflicht, den Klimawandel zu bremsen, so die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Die Leiden des Planeten würden zu Krankheiten der Patienten.

Ärztinnen und Ärzte hätten eine besondere Pflicht, den Klimawandel zu bremsen, so die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Die Leiden des Planeten würden zu Krankheiten der Patienten.

© Kubra Cavus / Getty Images / iStock

Hannover. „In Deutschland könnten bis 2040 rund 100.000 Todesfälle verhindert werden durch konsequenten Klimaschutz.“ Das sagte Amelie Gerhard von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG), auf der Tagung „Klimakrise im Gesundheitswesen“ der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen am Mittwoch in Hannover. Denn die Leiden des Planeten würde früher oder später die Leiden der Patientinnen und Patienten. Die Weltgesundheitsorganisaton (WHO) habe die Klimakrise denn auch als weltweit größte Bedrohung für die menschliche Gesundheit im 21. Jahrhundert bezeichnet.

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Um diese Entwicklungen zu bremsen stehe die medizinische Versorgung in einer besonderen Pflicht, meint Gerhard. Ärztinnen und Ärzten werde vertraut und zugetraut, die Wahrheit zum Thema Klimaschutz zu sagen. Und der Gesundheitssektor ist gefragt auch selber Hand anzulegen beim Klimaschutz – bei der Gebäudedämmung, dem Energie- und Wasserverbrauch oder den langen Lieferketten bei Medikamenten.

Digitalisierung kann helfen, klimafreundlicher zu werden

Enormen Einsparungseffekt habe auch eine effektiv organisierte Digitalisierung des Gesundheitssektors. Das betonte Professor Jan Ehlers von der Universität Witten Herdecke. „Die Frage ist – wie setzen wir die Digitalisierung im Gesundheitswesen ein?“, fragte Ehlers. Negativbeispiel: Der „Konnektorenskandal“, wie Ehlers formulierte. „Durch den Austausch von Tausenden von Konnektoren wird viel Müll produziert und werden viele Ressourcen verbrannt. Allein, was dadurch an seltenen Erden verbraucht wird! Das alles hat einen Rieseneinfluss auf die Natur.“

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Medizinische Einrichtungen sollten sich klar machen, wo sie Energie und Rohstoffe sparen können. So zeige der Digital-Health-Index der Bertelsmannstiftung Länder wie Estland und Dänemark an der Spitze der effektiven Digitalisierung, während in Deutschland noch jede AU ausgedruckt werden müsse. Aber die Corona-Krise hat die Digitalisierung befördert. Die vielen telemedizinischen Behandlungen hätten den CO-2-Fußabdruck in Deutschland verkleinert, sagte Ehlers.

Klimaschutz: Lebensqualität steige mit energieeffizientem Wohnen, Leben, Reisen

Was im Sprechzimmer für den Klimaschutz getan werden kann, erläuterte der Berliner Hausarzt Max Bürck. „Die klimasensible Beratung sollte Teil der üblichen Sprechstunde werden“, meint Bürck. „Ernährung, Bewegung, Mobilität, mentale gesundheit, Aufklärung über das Hitzeproblem und Luftverschmutzung – viele Ärzte kennen selber nicht das Ausmaß des Problems.“

Man müsse auch den Patienten klarmachen, dass es nicht immer um Verzicht geht, wenn man das Klima schützen will, sondern, dass „die Lebensqualität steigt, wenn wir energieeffizient wohnen, leben und reisen“, sagte Bürck.

In der Praxisorganisation hilft auch ein abschließbarer Fahrradständer für die MFAs, um mehr Personal zum Umstieg auf den Sattel zu motivieren, ein Job-Ticket oder Stoßlüften statt gekippter Fenster. (cben)

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