Prospektive Studie bestätigt

Kontaktbeschränkungen bremsen COVID-19-Pandemie

Die Ausbreitung von SARS-CoV-2 lässt sich durch staatlich verordnete Kontaktbeschränkungen erfolgreich aufhalten, wie aus globalen Daten hervorgeht. In die wärmere Jahreszeit sollte man dagegen keine Hoffnungen setzen.

Von Dr. Beate Schumacher Veröffentlicht: 11.05.2020, 17:48 Uhr
Kontaktbeschränkungen bremsen COVID-19-Pandemie

So wenig Kontakt wie möglich: Das stoppt die Ausbreitung des SARS-CoV-2.

© eldarnurkovic / stock.adobe.com

Toronto. Nachdem in Deutschland seit einigen Wochen die öffentlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus immer weiter heruntergefahren werden, befürchten viele Experten eine zweite Infektionswelle. In der Tat gibt es inzwischen recht gute Evidenz dafür, dass die Verlangsamung der Epidemie (auch) den Ausgangs- und Kontaktsperren zu verdanken ist.

Je mehr solcher Maßnahmen gleichzeitig gelten, desto wirksamer werde das Virus ausgebremst, berichten Wissenschaftler aus Kanada und der Schweiz im „Canadian Medical Association Journal“ (CMAJ 2020; online 8. Mai). Die Forscher um Peter Jüni von der Universität Toronto berufen sich dabei auf Daten, die in amerikanischen, europäischen, asiatischen und afrikanischen Staaten prospektiv erhoben wurden.

Je mehr Beschränkungen, desto stärker der Effekt

In die Analyse eingeflossen sind Daten aus 144 geopolitischen Regionen mit dokumentierten COVID-19-Fällen im Monat März. Ausgeschlossen waren China, weil dort der Ausbrauch schon unter Kontrolle schien, sowie Südkorea, Italien und Iran, weil hier die Epidemie auf ihrem Höhepunkt stand. In den berücksichtigten Staaten lag die mittlere Fallzahl bei 8,8 pro 100.000 Einwohner. Untersucht wurde die Veränderung der Fallzahlen in der Zeit von 21. bis 27. März (Follow-up-Phase) gegenüber der Zeit vom 7. bis 13. März (Expositionsphase).

In der Expositionsphase war in 38 untersuchten Regionen mindestens eine von drei öffentlichen Maßnahmen gegen COVID-19 in Kraft: Schulschließungen, Versammlungseinschränkungen und/oder „social distancing“ (z. B. Abstandsregeln und Schließungen von Restaurants und nicht lebenswichtigen Läden).

Alle drei Maßnahmen zeigten in der univariaten Analyse eine „starke Assoziation“ mit einer langsameren Virusausbreitung in der Follow-up-Phase als in der Expositionswoche.

Der multivariaten Analyse zufolge war der Effekt umso stärker, je mehr Beschränkungen zusammenkamen. Eine quantitative Aufschlüsselung der Beiträge einzelner Beschränkungen war laut den Studienautoren jedoch nicht möglich, da meistens mehrere Maßnahmen vorgegeben waren, die sich außerdem unterschiedlich zusammensetzten.

Klima hat wenig Einfluss auf die Virusverbreitung

Anders als etwa bei Influenzaviren stellten Jüni und Kollegen dagegen keinen Einfluss von Temperatur oder Breitengrad auf die Wachstumsrate von SARS-CoV-2 fest. Lediglich eine höhere Luftfeuchtigkeit war in der univariaten Analyse mit einer langsameren Ausbreitung verbunden. Diese Assoziation ging aber bei Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren nahezu verloren.

„Nur flächendeckende öffentliche Maßnahmen waren durchgängig mit einer langsameren Ausbreitung des Virus verbunden“, fassen die Forscher ihre Resultate zusammen. Die Reduktion sei umso größer gewesen, je mehr solcher Vorgaben gleichzeitig bestanden hätten. Das Team um Jüni betont die unmittelbare Relevanz der Daten für die überall einsetzenden Lockerungen von Coronaregeln. „Bei der Entscheidung über das Wie und Wann von Lockerungen muss der Nutzen dieser Verordnungen sorgfältig gegen psychosoziale und wirtschaftliche Schäden abgewogen werden.“

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