Direkt zum Inhaltsbereich

Niedersachsen

Mehr Vergiftungen mit Desinfektionsmitteln

Das Giftinformationszentrum-Nord verzeichnet vermehrt Anrufe von Eltern, deren Kinder Desinfektionsmittel getrunken haben.

Veröffentlicht:
Viele Haushalte haben sich wegen Corona mit Desinfektionsmitteln eingedeckt. Die Flaschen sind oft für Kinder erreichbar.

Viele Haushalte haben sich wegen Corona mit Desinfektionsmitteln eingedeckt. Die Flaschen sind oft für Kinder erreichbar.

© Christine / stock.adobe.com

GÖTTINGEN. Die Corona-Pandemie hat zu einem Anstieg bei den Anfragen bei den Giftinformationszentren geführt. Seit einigen Wochen gebe es vermehrt Anrufe von besorgten Eltern, berichtet Professor Andreas Schaper, einer der Leiter des Giftinformationszentrums-Nord (GIZ-Nord) in Göttingen.

Grund: Um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu verringern, benutzen viele Menschen inzwischen regelmäßig Handdesinfektionsmittel. Häufig befinden sich diese Flaschen und Spender an Orten, wo sie auch für Kinder erreichbar sind. „Wir bekommen vermehrt Anrufe von Eltern, weil ihre Kinder davon getrunken haben“, sagt Schaper.

Oft nur geringe Mengen, weil es nicht schmeckt

Die Eltern wollen wissen, was zu tun sei, wenn Kinder etwas Handdesinfektionsmittel probiert hätten. In den meisten Fällen können die Göttinger Giftexperten die Eltern beruhigen: Da die Kinder oft schon beim ersten Schluck merken, dass ihnen der relevante Inhaltsstoff (Alkohol) nicht schmeckt, haben sie meistens nur eine geringe Menge getrunken. „Das ist in der Regel relativ unproblematisch“, sagt Schaper.

„Hat das Kind nur einen kleinen Probierschluck getrunken und zeigt keine Symptome, so genügt in der Regel die Gabe von etwas Flüssigkeit und eine anschließende häusliche Beobachtung.“ Anders sieht es aus, wenn das Kind größere Mengen getrunken hat. Hustet das Kind oder zeigt es andere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Blässe, sollten die Eltern in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Trump hat dazu beigetragen

Auch in vielen anderen Ländern verzeichneten die Giftberatungsstellen einen deutlichen Anstieg bei den Notrufen, sagt der Toxikologe Dr. Martin Ebbecke, der gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Schaper das GIZ-Nord leitet.

In den USA hat dazu auch Präsident Donald Trump beigetragen. In einer Pressekonferenz warf er kürzlich die Idee auf, Menschen direkt Desinfektionsmittel zu spritzen. Kommentar der Göttinger Giftexperten dazu: „Von derartigen Versuchen ist dringend abzuraten.“

Das Giftinformationszentrum in Göttingen ist seit 1996 die zentrale Beratungsstelle für Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Im vergangenen Jahr erhielt das GIZ-Nord mehr als 42 .000 Anfragen. Durchschnittlich nehmen die Mitarbeiter jeden Tag zwischen 150 und 200 Anrufe entgegen. Knapp die Hälfte der Anrufer sind medizinisches Fachpersonal.

Die Mitarbeiter geben nicht nur Tipps, was man bei einem akuten Vergiftungsfall unternehmen sollte, sondern können auch innerhalb von zwei Stunden in ihrem Labor durch Spezialanalysen feststellen, welche Substanz die Vergiftung hervorgerufen hat. Das Giftinformationszentrum-Nord ist rund um die Uhr unter der Notrufnummer 0551-19240 erreichbar (www.giz-nord.de). (pid)

Mehr zum Thema

Ärztemangel

KV Niedersachsen stellt Arztzahlprognose für das Jahr 2040 vor

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gastbeitrag

Keine Versorgungsgerechtigkeit bei stationärer Diabetes-Behandlung

Warnzeichen früh erkennen

Immundefekte: Das ist die Basisdiagnostik für die Praxis

Porträt

Wie ein Hausarzt mit seinem„Medmobil“ Obdachlose versorgt

Lesetipps
Ein langer Wurm liegt in einer behandschuhten Hand.

© Clouds Hill Imaging / Science Photo Library

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?

Eine Person hält zwischen Daumen und Zeigefinger eine Metformin-Tablette.

© pimpampix / stock.adobe.com

Spiegelmessung

Unter Metformin regelmäßig Vitamin B12 kontrollieren