Niedersachsen

Muss im Versorgungsernstfall die Politik ran?

Niedersachsens CDU sieht die Landespolitik am Zug, sollte die Selbstverwaltung die Versorgung nicht geregelt bekommen.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Gute Versorgung im Krankenhaus: Müssen dazu auf Dauer die kleinen Häuser zu Gunsten größerer Häuser schließen?

Gute Versorgung im Krankenhaus: Müssen dazu auf Dauer die kleinen Häuser zu Gunsten größerer Häuser schließen?

© stokkete / stock.adobe.com

LÜNEBURG. Wenn die Selbstverwaltung das Land medizinisch nicht versorgen könne, so müsse die Politik einschreiten, sagte der niedersächsische Landtagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Volker Meyer, auf dem 35. Seminarkongress der norddeutschen Hausärzte am Wochenende in Lüneburg. „Ich wünsche mir es nicht, aber wenn die Selbstverwaltung keinen Weg findet, dann müssen wir das Problem politisch lösen.“

Neben Meyer saßen in diesem Jahr ausschließlich Politiker auf dem Podium der berufspolitischen Veranstaltung und diskutierten die Frage: „Wie versorgen wir die Bevölkerung 2030 in Niedersachsen?“

Der Landespolitiker verwies darauf, dass bis 2020 an den drei medizinischen Fakultäten in Niedersachsen 200 zusätzliche Studienplätze eingerichtet werden – in Hannover, Göttingen und Oldenburg. Zudem fließen 2,2 Milliarden Euro in Neubauprojekte an den Standorten Hannover und Göttingen.

Absolventen ungleich Hausärzte!

Allerdings bedeuten mehr Absolventen noch nicht mehr Hausärzte, darauf wies Dr. Matthias Berndt hin, Vorsitzender des Niedersächsischen Hausarztverbandes, und 2,2 zusätzliche Milliarden bedeuteten noch nicht, dass die Allgemeinmedizin in der Lehre gestärkt werde. Doch hält Meyer nichts von der Landarztquote und forderte stattdessen, „im Studium mehr Anreize für die Allgemeinmedizin zu setzen“.

Ein Modell, wie an der European Medical School (EMS) in Oldenburg „stellen wir uns auch an anderen Standorten vor“, so Meyer. In Oldenburg wird besonderer Wert auf die Allgemeinmedizin und die Zusammenarbeit mit einem Pool von Hausarztpraxen gelegt.

Im Hinblick auf die Krankenhäuser war Meyer einig mit seinen Kollegen von den Grünen, Stefan Wenzel, und der AfD, Stephan Bothe: Auf Dauer müssen die kleinen Häuser zu Gunsten größerer Krankenhäuser schließen. „Niedersachsen und Dänemark haben eine ähnliche Bevölkerungszahl“, erklärte Wenzel das Problem, „aber Niedersachsen hat 184 Krankenhäuser und Dänemark plant mit 23 Krankenhäusern.“

"Manchmal ist es besser, längere Wege in Kauf zu nehmen"

Man müsse der Bevölkerung verdeutlichen, dass Tempo und Nähe in der stationären Versorgung nicht immer auch gute Versorgungsqualität bedeuten, so Meyer. „Manchmal ist es besser, längere Wege in Kauf zu nehmen und dafür bessere Qualität zu erhalten.“

Sylvia Bruns, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Landtag, forderte, die Budgets abzuschaffen und die sprechende Medizin besser zu vergüten. Beides würde mehr Ärzte in die Allgemeinmedizin locken. „Ich habe Verständnis für Ärzte, die sich lieber anstellen lassen“, sagte Bruns, „wir brauchen insgesamt eine viel einfachere Abrechnung.“

Aber die FDP-Politikerin forderte auch die Politik: „Stipendien die Kommunen den Studierenden für eine Zeit als Hausärzte in ihren Kommunen anbieten, finde ich gut.“

Auf dem Seminarkongress treffen sich jährlich Hausärzte aus den norddeutschen Bundesländern zu Seminaren und Fortbildungen. In diesem Jahr waren es nach Angaben des Veranstalters, des Niedersächsischen Hausärzteverbandes, 1250 Ärzte und MFAs.

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