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Niedersachsen

Kommt die Landarztquote – oder doch nicht?

Angeblich gibt es in der niedersächsischen Landesregierung keinen Streit über die Quote. Die SPD will sie, der CDU-Wissenschaftsminister ist skeptisch – und nun?

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:

OLDENBURG. Es gibt in Niedersachsen keinen Streit um die Landarztquote, sondern nur fachlich unterschiedliche Ansichten. Das sagte Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Björn Thümler (CDU) beim 2. Tag der Allgemeinmedizin in Oldenburg. Allerdings wurden bei dem Treffen doch Differenzen sichtbar.

Thümler selbst ist dagegen, dass in Zukunft ein Teil der Medizinstudienplätze an Bewerber gehen, die sich verpflichten, nach dem Studium als Hausarzt auf dem Land zu arbeiten.

„Man kann junge Leuten zum ersten Medizinsemester nicht abverlangen, sich auf ein Landarztdasein festzulegen“, sagte der Minister in seinem Grußwort.

Damit stellt er sich gegen den Koalitionspartner SPD sowie den Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), die eine Landarztquote in Niedersachsen befürworten.

Auch Dr. Wolfram Nagel, Hausarzt aus dem friesischen Esens, kritisierte die geplante Quote. Die Ärzteschaft lehne dieses Instrument ab, weil es dem Rufe der Allgemeinmedizin schaden könnte. Schließlich sei sie die Königsdisziplin der Medizin und nicht „Medizin light“, sagte Nagel. „Landarztquote klingt mir viel zu sehr nach `Strafversetzung´.“

Kontinuierliche Weiterbildungsangebote gefordert

Anders der Hausarzt und zweite Vorsitzende des niedersächsischen Hausärzteverbandes, Dr. Jens Wagenknecht. „Wenn die Gesellschaft nicht sagt, was sie braucht, dann wird es keine Lösung geben“, meinte er.

Zwar sei die Landarztquote die schlechteste aller Lösungen, „aber sie würde verbindlich für eine Zahl an Hausärzten sorgen“. Im Übrigen möge, wer gegen die Quote sei, „einen besseren und vor allem verbindlichen Vorschlag“ vorlegen, forderte Wagenknecht.

Bei der Zusammenkunft auf Einladung der Abteilung Allgemeinmedizin der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg diskutierten die Teilnehmer die Frage: „Bessere Versorgung durch bessere Weiterbildung?“ Professor Hans Gerd Nothwang, Dekan der Medizinfakultät in Oldenburg, betonte, es genüge nicht, gegen den Ärztemangel zu arbeiten. Es müssten auch kontinuierliche Weiterbildungsangebote gemacht werden, um die Versorgung sicherzustellen.

Nach Angaben von Thilo von Engelhardt von der KV Niedersachsen zähle man im Land derzeit 37 Verbundweiterbildungen mit rund 200 haus- und fachärztlichen Praxen und 45 Kliniken. „Die Frage ist, wie wir noch mehr Qualität in die Verbünde bekommen“, sagte Engelhardt in seinem Vortrag.

Am selben Abend feierten auf der Veranstaltung Vertreter von Krankenhäusern und Praxen aus Oldenburg den Start der jüngsten Kooperation in Sachen Weiterbildung: die Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin Oldenburg (VERAMO).

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