Große Personallücken

Beim Rettungsdienst in Baden-Württemberg boomt die Leiharbeit

Innenministerium, Kassen und Krankenhausgesellschaft sehen den Trend zu immer mehr Leiharbeit bei den Rettungsdiensten kritisch. Die Mehrkosten seien erheblich.

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Immer häufiger werden bei Rettungsdiensten Leiharbeiter beschäftigt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das kurzfristige Stopfen von Personallücken, beklagt das baden-württembergische Innenministerium.

Immer häufiger werden bei Rettungsdiensten Leiharbeiter beschäftigt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das kurzfristige Stopfen von Personallücken, beklagt das baden-württembergische Innenministerium.

© Boris Roessler/dpa

Stuttgart. Im Rettungsdienst in Baden-Württemberg sind die Personallücken so groß, dass Malteser, Johanniter & Co. immer häufiger auf Leiharbeitskräfte zurückgreifen müssen. Das sieht das Landesinnenministerium „mit Sorge“, heißt es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPD im Landtag.

Nach Auskunft der Rettungsdienste sei die Personalsituation in den Regionen sehr unterschiedlich – eigene Daten lägen dem Innenministerium aber nicht vor, heißt es. Insgesamt sei aber in den vergangenen zwei bis drei Jahren von einer „deutlich zunehmenden Inanspruchnahme von Personaldienstleistern“ auszugehen.

Auch Kassen und die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) werten den verstärkten Einsatz von Leiharbeitern kritisch. „Gerügt wird insbesondere eine dadurch verursachte Verteuerung des Systems“, heißt es.

Ursächlich hierfür sei, dass sich Arbeitsbedingungen und Einkommen für die Leiharbeiter attraktiver darstellten als ein tarifgebundenes Beschäftigungsverhältnis, so das Ministerium. Damit aber werde das ursprüngliche Ziel der Leiharbeit, kurzfristige Personalausfälle zu kompensieren, „mittlerweile verfehlt“.

Wer ist Leiharbeiter, wer selbstständige Honorarkraft?

Hinzu kommt ein Datennebel aus Sicht der Kostenträger: Denn es sei nicht bekannt, wie viele Leiharbeitskräfte im Rahmen einer echten Arbeitnehmerüberlassung oder aber als selbstständig tätige Honorarkräfte tätig sind, schreibt das Ministerium.

Als Folge müssten die Kassen nicht nur die Mehrkosten tragen, sondern hätten auch keine Einnahmen aus Versichertenbeiträgen durch die Betroffenen – das gelte für die GKV wie für die anderen Sozialkassen.

Diese Entwicklung treibt auch die Krankenhäuser angesichts des steigenden Einsatzes von externen Notärzten um, die etwa aus den Reihen niedergelassener Ärzte oder über Notarztbörsen rekrutiert werden. Dies mache eine „kostendeckende Leistungserbringung problematisch“.

Die Leiharbeit sollte begrenzt werden, rapportiert das Ministerium die BWKG-Position, da der bestehende Personalmangel ausgenutzt werde, so dass die Krankenhäuser „überzogene Preise“ bezahlen müssten.

Krankenkassenvertreter lobten, dass der im September in Kraft getretene neue Rettungsdienstplan an dieser Stelle Kooperationsvereinbarungen etwa mit privaten Krankentransportunternehmen stärke. Dies sei eine gute Alternative zur Leiharbeit, da sie auf Fachkräfte innerhalb des Systems zurückgreife, heißt es in der Antwort auf die SPD-Anfrage.

1200 Ersthelfer-Gruppen landesweit

Über eine positive Entwicklung kann das Ministerium bei ehrenamtlichen sogenannten First Respondern oder „Helfer-vor-Ort-Systemen“ berichten. Bereits im Jahr 2020 habe es landesweit rund 1200 solcher Gruppen gegeben. Mittlerweile seien landesweit in vielen der 35 Rettungsdienstbereiche sogenannte Ersthelfer-Alarmierungs-Apps in Betrieb.

Die Leitstellen könnten auf diese Weise registrierte Ersthelfer über ihr Smartphone orten und sie alarmieren, wenn sie sich in der Nähe des Notfallorts befinden. Ziel des Innenministeriums ist es nach eigenen Angaben, eine einheitliche und organisationsübergreifende App-Alarmierung zu erreichen. (fst)

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