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Zu wenig Corona-Geimpfte

Sachsen startet Impf-Aufklärungskampagne

Auch im Herbst ins Restaurant und in die Schule? Mit einer großangelegten Kommunikationskampagne will Sachsen weg vom letzten Platz in der bundesweiten Corona-Impfstatistik. Helfen sollen auch Videoclips von bereits Geimpften.

Sven EichstädtVon Sven Eichstädt Veröffentlicht:
Eine Frau geht zum Eingang des Impfzentrums in Leipzig. Mit einer großangelegten Impfkampagne will Sachsen nun noch mehr Menschen dazu bewegen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

Eine Frau geht zum Eingang des Impfzentrums in Leipzig. Mit einer großangelegten Impfkampagne will Sachsen nun noch mehr Menschen dazu bewegen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen.

© Hendrik Schmidt/dpa

Dresden. Sachsen will mit einer neuen Impfkampagne deutlich mehr Menschen als bisher zum Impfen motivieren und den letzten Platz bei der Impfstatistik im bundesdeutschen Ländervergleich verlassen.

„Es ist keine Frage mehr, ob wir eine vierte Welle steigender Infektionen im Herbst erleben“, sagte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag in Dresden. „Je mehr Menschen sich jetzt sofort impfen lassen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir einen milden Herbst erleben.“

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ergänzte, „Impfen schützt uns nicht nur selbst, sondern leistet einen Beitrag, dass die Gesellschaft insgesamt geschützt ist, vor allem auch Kinder und Jugendliche oder Menschen mit Vorerkrankungen“.

Die Leiterin der Landesvertretung der Ersatzkassen, Silke Heinke, schätzte ein: „Ähnlich dem Solidaritätsprinzip der Gesetzlichen Krankenversicherung sehe ich die individuelle Schutzimpfung jedes Einzelnen als wichtige Verantwortung für das große Ganze, für den Schutz der Gemeinschaft.“

Absage an Impfzwang

Bei der neuen sächsischen Impfkampagne sind Gutscheine ebenso wie ein Impfzwang nicht vorgesehen. „Wir glauben an die Kraft der gegenseitigen Überzeugung zum Impfen“, erläuterte Köpping. „Wenn möglichst viele Menschen erklären, warum sie nicht auf den Immunschutz verzichten wollen, dann kann dies bei vielen noch Zögernden den letzten Ausschlag für die Entscheidung geben, sich auch impfen zu lassen.“

Bei der neuen Plakat- und Anzeigenkampagne soll mit dem Slogan „Jetzt Impfen!“ insofern geworben werden, dass damit Aktivitäten wie Konzertbesuche, Opern- und Theaterabende, Reisen, Publikum beim Sport, Restaurantbesuche auch im Herbst möglich sowie Kitas und Schulen, Hochschulen und Pflegeheime noch im Herbst geöffnet bleiben könnten.

Geimpfte berichten in Videos über ihre Erfahrungen

Außerdem sei eine Videoclipaktion „Ich hab’s getan“ geplant, bei der Geimpfte in kurzen Filmen ihre persönliche Motivation erklären, warum sie sich die Corona-Schutzimpfung geben ließen. Dafür würden in den Impfzentren und bei Sonderimpfaktionen Geimpfte angesprochen, damit sie sich mit einer kurzen Erklärung beteiligen könnten.

Sachsen nimmt laut der Statistik des Robert Koch-Instituts aktuell den letzten Platz im Ländervergleich ein. Am Dienstag hatten in ganz Deutschland 60 Prozent zumindest eine Impfung erhalten, in Sachsen waren es knapp 51 Prozent. Bei den Zweitimpfungen lag die Quote in der Bundesrepublik bei fast 47 Prozent, in Sachsen betrug sie 43 Prozent.

Kammerpräsident: Impfpflicht nur für bestimmte Berufsgruppen unfair

Der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, warb ebenfalls für das Impfen. „Eine Impfpflicht halte ich als Ultima Ratio für das einzige Mittel, sollte auf andere Weise keine Herdenimmunität erreicht werden können“, sagte der auch als Allgemeinmediziner in Wurzen tätige Arzt. „Für mich kommen allerdings die französischen und griechischen Überlegungen zu einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen nicht in Frage.“

Es könne nicht sein, dass eine Impfpflicht für zum Beispiel medizinisches Personal bestehe, die übrige Bevölkerung aber machen könne was sie wolle, so Bodendieck.

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