COVID-19-Patienten

Sachsen warnt: Klinikbetten könnten knapp werden!

Angesichts der stark steigenden Inzidenz-Werte schlägt Sachsen Alarm: Die Krankenhäuser müssen um Ostern mit bis zu 1300 COVID-Patienten rechnen. Ärzte warnen vor einem drohenden Kollaps.

Von Sven EichstädtSven Eichstädt Veröffentlicht:
Kommt es in Sachsen zu einem Bettennotstand? An Ostern könnte es bei der Behandlung von COVID-19-Patienten zu Kapazitätsengpässen kommen.

Kommt es in Sachsen zu einem Bettennotstand? An Ostern könnte es bei der Behandlung von COVID-19-Patienten zu Kapazitätsengpässen kommen.

© Halfpoint / stock.adobe.com

Dresden. Die Kapazität an Krankenhausbetten für Corona-Patienten könnte in Sachsen in der Zeit um Ostern erschöpft sein. Das ergeben Modellrechnungen, über die Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) und der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, Professor Michael Albrecht, am Dienstag informiert haben.

Demnach werden zu Ostern wahrscheinlich rund 1300 Corona-Patienten in Kliniken des Freistaats behandelt werden müssen. „Das ist der Worstcase“, sagte Köpping.

In einem günstigeren Fall, wenn die Zahl der Infektionen nicht ganz so stark steige, seien es am Dienstag vor Ostern etwa 1100 Corona-Fälle, die in den Kliniken versorgt werden müssten, ergänzte Albrecht. Er ist auch für die Koordination aller Krankenhausbehandlungen von Corona-Patienten in der Region Dresden zuständig.

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Harter Lockdown ab 1300 Patienten?

Albrecht plädierte dafür, dass ein „absolutes Notsystem in Kraft treten muss“, wenn die Zahl von 1300 Corona-Patienten in den Krankenhäusern erreicht sei. „Ab 1300 Patienten ist ein harter Lockdown nötig“, verlangte Albrecht. „Wellenbrecher-Maßnahmen reichen dann nicht mehr aus. Das haben wir im vergangenen Jahr gesehen, dass dies so ist.“

Tatsächlich sieht die aktuelle Corona-Verordnung des Freistaats vor, dass Lockerungen zurückgenommen werden sollen, wenn die Zahl von 1300 Corona-Patienten erreicht ist. Albrecht erinnerte daran, dass die Kliniken in Sachsen im November und Dezember „kurz vor dem Kollaps gestanden“ hätten. „Wir mussten rund 60 Corona-Patienten in andere Bundesländer ausfliegen lassen“, berichtete er.

Köpping ergänzte: „Wir wollen nicht wieder in eine Situation wie im Dezember und Januar kommen, wo Chefärzte verzweifelt waren, weil sie nicht mehr richtig helfen konnten und verzweifelt nach Möglichkeiten suchten, in welchen Kliniken ihre Patienten noch versorgt werden können.“

„Dringend Operationen nachholen!“

Die Ministerin plädierte außerdem dafür, nicht allein die Zahl der COVID-19-Patienten zu betrachten. „Es müssen auch dringend Operationen nachgeholt werden in den Kliniken, die bisher zurückgestellt worden waren“, forderte Köpping. Erst vor Kurzem hätten Krankenhäuser wieder beginnen können, zum Normalbetrieb zurückzukehren und planbare Operationen vorzunehmen, fügte Albrecht an. „Dann müssen wir wieder Stationen schließen.“

Im Unterschied zu November und Dezember seien aktuell alle drei Regionen in Sachsen, also Chemnitz, Dresden und Leipzig, etwa in gleichem Ausmaß vom Infektionsgeschehen betroffen. „Damals waren es vor allem die Regionen Ostsachsen und Sächsische Schweiz sowie Chemnitz“, sagte Albrecht.

Köpping führte aus, dass in den Städten Dresden und Leipzig viele Fällen aufträten, bei denen die britische Virusmutation nachgewiesen werde. Albrecht ergänzte, dass die Infektionen mit Virusmutationen mit dazu beitrügen, dass zunehmend mehr jüngere Menschen in Krankenhäusern behandelt werden müssten.

Durchschnittsalter auf 60 gesunken

„Das Durchschnittsalter bei allen Corona-Patienten in den Kliniken ist von mehr als 70 auf etwa Mitte 60 gesunken.“ Das liege einerseits an Impfungen bei älteren Menschen und andererseits daran, dass sich derzeit viele jüngere Menschen infizierten. „Wir haben zum Beispiel auch schwere Verläufe bei Pflegerinnen von Mitte 40.“

Hinzu kommt, dass wegen des Aussetzens der Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca die geplante schnelle Immunisierung im besonders betroffenen Vogtland erst einmal in weite Ferne gerückt ist. Im Vogtlandkreis lag der Inzidenzwert am Dienstag laut Sozialministerium bei 307, in ganz Sachsen bei 110.

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Modellprojekt am Tag des Starts wieder gestoppt

Im Vogtland war geplant, dass alle Erwachsenen schon jetzt mit dem Wirkstoff von AstraZeneca geimpft werden sollten. Köpping berichtete, dass deswegen das in der vergangenen Woche gestartete neue Impfzentrum in Plauen schon wieder schließen musste. Außerdem sei das Impfen über alle Hausärzte im Vogtland, das kommende Woche beginnen sollte, „obsolet“ geworden.

Das Modellprojekt für ganz Sachsen, bei dem sich 39 Hausärzte im Freistaat beteiligen, habe noch am Tag seines Starts zunächst gestoppt werden müssen. Auch dort war der Impfstoff von AstraZeneca vorgesehen. Aktuell werden in Sachsen ausschließlich noch Termine für Zweitimpfungen von BioNTech/Pfizer realisiert.

„Ich kann nur hoffen, dass es trotzdem zügig mit dem Start von flächendeckenden Impfungen bei Hausärzten losgehen kann“, sagte Köpping.

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