Gutenberg Long-COVID Studie

Universitätsmedizin Mainz nimmt COVID-Spätfolgen in den Blick

Ein großer Teil der COVID-19-Genesenen klagt auch nach sechs Monaten noch über Symptome. Bisher gibt es kaum Evidenz zu Diagnostik und Therapie einer solchen Long-COVID. Die „Gutenberg Long-COVID Studie“ will das ändern.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:
Kopfweh und Abgeschlagenheit gehören zu den häufigsten Long-COVID-Symptomen (Symbolbild mit Fotomodell).

Kopfweh und Abgeschlagenheit gehören zu den häufigsten Long-COVID-Symptomen (Symbolbild mit Fotomodell).

© Justlight / stock.adobe.com

Mainz. Von Long-COVID geht man aus, wenn sechs Monate nach der Erkrankung noch damit verbundene Symptome bestehen. Solche Spätfolgen der Infektion sind für die Medizin bisher noch ein Buch mit sieben Siegeln. Die Liste möglicher Symptome ist lang und reicht von Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit, Kopfweh, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und anderen kognitiven Problemen bis hin zu Hautausschlägen, Diarrhöe und Tinnitus. Typische Symptommuster gibt es nicht, die Pathogenese ist nicht geklärt, es gibt bisher keine spezifischen Therapien und behandelt wird, wenn überhaupt, symptomatisch.

In der „Gutenberg Long-COVID Studie“ sollen jetzt die Spätfolgen der SARS-CoV-2-Infektion in der Bevölkerung genauer untersucht werden, wie bei einer Pressekonferenz der Universitätsmedizin Mainz berichtet wurde. Die neue Studie wird dabei vom Land Rheinland-Pfalz mit 400.000 Euro unterstützt, wie dort Wissenschafts- und Gesundheitsminister Clemens Hoch berichtet hat.

Basis ist die Gutenberg-Gesundheitsstudie

Die jetzt gestartete Studie baut dabei auf der Gutenberg-Gesundheitsstudie auf. In der Studie zur Gesundheit der Bevölkerung wurden bereits seit 2007 Biodaten und Gesundheitsproben von 15.000 Menschen aus Stadt und Kreis Mainz gesammelt. Als Ableger der Gesundheitsstudie läuft zudem die „Gutenberg COVID-19-Studie“. Das Besondere daran: Zu den Probanden gehören mehrheitlich Betroffene, die die Erkrankung ohne medizinische Behandlung zu Hause durchlebt hatten. Und einige Teilnehmer hatten die Infektion sogar unwissentlich durchgemacht und waren erst durch Antikörpertests entdeckt worden.

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In der „Gutenberg COVID-19-Studie“ hat es nach ersten Daten aus neun Monaten auch einige wichtige Ergebnisse zu Long-COVID gegeben. Dazu gaben immerhin 40 Prozent der Teilnehmer an, nach sechs Monaten noch mindestens ein Symptom der Erkrankung zu haben, berichtete Professor Philipp Wild von der Universitätsmedizin Mainz bei der Veranstaltung. Und jeder Dritte mit SARS-CoV-2-Infektion klagte darüber, auch nach sechs Monaten noch nicht so leistungsfähig zu sein, wie vor der Infektion.

Jeder Vierte hat auch ohne COVID einen Leistungsknick

Wild ist Sprecher der Studienleitung dieser Studie. Er räumte dazu ein: Auch 22 Prozent der Patienten, die überhaupt nicht an COVID erkrankt waren, berichteten über eine Abnahme ihrer Leistungsfähigkeit in Zusammenhang mit der Pandemie. Meist wurden die Symptome im weiteren Verlauf weniger. Bei einem Teil der Patienten sistierten sie allerdings auch.

In der interdsziplinären „Gutenberg Long-COVID Studie“ soll nun mit 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter ab 25 Jahre untersucht werden, was wirklich auf die akute Erkrankung zurückzuführen ist und was vielleicht eher eine Begleiterscheinung der Pandemie ist (Kinder nehmen nicht teil!). Unter den Probanden sind auch COVID-Genesene mit schweren akuten Verläufen und stationärer Therapie. In der interdisziplinären Studie sind dabei die meisten Fächer der Medizin eingebunden – von der Neurologie über Kardiologie und Pneumologie bis hin zur Labormedizin. Man hofft, Auswirkungen und Verlauf von Long-COVID durch die erhobenen Daten besser verstehen zu können. Dies soll zu Diagnosekriterien und angemessenen Therapien beitragen.

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