Kommentar zur Corona-Impfung

Welch ein Chaos

Der vermeintliche Skandal um angeblich Impfungen verweigernde Ärzte entpuppt sich eher als Kommunikationschaos einer Ministerin.

Dr. Michael KudernaVon Dr. Michael Kuderna Veröffentlicht:

Das war schon starker Tobak, was sich die saarländischen Ärzte im Landtag von ihrer Gesundheitsministerin Monika Bachmann anhören mussten. Über 100 Angehörige von Medizinberufen seien an einem Tag der Corona-Impfung unentschuldigt ferngeblieben. Schnell sprach sich herum, dass es sich vorwiegend um Ärzte gehandelt habe. Und sogar nach Berlin wurde dieses „unsolidarische“ Verhalten ganz schnell durchgestochen, ohne vorher den Sachverhalt zu klären.

Nun stellt sich aber heraus, dass die meisten Gescholtenen gar nichts von ihrem Glück eines frühen Impftermins wussten. Bösewicht war anscheinend ein simpler Kommunikationsfehler bei den externen Dienstleistern.

So etwas kann passieren. Aber leider wirft die kommunikative Behandlung des Ganzen ein Schlaglicht auf ein unprofessionelles Krisenmanagement mancher Politiker. Eine vorschnelle öffentliche Beschuldigung ist nun einmal kein Kavaliersdelikt. Wenn doch wenigstens eine genauso schnelle Entschuldigung folgen würde, wäre aber auch das zu verschmerzen.

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Ganz nebenbei: Antworten auf Nachfragen in der Pressestelle dauern meist noch länger, und Pressesprecher sollten sich nicht nur in diesem Ministerium allmählich überlegen, ob ihre Berufsbezeichnung in Presseschreiber umbenannt werden sollte – mündliche Auskünfte erhält man in der Regel heute nicht mehr. Das Schlimmste an der ganzen Geschichte liegt aber auf einer anderen Ebene. Zurecht – wenn auch mit den falschen Adressaten – beklagte Bachmann ein generelles Akzeptanzproblem mit dem AstraZeneca-Impfstoff.

Nur wen sollte das wundern, wenn doch das Bundesgesundheitsministerium, das Robert Koch-Institut und andere in ganzseitigen Zeitungs-Anzeigen die drei verfügbaren Impfstoffe vorstellen und dabei ohne jede zusätzliche Erläuterung eine Wirksamkeit bei AstraZeneca von „bis zu 70 Prozent“ aufführen. Wer die Laien so undifferenziert informiert, braucht sich über die Folgen nicht zu wundern.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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Dr. Thomas Georg Schätzler 16.02.202121:01 Uhr

Die 70-jährige (Jahrgang 1950) saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) hat 1973 ihre Ausbildung in einem saarländischen Kreditinstitut begonnen. In den folgenden Jahren befand sie sich in Mutterschaftsurlaub. Danach war sie tätig als selbstständige Bezirksleiterin einer Bausparkasse. Nach der 1992 absolvierten Prüfung zur Versicherungsfachfrau war sie Angestellte einer saarländischen Versicherungs-AG: Medizin-Expertise also mal wieder fest im Griff von Banken und Versicherungen?

Der Anti-COVID-19-Impfstoff AZD1222 von AstraZeneca schützt nach Zulassungsstudien nur 59,5% aller im Durchschnitt 40 Jahre alter Geimpfter vor einem symptomatischen Verlauf von SARS-CoV-2-Infektionen: The Lancet
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)32661-1/fulltext

Impfstoff-Hersteller sprechen mit einer affirmativen WHO mangels Daten lieber nicht mehr von aktivem/passivem Impfschutz und steriler Immunität, sondern von infektiologischen Surrogatparametern wie sekundären Morbiditäts-/Mortalitäts-Verbesserungen. Diese sind statistisch "gefaked" immer bestens, weil auch SARS-CoV-2/COVID-19 Infektionen/Erkrankungen in über 90% spontan abheilen/ sehr selten hochdramatisch bis tödlich sind. Einzelheiten auf meinem DocCheckBlog
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/31686-who-bei-sars-cov-2-covid-19-praevention-immer-noch-orientierungslos.

Diese fachlichen Informationen paaren sich jetzt ausgerechnet mit einem grandiosen Organisationsversagen des Hauses Bachmann.
Eine derartig fehlinformierte, unfähig-selbstherrlich agierende Ministerin muss nach wirklich unfassbarer Kollegenschelte ohne wenn und aber zurücktreten. Vom Alter her wäre es durchaus angemessen.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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