Sachsen

Wieso der Medizin-Studiengang in Chemnitz anders ist

Neben Dresden und Leipzig bildet jetzt auch Chemnitz Mediziner aus – mit anderer Agenda und Zielsetzung. Ungewöhnlich: Weder Kardiologie noch Anatomie steht auf dem Lehrplan. Und: Die Ausbilder setzen auf spätere Landärzte.

Von Sven EichstädtSven Eichstädt Veröffentlicht:
Medizinstudenten üben an einem Kunsttorso.

In Chemnitz haben die ersten 50 Medizinstudenten des Modellstudiengangs zum Wintersemester ihre Ausbildung begonnen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© nd3000 / stock.adobe.com

Chemnitz. Für die 50 Plätze des neuen Medizinstudiengangs am Klinikum Chemnitz haben sich mehr als 22.000 Interessenten beworben. Von den 50 Studierenden, die jetzt im Wintersemester ihr Studium aufnehmen, komme jeder Zweite aus den ostdeutschen Bundesländern und jeder Fünfte aus dem Großraum Chemnitz, teilten das Klinikum Chemnitz und die Technische Universität Dresden mit.

In diesem Wintersemester startet der Modellstudiengang, der im Februar von der Landesdirektion Sachsen zugelassen worden war. Die Regierung aus CDU, Grünen und SPD hatte das Vorhaben im Dezember 2019 im Koalitionsvertrag aufgenommen. „Das neue Angebot ist ein großer Gewinn“, sagt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Die Praxisnähe und vor allem der enge Austausch mit hier niedergelassenen Ärzten werden entscheidend mit dazu beitragen, dass Absolventinnen und Absolventen am Ende in der Region in Mittel- und Westsachsen bleiben.“

Enge Verzahnung von Theorie und Praxis

Anders als im Regelstudiengang fänden die Studierenden am Campus Chemnitz nicht die Fächer Anatomie oder Kardiologie in ihren Lehrplänen, stattdessen werde das Wissen bezogen auf einzelne Organsysteme wie den Thorax oder das Nervensystem vermittelt. Neu sei außerdem eine enge Verzahnung von theoretischen Grundlagen mit der praktischen Ausbildung. Das Studium sei auf 13 Semester angelegt.

Die Studierenden würden bereits ab dem ersten Semester, in dem es vorrangig um das Erkunden des Berufsfeldes gehe, in die Betreuung von Patienten eingebunden. „Wir hegen die Hoffnung, dass sich viele der Absolventen nach ihrem Abschluss dafür entscheiden, in der Region auch als Mediziner tätig zu werden“, sagt Professor Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums Dresden, Impulsgeber für den neuen Studiengang und heute dessen Sprecher. „Genau das war und ist das Ziel dieses Projektes.“

Vorbereitung auf Übernahme einer Arztpraxis

Partner für das Studium ist das Klinikum Chemnitz, neben den beiden Universitätsklinika in Dresden und Leipzig einer der drei Maximalversorger in Sachsen. Dies sei ein „Meilenstein“ für das Klinikum, sagt dessen Kaufmännischer Geschäftsführer Dirk Balster. „Das Klinikum, Lehrkrankenhaus der Unikliniken in Dresden und Leipzig, erfährt nun einen deutlichen Schub auf dem Weg der Akademisierung des Hauses.“

Die Studenten würden „auch auf eine mögliche spätere Übernahme von Arztpraxen als Nachfolger vorbereitet“, so Balster. Die 50 Studierenden hatten sich mit ihrer Abiturbestnote und dem Testergebnis für Medizinische Studiengänge beworben. Für die künftigen Jahrgänge sei ein kompetenzorientiertes Auswahlverfahren entwickelt worden, welches individuelle Interviews beinhalte. Im nächsten Studienjahr sollen wieder 50 Studienplätze vergeben werden. Die Vergabe erfolge dann über die Stiftung für Hochschulstart.

Eingeschrieben sind die Studenten an der Technischen Universität Dresden. Damit erhöht sich die Zahl der Medizinstudienplätze pro Jahr an der TU Dresden von 225 auf 275.

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