Hintergrund

90 Minuten Workshop für Ärzte als Hilfe, um Burnout in der Praxis zu vermeiden

Immer mehr Ärzte fühlen sich ausgebrannt. Aber wie entkommt man der Krise?

Von Marion Lisson Veröffentlicht: 26.05.2009, 05:00 Uhr

Alle Stühle sind besetzt. Hausärztinnen und Ärzte aller Altersgruppen sind vertreten. "Wie können sich Hausärzte vor einem drohenden Burnout schützen?" - dies ist das Thema heute. Einige der anwesenden Mediziner sind selbst betroffen, andere wollen sich nur einmal informieren.

"20 Prozent der niedergelassenen Hausärzte fühlen sich ausgebrannt, oder sind stark von einem Burnout bedroht", sagt Allgemeinarzt Professor Armin Wiesemann. Er leitet den Workshop "Gesundheitscoaching statt Burnout? Wie bleibe ich als Arzt gesund?". Eingeladen hat die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der Universität Heidelberg unter Leitung von Professor Joachim Szecsenyi.

Eigene Bedürfnisse geraten in den Hintergrund

Beim Burnout handele es sich um ein berufsbedingtes psychosomatisches Erschöpfungssyndrom, so Wiesemann. Doch was ist es, das gerade Hausärzte anfällig macht, selbst kraft- und mutlos zu werden?

"Hausärzte kümmern sich oft sehr intensiv um gesundheitliche Probleme anderer Menschen, tragen ein hohes Maß an Verantwortung und beachten dabei weniger das eigene Wohlergehen und das ihrer Familie", berichtet Wiesemann, der auch Lehrbeauftragter am Heidelberger Uniklinikum ist. Nie seien die politischen und ökonomischen Zwänge für niedergelassene Ärzte zudem so groß gewesen wie jetzt. "Es ist ohne Zweifel eine Herausforderung, mit Bürokratie und hohem Regelungsdruck zu leben", sagt Wiesemann.

"Ich habe tatsächlich zurzeit abends zu nichts mehr Lust, hänge nur noch vor der Glotze und fühle mich unzufrieden", fasst ein Allgemeinmediziner seinen Frust zusammen.

90 Minuten haben Wiesemann und die Psychologische Psychotherapeutin Frauke Nees für ihren Workshop zur Verfügung. Es geht gleich los. Die anwesenden Hausärzte füllen den WHO-5-Fragebogen aus, der zuvor verteilt wurde. Das Wohlbefinden der letzten zwei Wochen wird dabei abgefragt. Wie oft man froh und guter Laune war, wie oft man sich beim Aufstehen frisch und ausgeruht gefühlt habe, inwiefern man sich ruhig und entspannt gefühlt habe - all dies gilt es, selbstkritisch zu bewerten. Bei einigen fällt das Ergebnis nicht zur eigenen Zufriedenheit aus.

Nicht jeder, der viel arbeite, leide unweigerlich an einem Burnout, sind sich die anwesenden Ärzte einig. "Man muss unterscheiden: Es gibt Menschen, die ihren ausschließlichen Lebenssinn darin sehen, zu arbeiten", kommentiert ein älterer Hausarzt. Andere Mediziner jedoch, die mit ihrem (Wunsch-)Beruf vorrangig Geld verdienen wollen, um damit ihr Leben und das ihrer Familie zu finanzieren, brauchen jedoch einen Ausgleich zur Arbeit.

Manchmal helfen schon kleine Änderungen des Alltags.

Für diese Menschen sei es wichtig, sich Freiräume zu erhalten, stimmt Wiesemann zu. Es sei ratsam, einen sogenannten Lebenskuchen zu erstellen. Hier sollte jeder in Form von verschieden großen Tortenstücken aufzeichnen, wieviel Zeit er für Beruf, Familie, Freunde/Kultur und für sich selbst in der Woche aufbringe und wieviel wünschenswert sei.

"Hinweise für einen drohenden Burnout sollten ernst genommen werden", sagt auch Psychologin Frauke Nees. Ihr Tipp zur Prophylaxe: Sport treiben, Übungen zur progressiven Muskelentspannung in den Alltag aufnehmen, mediterrane Ernährung, genug Schlaf und gegebenenfalls bewusst kürzere Arbeitszeiten. Gelassenheit und Humor seien ebenfalls Eigenschaften, die man versuchen sollte, wiederzugewinnen.

Keine Scheu vor professioneller Hilfe

Dass solche Auszeiten nicht immer viel Zeit in Anspruch nehmen müssen, stellten Wiesemann und Nees vor Ort unter Beweis: Knapp sechs Minuten dauerten ihre Übungen der progressiven Muskelentspannung. Wer Verhaltensveränderungen nicht aus eigener Kraft schaffe, solle sich nicht scheuen, die Unterstützung eines Profis in Anspruch zu nehmen, empfiehlt die Psychologin den Workshop-Teilnehmern.

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