UND SO SEH´ ICH ES

Allüberall herrschen Solidarität und Kollegialität ...

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Ärztemangel hin, Ärztemangel her, fehlende Doktores hier oder dort -manchen Platzhirschen ist diese Diskussion offensichtlich piepegal, sie haben ihre Claims abgesteckt und verteidigen sie mit Händen und Füßen gegen jeden Neuling. Nachdem im Rahmen der Weiterbildungsordnung die medizinischen Fachgebiete immer mehr parzelliert wurden, grenzt sich jedes auch noch so kleine Fachgebiet streng gegenüber anderen ab.

In der Provinz machen sich die Ärzte immer rarer. Kein Wunder also, dass sich jede Gemeinde, jede Stadt in ländlichen Gebieten, ausgesprochen freut, wenn ein neuer Arzt, gleich welcher Fachrichtung, sich in ihren Mauern niederlässt. Im Gegensatz dazu sind schon länger niedergelassene Mediziner darüber oftmals alles andere als begeistert. So auch in einer mittleren Kreisstadt in Nordhessen.

Ein Facharzt für Chirurgie und für chirurgische Orthopädie freute sich, als er die nötige KV-Zulassung endlich in der Tasche hatte. Kurz vor seiner Niederlassung besuchte er - so gehört es sich ja, obwohl das heutzutage auch schon kaum mehr üblich ist - die beiden alteingesessenen Orthopäden des Ortes, stellte sich vor und wurde von ihnen freundlich aufgenommen.

Hände weg von unseren Claims, rufen Ärzte immer noch.

Auch die Eröffnung der neuen Praxis schien auf eine Lücke zu stoßen, bereits nach wenigen Tagen hatte der neue Doktor eine engbesetzte Terminliste für Wochen im Voraus. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, der erfolgreiche Start des neuen Kollegen schien den beiden Platzhirschen mächtig aufgestoßen zu sein. Schon bald hing am Eingang der Praxis ein Hinweisschild: "Wegen der eingereichten Klage zweier orthopädischer Kollegen gegen meine kassenärztliche Zulassung bin ich leider gezwungen, meine vertragsärztliche Tätigkeit ab sofort auszusetzen."

Formal gesehen haben sich die beiden alteingesessenen Fachärzte zwar durchaus legal verhalten, sie haben, wie sie ein bisschen scheinheilig argumentierten, lediglich Klarheit schaffen wollen, da der Bedarfsplan für diese Kreisstadt nur zwei Orthopädenplätze vorsehe, die durch sie bereits besetzt seien. Der Kollege, der seinen Platz geräumt und dadurch die Niederlassung des Neuen ermöglicht habe, sei ein Chirurg gewesen. Jetzt müsse festgestellt werden, ob der neu gekommene Facharzt für Chirurgie und chirurgische Orthopädie überhaupt diese Stelle übernehmen dürfe. Und das sei nun mal keine lokale Angelegenheit, so die Meinung der Orthopäden, sondern ein generelles Problem.

Bis über den Widerspruch entschieden ist, darf der neue Arzt vertragsärztlich nicht praktizieren. Sollte sich der Fall im Berufungsausschuss juristisch nicht klären lassen oder eine der Parteien mit dem neuen Bescheid nicht einverstanden sein, muss das Sozialgericht entscheiden. Und das kann dauern. Die Gerichte sind mit Klagen überhäuft. Da heißt es Geduld haben - für den betroffenen Arzt als auch für die Patienten. Kurz gesagt: Jetzt herrschen Unruhe und Unzufriedenheit im Ort.

Wie man es auch dreht und wendet - die Sache hat ein, der Schwabe würde sagen "Gschmäckle". Denn zweifellos könnte der Kollege als Chirurg ohne weiteres praktizieren - und einen operativ tätigen Orthopäden hätte die Kreisstadt mit großem Umfeld durchaus gebrauchen können. Doch den beiden Orthopäden scheinen ihre Claims wichtiger zu sein als die kollegiale Zusammenarbeit. Genauso hat es auch die lokale Presse empfunden und über den Ärztestreit berichtet.

Aber das alles ist ja nur in einer kleinen Kreisstadt in Nordhessen passiert. Ansonsten, da darf man sicher sein, herrschen zwischen den Ärzten allüberall Solidarität und Kollegialität, meint

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