Beobachtungsstudie

Bei diesen Patienten ist die Corona-Inzidenz am höchsten

Bremer Arztpraxen haben im Jahr 2020 erforscht, wie das Einkommen und die Herkunft mit einer Corona-Infektion zusammenhängen. Sie kommen zu dem Schluss, dass mit der Zeit ganz andere Gruppen erkrankt sind.

Raimund SchmidVon Raimund Schmid Veröffentlicht:
Arme und Menschen mit Migrationshintergrund haben ein deutlich höheres Risiko, an Corona zu erkranken. Eine Studie aus sechs Bremer Arztpraxen hat dies nun untermauert.

Arme und Menschen mit Migrationshintergrund haben ein deutlich höheres Risiko, an Corona zu erkranken. Eine Studie aus sechs Bremer Arztpraxen hat dies nun untermauert.

© Gero Breloer / dpa

Bremen. Zwischen März 2020 und Januar 2021 lag die Inzidenz nachgewiesener COVID-Infektionen in sechs Bremer Hausarztpraxen durchschnittlich bei 26,9. Fast die Hälfte der Patienten hatte einen Migrationshintergrund – bei einem Gesamtmigrantenanteil in der Hansestadt von 36,5 Prozent.

Dies ist das Ergebnis einer retrospektiven Beobachtungsstudie aus sechs Bremer Hausarztpraxen im Rahmen eines lokalen Qualitätszirkels, die die Zeitschrift für Allgemeinmedizin (ZFA, 2021; 97 (10); 403-407) veröffentlicht hat.

Bei allen Patienten mit symptomatischer SARS-CoV-2-Infektion wurden Alter, Geschlecht, Erkrankungsverlauf und Migrationshintergrund erhoben. Dabei wurden auch der zeitliche Verlauf der verschiedenen Pandemiewellen beobachtet sowie Korrelationen zwischen Migrationshintergrund und regionalem Durchschnittseinkommen sowie der COVID-Inzidenz berechnet.

448 symptomatische Patienten (Durchschnittsalter 42,4 Jahre) nahmen an der Beobachtungsstudie teil. 44,2 Prozent hatten einen Migrationshintergrund. Die Ärztinnen und Ärzte stellten einen hoch signifikanten Zusammenhang zwischen regionalem Durchschnittseinkommen und Migrationshintergrund auf der einen und der Inzidenz auf der anderen Seite fest.

Zusammenhang auch bei stationärer Versorgung

Klare Zusammenhänge zeigten sich auch bei der stationären Versorgung. Von den 33 Patienten (7,4 Prozent), die stationär behandelt wurden, hatten zwei Drittel (66,7 Prozent) einen Migrationshintergrund. Von den vier Patienten, die beatmet werden mussten, hatten drei (75 Prozent) einen Migrationshintergrund. Vier Patienten, die nicht beatmet wurden, starben schließlich. Zwei von ihnen hatten ebenfalls einen Migrationshintergrund.

Nicht alle Praxen versorgten gleich viele Patienten mit Migrationshintergrund: Die Spanne lag hier zwischen 15,4 und 90,2 Prozent. Für die Erhebung setzten die Ärzte die Inzidenz der Patientenpopulation der Praxis in Beziehung zum Anteil Infizierter mit Migrationshintergrund und zum durchschnittlichen regionalen Haushaltseinkommen.

Ergebnis: Der Sozialgradient des Infektionsgeschehens ist evident. Je niedriger der Sozialstatus und je höher der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, desto höher ist die Inzidenz symptomatisch SARS-CoV-2-Infizierter.

Veränderungen zur ersten Welle

Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die COVID-Inzidenz auch über die Region hinaus mit dem Anteil armer Menschen sowie solchen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung korreliert.

Im Vergleich zur ersten Welle hätten hier Veränderungen stattgefunden, erläutert Dr. Günther Egidi, einer der sechs teilnehmenden Allgemeinärzte in Bremen, auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“: „Während bei der ersten Welle bei den Erkrankten eher besser situierte Menschen dominierten, ist inzwischen eine Infektion mit SARS-CoV-2 eine Erkrankung der Armen – und Armut ist fast gleichbedeutend mit Migrationshintergrund. Daher müssen nun ärmere/migrantische Personen besonders aufmerksam und intensiv betreut werden, weil ihr Risiko deutlich erhöht ist.“

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

Bessere Rahmenbedingungen von Politik gefordert

Experten alarmiert: Social Media verdrängt wichtiges Spielen bei Kindern

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Frau mit drei Tabletten und einem Glas Wasser in der Hand.

© Hazal / stock.adobe.com

Umfrage

Nach Antidepressiva-Stopp: Fast die Hälfte mit deutlichen Symptomen