Krankheitsrisiken

Die Folgen eines ungesunden Lebens werden unterschätzt

Fettiges Essen, zu viel Alkohol und Zigaretten: Wer einem ungesunden Lebensstil frönt, erhöht das Risiko, krank zu werden. Viele Bundesbürger unterschätzen die Gefahr, zeigt eine Umfrage.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Burger und Bier: Regelmäßig konsumiert, erhöht sich das Risiko, vorzeitig zu sterben.

Burger und Bier: Regelmäßig konsumiert, erhöht sich das Risiko, vorzeitig zu sterben.

© Guy Erwood / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Durch gezielte Lebensstiländerungen können Männer und Frauen generell darauf hinwirken, länger und vor allem gesünder zu leben - das ist bekannt.

Doch setzt eine bewusste Lebensstiländerung zur Reduktion der Risikofaktoren eine gewisse intrinsische und/oder extrinsische Motivation - zum Beispiel durch ärztlichen Rat - voraus.

Eine richtige Einschätzung der Relevanz bestimmter Risikofaktoren kann hier naturgemäß einen unterstützenden Effekt haben.

Aber gerade bei der Kompetenz der Einschätzung haben viele Deutsche anscheinend Defizite. So unterschätzen Männer die Gefahren eines ungesunden Lebenswandels häufiger als Frauen.

Das geht aus einer repräsentativen TNS-Emnid-Studie hervor, die der Lebensversicherer Canada Life in Kooperation mit dem Arzt und Risikoforscher Professor Klaus Heilmann durchgeführt hat.

Ein Großteil der Deutschen verkennt demnach gerade die Risiken, die sie durch ihre Lebensführung selber beeinflussen können. Das sind Steilvorlagen für die Umsetzung des im Juli in Kraft getretenen Präventionsgesetzes in den Alltag.

1005 Bundesbürger ab 14 Jahre wurden befragt, für wie wahrscheinlich sie den Eintritt von Risiken einer falschen Ernährung, mangelnder Bewegung sowie von Rauchen und Alkoholkonsum, aber auch dem Konsum harter Drogen halten.

"Den wenigsten ist wirklich bewusst, dass eine ungesunde Lebensführung gravierende gesundheitliche Probleme wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes oder Krebs zur Folge haben kann", so Heilmann.

Fehlernährung am häufigsten unterschätzt

Nach Heilmanns Berechnungen stirbt einer von 110 Menschen in Deutschland auch an den Folgen einer unausgewogenen oder zu fetthaltigen Ernährung.

Die Diskussion um eine Fettsteuer hin oder die Ernährungsampel her: Mit 81 Prozent schätzen vier Fünftel dieses Risiko trotzdem falsch ein; zehn Prozent gehen von einem Risiko von eins zu einer Million aus.

Trotz aller Nichtraucherschutzgesetze, Rauchverbote in der Gastronomie oder auch Warnhinweise auf Zigarettenpackungen steht auf Rang zwei der Fehleinschätzung laut Studie das Risiko, durch regelmäßiges Rauchen mit mehr als 20 Zigaretten pro Tag vorzeitig zu sterben (1:180).

Rund 72 Prozent unterschätzten dieses Risiko. In der Spitze geht ein Prozent der Befragten von einem Risikofaktor von eins zu zehn Millionen aus.

Der Konsum harter Drogen landet mit einer Fehleinschätzungsquote von 66 Prozent auf Platz drei der Hitliste. Das errechnete Risiko betrage 1:215. Immerhin 14 Prozent der Befragten gingen dagegen davon aus, es betrage 1:100.000.

Hier kann spekuliert werden, ob die medial aufmerksam begleitete Diskussion um die politisch auch teils gewollte Freigabe von Cannabis, das in vielen Kreisen weiter zu den harten Drogen zählt, zu dieser Einschätzung beiträgt.

Fast jeder Zweite für Alkoholrisiken sensibilisiert

Der Bewegungsmangel (Risiko 1:760) auf Platz vier wird von 59 Prozent der Studienteilnehmer als Risikofaktor unterschätzt. Am meisten sensibilisiert scheinen die Deutschen - als Bierbrauer- und Weinbauernation - für die Gefahren des regelmäßigen Alkoholkonsums.

So unterschätzten 53 Prozent das Risiko (1:650), vorzeitig zu sterben, wenn sie regelmäßig mehr als einen Liter Bier oder einen halben Liter Wein je Tag trinken (für Frauen hälftige Mengen). Das könnte zum Teil auf Aufklärungskampagnen von Krankenkassen wie auch vom Verband der privaten Krankenversicherer zurückzuführen sein.

Was das Risiko betrifft, vor dem 65. Lebensjahr von verschiedenen Krankheiten betroffen zu sein, unterschätzen die Befragten mit 83 Prozent am meisten das Risiko (1:340), an Alzheimer und Demenz zu erkranken.

An zweiter Stelle steht mit 76 Prozent die Fehleinschätzung in puncto Insultrisiko (1:250), gefolgt vom Herzinfarkt (1:225) mit 72 Prozent auf Rang drei und Krebs (1:160) auf dem vierten Platz (70 Prozent).

Da die Studienteilnehmer nicht nach der Quelle für die individuelle - in den meisten Fällen falsche - Risikoeinschätzung gefragt wurden, fällt es schwer, konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Auch wäre es sinnvoll gewesen, zu fragen, ob sie sich in Kenntnis des realen Krankheitsrisikos eine Lebensstiländerung vorstellen könnten oder diese konkret planen.

Heilmann zieht lediglich das Fazit, Verbraucher müssten aufgezeigt bekommen, wo die Realrisiken liegen. Dies kann als Appell an Krankenversicherer verstanden werden.

Angesichts des Auftraggebers verwundert es nicht, dass er es als zentrale Aufgabe von Assekuranzen ansieht, Risiken zu managen. In der Studie betont er letztlich, Verbraucher benötigten "sinnvolle und bezahlbare Angebote zur Abdeckung biometrischer Risiken".

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