"Die Leute sind sich der Gefahr bewußt, aber..."

BUSIA (dpa). Auf dem Boden der dunklen Lehmhütte sitzt ein kleines Mädchen. Das linke Bein ist über und über mit Geschwüren bedeckt und mit Kalk eingerieben. Cynthia ist elf Jahre alt und HIV-positiv.

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Man könnte sie leicht für sechs oder sieben halten, sie ist durch viele Infektionen in ihrer körperlichen Entwicklung zurückgeblieben. Bei jedem Schritt, den sie macht, kann man die Schmerzen in ihrem Gesicht ablesen. Cynthia ist eine der Patientinnen, die im Westen Kenias regelmäßig von Mitarbeitern der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) besucht wird.

"Sie war schon als Baby immer krank", erzählt die Mutter. MSF-Mitarbeiterin Anne Omollo gibt dem Mädchen ein starkes Schmerzmittel, allmählich weicht der gequälte Ausdruck aus Cynthias Gesicht. Anne sagt, daß sie bald wiederkommen und mit Cynthia über ihre Krankheit sprechen wird. Sie ist Krankenschwester und Psychologin in einem. "Wenn Cynthia richtig behandelt wird, kann sie so alt werden wie ein gesundes Kind", erklärt Anne der Mutter des Kindes.

Im Westen Kenias liegt die HIV-Rate bei über 45 Prozent

In den Gebieten um den Viktoriasee im Westen Kenias liegt die HIV-Rate schätzungsweise bei über 45 Prozent. Ärzte ohne Grenzen hat in dem kleinen Ort Busia nahe der ugandischen Grenze ein mobiles Einsatzteam gegründet, das HIV-Patienten zu Hause besucht. Jeden Tag fährt eine Krankenschwester gemeinsam mit einem freiwilligen Mitarbeiter über die Dörfer. Knapp 70 Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungsangestellte sind in dem Projekt beschäftigt. Außerdem gibt es 150 freiwillige Helfer. Etwa die Hälfte des knapp zwei Millionen Euro umfassenden Budgets wird für Medikamente ausgegeben.

Millenniumsziele der UN sind durch Aids gefährdet

Der Kampf gegen Aids fordert gewaltige Anstrengungen. Die globale Epidemie gefährdet auch die selbstgesteckten Millenniumsziele der Vereinten Nationen. Weder Armut noch Hunger, Kindertod oder Bildungsnot werden sich bis 2015 den Vorsätzen der Weltgemeinschaft entsprechend vermindern lassen, wenn es nicht gelingt, HIV und Aids wirksam einzudämmen, warnen Wissenschaftler um Robert Hecht von der Internationalen Aids-Impfstoff-Initiative IAVI.

Durch die Immunschwäche falle das Bruttoinlandsprodukt eines typischen afrikanischen Landes, in dem jeder Fünfte HIV-infiziert ist, nach 20 Jahren um zwei Drittel niedriger aus, als ohne die Aids-Epidemie möglich gewesen wäre, warnen sie in der Fachzeitschrift "PLoS Medicine".

Anne Omollo steigt wieder in den Geländewagen und holpert weiter durch den Busch. Die Einheimischen kennen ihr Auto und winken freundlich. Eineinhalb Stunden dauert die Fahrt, dann geht es zu Fuß weiter zu ein paar Lehmhütten in der Nähe eines Maisfelds. Die Sonne brennt, doch in den Hütten ist es angenehm kühl. Sebastian Oduori und seine beiden Frauen Esther und Christine nehmen auf kleinen Schemeln Platz. Sie scherzen mit Anne und schildern ihre Gesundheitsprobleme. Anne gibt ihnen Salben und Halstabletten, dann geht es weiter.

Prävention steht für Ärzte ohne Grenzen an erster Stelle. "Die Leute sind sich der Gefahr bewußt, aber es dauert lange, bis sich auch ihr Verhalten ändert", meint Anne. Nach fünf Jahren in der Region lasse sich allmählich eine Verbesserung der Lage erkennen, meint auch der spanische MSF-Arzt Jorge Rojas. Die Organisation will künftig ähnliche Projekte im Landesinneren aufbauen.

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