Ärzte ohne Grenzen

Erste Cholera-Tote in Mosambik

Die Zahl der Cholera-Fälle nach dem Zyklon „Idai“ in Mosambik ist auf 2100 gestiegen. Helfer haben eine große Impfkampagne gestartet.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Chinesische Helfer besprühen eine Schule in Beira mit Desinfektionsmittel.

Chinesische Helfer besprühen eine Schule in Beira mit Desinfektionsmittel.

© Zhang Yu / XinHua / picture alliance

BEIRA. Drei Wochen, nachdem der Zyklon Idai über Mosambik hinweg fegte, breitet sich die Cholera im Land weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation hat vergangene Woche eine Impfkampagne gestartet, in deren Verlauf innerhalb der am stärksten betroffenen Provinz Sofala insgesamt 900.000 Dosen verabreicht werden sollen.

Während sich das Technische Hilfswerk (THW) darum bemüht, den Menschen sauberes Trinkwasser bereitzustellen und ihre Brunnen instand zu setzen, setzen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen (MSF) alles daran, das schon vor der Katastrophe marode Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren.

2100 mit Cholera

Mittlerweile sind rund 2100 Einwohner Mosambiks an Cholera erkrankt, teilte das Gesundheitsministerium des afrikanischen Landes mit, drei Viertel von ihnen in der Hafenstadt Beira, die der Zyklon am härtesten traf und zu 90 Prozent zerstörte. Erste Patienten seien bereits an der Durchfallerkrankung gestorben, hieß es. Sorgen bereitet den Helfern die Versorgung der Patienten in abgelegenen Regionen, da viele Gebiete aufgrund der Überschwemmungen nur per Boot oder Hubschrauber zugänglich sind.

Laut UN benötigen derzeit zwei Millionen Menschen dringend Hilfe, die Hälfte von ihnen Kinder. Allein in Beira haben Schätzungen zufolge 600.000 Menschen ihr Obdach verloren. In Simbabwe zerstörte der Zyklon in den betroffenen Gebieten 95 Prozent aller Straßen, knapp 50 Schulen und 200 Quadratkilometer Ackerland; in Malawi gingen 420.000 Tonnen Mais, rund zwölf Prozent der erwarteten Ernte, verloren.

MSF konzentriert seinen Einsatz auf den Wiederaufbau der zerstörten Gesundheitszentren in den Krisenregionen. Unter den verheerenden Verwüstungen leiden chronisch kranke Patienten mit am meisten. So ist Mosambik eines der am stärksten von Malaria betroffenen Länder der Erde, und auch die Tuberkulose stellt das Land vor große Herausforderungen.

Zudem sind 1,5 Millionen Einwohner Mosambiks HIV-positiv. Die Kindersterblichkeit beträgt 68/1000, die Müttersterblichkeit 489/100.000. Jeder vierte Mosambikaner war schon vor der Naturkatastrophe unterernährt. Auf 100.000 Einwohner kommen sechs Ärzte.

Teamstärke sollen noch wachsen

Inzwischen sind mehr als 70 internationale und gut 200 nationale Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen an Ort und Stelle im Einsatz, und das Team soll noch weiter ausgebaut werden. Gert Verdonck, MSF-Nothilfekoordinator in Beira, befürchtet durch die Überschwemmungen zusätzlich zur Ausbreitung der Cholera auch einen Anstieg von Haut- und Atemwegsinfektionen sowie Malaria-Erkrankungen.

Derzeit versorge man Patienten in drei Gesundheitszentren und mittels mobiler Kliniken. „Unsere Teams behandeln schon jetzt mehr als 200 Patienten am Tag“, so Verdonck.

Darüber hinaus chartert Ärzte ohne Grenzen jede Woche mehrere Frachtflüge, um dringend benötigte Hilfsgüter in die Krisenzentren zu bringen. Darunter befinden sich zum Beispiel Wasserreinigungs-Kits, Zelte und Antibiotika. Mit Booten und Helikoptern versucht man, zu den Menschen in den von Wassermassen abgeschnittenen Gebieten vorzudringen.

Weitreichende Folgen

Infolge des Zyklons haben viele Menschen Knochenbrüche erlitten, andere brauchen Medikamente, wieder andere leiden unter Hunger und Durst.

Auch die internationale Rotkreuz- und Rotehalbmond-Bewegung schickt immer mehr Helfer in die Krisenregion, um die Not der Opfer zu lindern. Auch habe man bereits zwei mobile Krankenhäuser in das Katastrophengebiet entsandt, teilte das DRK mit. Überdies seien Experten im Einsatz, die die Ausbreitung übertragbarer Krankheiten eindämmten, Trinkwasser aufbereiteten und Versorgungsgüter bereitstellten.

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