Studie Gesundheit und Sexualität

Geringe Neigung zum Gespräch über Geschlechtskrankheiten

Laut der Studie von BZgA und UKE spielen in der Arzt-Patienten-Kommunikation sexuell übertragbare Krankheiten (STI) nur eine untergeordnete Rolle. Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht das auch gar nicht.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Über den Sex der Deutschen wissen Forscher teilweise wenig: Das Projekt „GeSiD“ war auf drei Jahre ausgelegt.

Über den Sex der Deutschen wissen Forscher teilweise wenig: Das Projekt „GeSiD“ war auf drei Jahre ausgelegt.

© Tomasz Trojanowski / Fotolia

Hamburg. Die Deutschen sprechen zwar über Verhütung, aber deutlich seltener über sexuell übertragbare Infektionen (STI). Wenn eine Infizierung erfolgt ist, kommunizieren die Betroffenen dies mit ihrem Partner. Jüngere Menschen wissen über STI grundsätzlich besser Bescheid als ältere.

Dies sind Ergebnisse der Studie Gesundheit und Sexualität in Deutschland (GeSiD), für die Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Meinungsforschungsinstitut Kantar die Antworten von rund 5000 Erwachsenen etwa auf Fragen zur Häufigkeit von Geschlechtsverkehr und zu Sexualpraktiken ausgewertet haben.

Jüngere reden eher über STI

Neben diesen Ergebnissen dürfte für Ärzte auch interessant sein, dass die Kommunikation über STI deutlich ausbaufähig ist. Nicht einmal ein Drittel der erwachsenen heterosexuellen Deutschen in festen Beziehungen haben mit ihrem Partner vor dem ersten sexuellen Kontakt über STI gesprochen. Unter lesbischen, schwulen und bisexuellen Paaren liegt dieser Anteil bei 40 Prozent.

Einen deutlichen Unterschied gibt es auch zwischen den Altersgruppen: Wer heute im Rentenalter ist, hat nur in Ausnahmefällen dieses Thema vor dem ersten sexuellen Kontakt mit seinem Partner angesprochen (neun Prozent). Bei den 18- bis 25-Jährigen liegt dieser Anteil dagegen bei über 40 Prozent.

Auch in der Arzt/Patienten-Kommunikation spielen STI nur eine untergeordnete Rolle. 31 Prozent der Frauen und 21 Prozent der Männer gab an, schon einmal ein Beratungsgespräch mit einem Arzt über STI geführt zu haben.

Eine wichtige Botschaft für die Ärzte: Weitere 15 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer würden gerne ein solches Gespräch führen – der Rest allerdings verspürt diesen Wunsch nicht. Tendenziell sprechen jüngere Menschen über dieses Thema eher mit ihrem Arzt als ältere. Den größten Wunsch nach solchen Gesprächen haben Frauen bis 35 Jahre.

Große Wissenslücken bei Geschlechtskrankheiten

Wer sich infiziert hat, spricht laut GeSiD in aller Regel auch mit dem Partner darüber. Zwischen 70,4 Prozent und 87,5 Prozent der Betroffenen haben zum damaligen Zeitpunkt mit ihrem Partner auch darüber gesprochen. Die Autoren interpretieren diese Angaben als „verantwortungsvolles Kommunikationsverhalten“.

Enorme Wissenslücken offenbaren die Fragen nach der Bekanntheit von sexuell übertragbaren Infektionen. Aufgefordert, bekannte STI zu nennen, fiel 71,1 Prozent der Befragten in der ungestützten Abfrage HIV/AIDS ein. 38,6 Prozent erinnerte sich an Gonorrhö/Tripper und 31,9 Prozent an Syphilis. Mit weitem Abstand folgen Chlamydien (11,7 Prozent), genitaler Herpes (10,6 Prozent), Hepatitis B (10,3 Prozent) und weitere.

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Wissen über einzelne STI gab es lediglich bei Chlamydien und Tripper. Deutlich stärkeren Einfluss auf diese Informiertheit hat das Alter: Jüngere Befragte bis 35 Jahre konnten deutlich mehr STI nennen. Die Studienautoren führen dies darauf zurück, dass die Bildungs- und Aufklärungsangebote für die jüngeren Jahrgänge verbreiteter waren und auch im Rahmen der schulischen Sexualaufklärung über STI gesprochen wurde.

Zur Verhütung: Besonders für junge Menschen ist es heute selbstverständlich, vor dem ersten sexuellen Kontakt über Kondome zu sprechen – in der Gruppe der 18- bis 25-jährigen haben dies dreiviertel aller Männer und Frauen getan. Bei den heterosexuellen Erwachsenen über alle Altersgruppen beträgt der Anteil 57 Prozent, bei lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen liegt er bei 46 (Männer) bzw. 49 Prozent (Frauen).

Ein Drittel setzt auf Kondom

In ihrer Singlephase verlassen sich 39 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen grundsätzlich immer auf ein Kondom, aber 22 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frau nie. Beim Sex außerhalb der Beziehung benutzen sogar 44 Prozent der Männer und Frauen nie ein Kondom. Sexuell aktive Männer und Frauen, die auf ein Kondom verzichten, halten ihren nahezu unbekannten Partner für gesund und glauben, dass keine Ansteckungsgefahr bestehe.

„Möglicherweise wird die Gefahr einer STI-Übertragung in sexuellen Risikosituationen manchmal ausgeblendet“, heißt es in der Studie. Zweitwichtigster Grund für den Kondomverzicht ist die Annahme, dass Sex mit Kondom weniger lustvoll sein könnte. Mangelnde Verfügbarkeit von Kondomen oder Alkohol- und Drogeneinfluss spielen dagegen keine Rolle.

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