1. Preis Charity Award 2023

Gesundheitskollektiv Berlin bietet Menschen im sozialen Abseits eine Gesundheitsversorgung unter einem Dach

Der gemeinnützige Verein Gesundheitskollektiv Berlin hat das Stadtteil-Gesundheits-Zentrum Neukölln gegründet, um Menschen, die in sozial schwierigen Verhältnissen leben, einen innovativen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu bieten. Für dieses Engagement wurde der Verein nun mit dem 1. Preis beim Springer Medizin Charity Award ausgezeichnet.

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Dr. Patricia Hänel vom Gesundheitskollektiv Berlin nimmt bei der Springer Medizin Gala den Charity Award entgegen.

Dr. Patricia Hänel vom Gesundheitskollektiv Berlin nimmt bei der Springer Medizin Gala den Charity Award entgegen.

© Marc-Steffen Unger

Das Geschrei im Haus ist unerträglich, die Wohnung viel zu klein, die Schulden wachsen über den Kopf, es gibt Sprachbarrieren und Diskriminierungserfahrungen. Hinzu kommen mangelnde Kenntnisse des Gesundheitssystems: Wo gehe ich hin, wenn ich ärztliche Behandlung benötige und wenn die Wartezeit für einen Termin viel zu lange ist?

Der gemeinnützige Verein Gesundheitskollektiv Berlin e. V. weiß um Probleme von Menschen aus prekären sozialen Milieus – auch mit Blick auf ihre Zugangsoptionen ins Versorgungssystem. Mit dem Stadtteil-Gesundheits-Zentrum Neukölln, kurz Geko, genannt, hat das Gesundheitskollektiv eine Einrichtung mit klar formulierten Zielen gegründet: Es geht darum, den Zugang zur Gesundheitsversorgung für Menschen an sozialen Brennpunkten zu verbessern.

Springer Medizin Gala 2023: die Preisverleihung

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Die Gala im Video: Die Verleihung des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards am 19. Oktober 2023 in Berlin.

Es gebe oft hohe Hürden für Menschen mit Migrationshintergrund, ärztliche Versorgung in Anspruch zu nehmen, sagte Koordinatorin Patricia Hänel vom Geko bei der Preisverleihung. „Manche können das nicht, weil sie anders groß geworden sind und sozialisiert wurden.“ Ein Problem sei zudem, dass die Sprachmittlung in Praxen nicht finanziert werde. Den zeitlichen Aufwand, den es für die Behandlung fremdsprachiger Patienten brauche, könnten viele Praxen nicht leisten.

Eine umfassende Versorgung unter einem Dach

Das Geko leistet Hilfe bei körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen. Der Verein hat darüber hinaus ehrgeizige Ziele: „Wir wollen auch vor krankmachenden Lebensbedingungen nicht unsere Augen verschließen, denn wir wissen: Auch die beste Gesundheitsversorgung bleibt ineffektiv, wenn sich die Lebensbedingungen, die krank machen, nicht ändern.“

Springer Medizin Gala 2023

Die Preisverleihung des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Springer Medizin Charity Awards in Bildern: Impressionen der Springer Medizin Gala 2023.
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Springer Medizin Gala 2023 fand am 19. Oktober 2023 in Berlin statt.
Bereit für ein besonderes Event: Die Springer Medizin Gala 2023 fand am 19. Oktober 2023 in Berlin statt.

© David Vogt

Wohl gestimmt trafen die Besucher am frühen Donnerstagabend im Axica in Berlin ein – in freudiger Erwartung auf Dinner und Preisverleihung.
Wohl gestimmt trafen die Besucher am frühen Donnerstagabend im Axica in Berlin ein – in freudiger Erwartung auf Dinner und Preisverleihung. Im Saal waren die Tische bereits festlich eingedeckt.

© David Vogt

Mit der Galenus-von-Pergamon-Medaille werden Forschungsprojekte und Arzneimittel im pharmazeutischen Bereich ausgezeichnet.
Mit der Galenus-von-Pergamon-Medaille werden herausragende Arzneimittel-Innovationen und pharmazeutische Grundlagenforschung in Deutschland ausgezeichnet.

© David Vogt

Moderation Yve Fehring und Wolfgang van den Bergh
Bewährtes Team: Yve Fehring und Wolfgang van den Bergh haben die Gala wie in den Vorjahren moderiert.

© David Vogt

Die Eröffnungsrede gab Fabian Kaufmann, Vorsitzender der Geschäftsführung Springer Medizin Verlag GmbH.
Die Eröffnungsrede hielt Fabian Kaufmann, Vorsitzender der Geschäftsführung des Springer Medizin Verlags.

© Marc-Steffen Unger

Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist Schirmherrin des Galenus-von-Pergamon-Medaille.
Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ist Schirmherrin des Galenus-von-Pergamon-Preises. In einer Videobotschaft lobte sie die Ausdauer der Forscherinnen und Forscher auf dem langen Weg zu einem neuen Medikament.

© Marc-Steffen Unger

Professorin Marianne Dieterich, Vize-Präsidentin Galenus-Jury & Stiftungsprofessur für Forschung Ludwig-Maximilians-Universität München, verleiht die Galenus-Medaille für Grundlagenforschung.
Professorin Marianne Dieterich, Leiterin der Abteilung Neurologie der Universität München sowie Mitglied der Jury des Galenus-von-Pergamon-Preises, bei der Laudatio für die Gewinner der Galenus-Medaille für Grundlagenforschung.

© Marc-Steffen Unger

Ein Team der Uni München wurde mit dem Galenus-Preis für Grundlagenforschung aus...
Ein Team der Uni München wurde mit dem Galenus-Preis für Grundlagenforschung ausgezeichnet: PD Dr. Tobias Petzold, Dr. Manuela Thienel und Dr. Johannes Müller-Reif. Die Arbeitsgruppe hat untersucht, warum chronisch Gelähmte und Braunbären im Winterschlaf kein erhöhtes Thromboserisiko haben.

© David Vogt

Professor Erland Erdmann ist der Jurypräsident Galenus sowie ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik III  Herzzentrum der Universität zu Köln
Professor Erland Erdmann ist Vorsitzender der Galenus-Jury sowie ehemaliger Direktor der Medizinischen Klinik III Herzzentrum der Universität Köln. Er erläuterte die Entscheidungen der Jury für die Preisträger in den Kategorien Primary Care, Specialist Care und Orphan Drugs.

© Marc-Steffen Unger

Wolfgang van den Bergh (l.) mit den Galenus-Preisträgern (v.l.): Jean-Luc Delay ...
Wolfgang van den Bergh (l.) mit den Galenus-Preisträgern (v.l.): Jean-Luc Delay von Takeda, Daniel Ghyssels von Immunocore, Dr. Dirk Holler von Novartis und PD Dr. Tobias Petzold von der LMU.

© Marc-Steffen Unger

Möglichkeit zum Netzwerken gab es bei der Springer Medizin Gala 2023.
Bei der Gala wurden nicht nur Preise verliehen, es gab zudem zahlreiche Möglichkeiten zum Netzwerken.

© David Vogt

Nicht nur die Galenus-Medaille, sondern auch der Charity-Award wird bei der Springer Medizin Gala vergeben. Geehrt mit dem Charity-Award werden ehrenamtliche Tätigkeiten.
Verliehen wurde an diesem Abend auch der Charity Award, mit dem Springer Medizin das herausragende ehrenamtliche Engagement von Stiftungen, Organisationen und Institutionen auszeichnet, die sich in besonderer Weise der Gesundheitsversorgung in Deutschland verpflichtet fühlen.

© David Vogt

Professorin Monika Kellerer, Jurypräsidentin für den Charity Award und Ärztliche...
Professorin Monika Kellerer, Jurypräsidentin für den Charity Award und Ärztliche Direktorin, Zentrum für Innere Medizin 1, Marienhospital Stuttgart bei der Laudatio für die Preisträger.

© Marc-Steffen Unger

Den ersten Platz gewann das Gesundheitskollektiv Berlin e.V. Projektmanagerin Dr...
Den ersten Platz gewann das Gesundheitskollektiv Berlin e.V. Projektmanagerin Dr. Patricia Hänel nahm den Preis begeistert entgegen.

© Marc-Steffen Unger

Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach ist Schirmherr des Charity A...
Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach ist Schirmherr des Charity Awards. In seiner Festrede meldete er Protest gegen die Entscheidung der Jury an: Alle Preisträger hätten den ersten Preis verdient gehabt, meinte er.

© Marc-Steffen Unger

Nach seiner Rede musste der Minister schnell weiter, um im Bundestag tief in der...
Nach seiner Rede musste der Minister schnell weiter, um im Bundestag tief in der Nacht zum Krankenhaustransparenzgesetz zu sprechen, das im Parlament zur Abstimmung stand.

© Marc-Steffen Unger

Zum Abschluss ein Gruppenfoto mit den Gewinnern der Galenus-Medaillen und den Ch...
Zum Abschluss ein Gruppenfoto mit den Gewinnern der Galenus-Medaillen und den Charity-Award-Preisträgern sowie den Jury-Mitgliedern und Sponsoren.

© David Vogt

Mit dem Geko wurde ein Ort geschaffen, an dem medizinisch- pflegerische, psychische und soziale Aspekte einer umfassenden Versorgung unter einem Dach angeboten werden. „Das Geko ist so erste Anlaufstelle für Menschen mit schlechtem sozioökonomischem Status, mit Zugangsbarrieren oder in prekären Lebenssituationen. Die Einrichtung ermöglicht ihnen einen einfachen Zugang zum Gesundheitssystem.

Von der Kinderarztpraxis bis zur Familienberatung

Deshalb wird in einem Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei in Berlin alles unter einem Dach angeboten: Auf 500 Quadratmetern gibt es eine Hausarzt- und eine Kinderarztpraxis, es gibt Beratungsstellen für Familie, Gesundheit, Pflege und Soziales, und es gibt Angebote zur psychologischen Betreuung. Auch aufsuchende Gesundheitsarbeit im Stadtteil Neukölln gehört zum Programm.

Das interdisziplinäre Team sei „alles“, so Hänel. Die Ärzte stünden „am Ende der Kette“ und hätten nicht das alleinige Sagen. Denn die Kontakte zu den Menschen würden im Geko vor allem von den anderen Mitarbeitern geknüpft.

Im eigenen Café zum Beispiel. Das hilft dabei, Nachbarn und Patienten aus der Umgebung in Kontakt zu bringen. Und das Kollektiv positioniert sich: „Das Thema Wohnen ist einer unserer Schwerpunkte in der Stadtteilarbeit.

Der Schimmel in der Wohnung und Angst vor steigenden Mieten beeinträchtigen die Gesundheit und nehmen Menschen Ressourcen, sich um den Erhalt ihrer Gesundheit zu kümmern“, heißt es in einer Geko-Infoschrift: „Dies ist unserer Überzeugung nach mindestens genauso wichtig für die Gesundheit wie medizinische und psychologische Therapie.“

Mit ungewöhnlichen Wegen zum Ziel

Mittlerweile verdienen über 20 Menschen im Geko ihren Lebensunterhalt. „Wir verteilen unsere Umsätze durch die Versorgung und die Fördermittel, die wir vom Land und von Stiftungen, erhalten, so gerecht wie möglich unter den Angestellten“, so das Gesundheitskollektiv.

Das Gesundheitssystem in Deutschland biete kein Modell für eine ambulante, multiprofessionelle Primärversorgung in Kombination mit Verhaltens- und Verhältnisprävention. „Wir sind ungewöhnliche Wege gegangen , um unsere Vision trotzdem umzusetzen“, sagt ein Vertreter des Kollektivs – und das nicht ohne Stolz.

In den Berliner Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Spandau und Lichtenberg seien nun ähnliche Projekte geplant, berichtet Patricia Hänel. Über die Verwendung des Preisgeldes wird das Kollektiv natürlich gemeinsam entscheiden. Hänel könnte sich vorstellen, damit das Essen im Geko-Café billiger zu machen, die Sprachmittlung in den Praxen zu finanzieren oder noch mehr Sozialberatung anzubieten.

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