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TV-Kritik

Impfproband Hirschhausen: Mit Aufklärung wider den Zweifel

Soll ich mich gegen COVID-19 impfen lassen? Der Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen hat die Frage für sich mit Ja beantwortet. Über seine Erfahrungen als Teilnehmer an einer Impfstudie hat er am Montagabend in einer ARD- Dokumentation berichtet.

Von Pete Smith Veröffentlicht: | aktualisiert:
Eckart von Hirschhausen als Teilnehmer an der Doppelblindstudie – erhielt er Impfstoff oder Placebo?

Eckart von Hirschhausen als Teilnehmer an der Doppelblindstudie – erhielt er Impfstoff oder Placebo?

© Bilderfest/ARD; Screenshot Ärzte Zeitung

Köln. Mit Impfen kennt sich Dr. Eckart von Hirschhausen aus. Als junger Arzt hat er Kleinkindern Vakzinen gegen Mumps, Masern und Röteln verabreicht. „Mit gut etablierten, über Jahrzehnte getesteten Impfstoffen.“ Die Vakzine gegen SARS-CoV-2 dagegen sind so schnell entwickelt worden wie kein Impfstoff zuvor in der Geschichte der Menschheit. „Viele Menschen haben Fragen“, erklärt der bekannte Fernsehmoderator, Autor und Comedian. „Und ich auch“.

Um die brennendsten davon zu beantworten, hat Hirschhausen, bekennender „Freund der Wissenschaft“, an der Uniklinik Köln als Proband an einer Studie teilgenommen, die die Vakzine des Tübinger Arzneimittelherstellers CureVac testet. Was er dabei erlebt und gefühlt hat und welchen Experten er im Verlauf seiner Recherchen begegnet ist, war Montagabend in der Dokumentation „Hirschhausen als Impfproband“ im Ersten zu sehen.

Bei einem seiner seltenen Gastspiele im Vorjahr, einem Open-Air-Auftritt in Dresden, wollte Hirschhausen vom Publikum wissen, wer sich gegen COVID-19 impfen ließe, wenn eine nach allen Standards zugelassene Vakzine verfügbar wäre. Mehr als die Hälfte der Zuhörer verneinten.

Fremdstoffe im Körper? Nein!

Für eine intensivere Befragung stellt sich der Arzt und Entertainer im Rahmen seiner Dokumentation nun ans Rheinufer, den Kölner Dom im Hintergrund als dekorative Kulisse. „Ich bin kein Fan vom Impfen“, bekennt eine Passantin, „Fremdstoffe in meinem Körper – nicht so gern.“

Einer anderen Frau ist das „ein bisschen zu heiß, in einem Jahr eine Impfung herauszubringen“. Außerdem höre man doch oft, „dass man davon impotent werden soll“. „Unfruchtbar“, verbessert Hirschhausen. „Ja, genau“. Eine ältere Spaziergängerin vertraut dagegen „auf die Bundesregierung und darauf, was die Virologen sagen“. Einer weiteren schließlich ist „vor allem wichtig, dass sich meine Eltern impfen lassen“.

Warum ist das Thema Impfen denn für viele so heikel, lautet eine der ersten Fragen, der Hirschhausen in seiner Doku nachgeht. Weil wir beim Thema Prävention eher „risikoavers“ seien, antwortet die Psychologin Professor Cornelia Betsch vom Fachbereich Gesundheitskommunikation der Universität Erfurt. „Wir injizieren etwas in einen gesunden Körper und wollen den ja nicht krankmachen. Es ist etwas Anderes, wenn ich krank bin, dann nehme ich jedes Risiko in Kauf, um wieder gesund zu werden.“

Hirschhausen will Menschen die Angst nehmen

Bis Hirschhausen seine erste Spritze erhält, ist die Hälfte der Dokumentation vorbei, so viele Fragen gilt es noch zu beantworten:

  • Was ist von der von Impfgegnern vertretenen Meinung zu halten, man müsse die Infektion durchmachen, weil das „natürlich“ sei und eine Herdenimmunität schaffe? „Wer die Krankheit aushält, ist stark, und wer daran stirbt, ist selber schuld“, spitzt Hirschhausen zu. „Das ist Mittelalter.“
  • Wieviel Geld bekommt man als Impfproband? „100 Euro pro Termin. Reich wird man davon nicht.“
  • Wie kommt es, dass der Impfstoff gegen SARS-CoV-2 so rasant entwickelt werden konnte? Antwort: Weil es erstens viel Geld für dessen Erforschung und Entwicklung gab, die Behörden zweitens die Prüfung des Impfstoffs vorgezogen haben, sich drittens sehr viele Freiwillige für die Studien gemeldet haben und sich viertens viele Probanden während der Studien mit dem Corona-Virus infiziert haben, was die Aussagen über die Wirksamkeit der Vakzine beschleunigte.

Hirschhausens Ziel ist klar: Er will den Menschen ihre Ängste nehmen und zugleich auf die Notwendigkeit der Impfung hinweisen. Das macht er souverän, wenngleich manchmal weniger mehr gewesen wäre: Auf die Selbsttestung und den Besuch im Pflegeheim hätte man beispielsweise verzichten können.

Herrlich dagegen ist die Szene, in der sich Hirschhausen mit dem SPD-Gesundheitsexperten und Talkshow-König Karl Lauterbach unterhält, dem, wie jener selbstironisch bekennt, Markus Lanz extra freigegeben hat. Bei allem gebotenen Abstand kommen sich die zwei nahe, ja, anlässlich ihres Schwätzchens haben sie sogar die Garderobe – Steppjacken und Halstücher – aufeinander abgestimmt.

Lauterbach lobt die Vakzine von CureVac, weil sie im Unterschied zu den Impfstoffen von BionTech und Moderna nicht gekühlt werden müsse. Hirschhausens demonstrativ zur Schau gestellte Bedenken, ob es denn wirklich klug ist, sich als „Versuchskaninchen“ an einer Impfstudie zu beteiligen, kontert Lauterbach mit Verweis auf die Sicherheit der bereits zugelassenen mRNA-Vakzine: „Den Heldenstatus kann ich hier nicht vergeben.“

Hirschhausen als „Proband Nr. 20“

Am 20. Dezember 2020 ist es soweit: Nachdem er von Studienleiterin Professor Clara Lehmann aufgeklärt worden ist, krempelt Hirschhausen den Ärmel hoch und empfängt als „Proband Nr. 20“ seine erste Spritze. Dass er dabei tatsächlich „ein bisschen nervös“ ist, wie er in die Kamera sagt, ist wohl eher der Dramaturgie geschuldet, zumal er als Teilnehmer einer Doppelblindstudie im Unklaren darüber bleibt, ob er wirklich die erste Dosis des CureVac-Impfstoffs oder bloß eine Kochsalzlösung erhält.

Bis zur zweiten Dosis am 18. Januar muss der Arzt und Moderator ein Tagebuch führen – „das langweiligste Tagebuch der Welt“, weil in den vier Wochen rein gar nichts passiert. Ein gutes Zeichen und möglicherweise ein weiteres Indiz dafür, dass die mRNA-Vakzine von CureVac unbedenklich ist.

„Impfen ist sinnvoll, sicher und vor allem solidarisch“, lautet Hirschhausens Fazit. Eine Position, die er auch in der sich an die Dokuanschließenden Talkrunde „Hart aber fair“ betonte, in der es um die schleppende Impfkampagne ging. SPD-Urgestein Franz Müntefering brachte seine Sicht der Dinge nonchalant auf den Punkt: „Es ist ganz klar, dass die Exekutive bei uns manchmal das Gefühl hat, wenn sie die Lösung verkündet, sei die Lösung da. Ist sie aber nicht.“

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