Studie

Mehrheit der Lehrer geht krank zur Arbeit

Deutschlands Gymnasiallehrer sind vor Präsentismus nicht gefeit, wie eine Umfrage von Philologenverband und DAK-Gesundheit zeigt. Viele treten sogar entgegen der Empfehlung des Arztes ihren Dienst an.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 09.03.2020, 13:39 Uhr
Mehrheit der Lehrer geht krank zur Arbeit

Zwei Drittel der Gymnasiallehrer empfinden laut Umfrage eine hohe bis sehr hohe berufliche Belastung.

© Woodapple - stock.adobe.com

Berlin. Niesend und schniefend am Arbeitsplatz: Unter Deutschlands Lehrern ist das Phänomen des Präsentismus offenbar weit verbreitet, wie eine am Montag in Berlin vorgestellte Studie des Deutschen Philologenverbands (DPhV) belegt.

Die Untersuchung, in die Angaben von mehr als 16.000 Lehrern an Gymnasien einflossen, wurde vom Institut für Präventivmedizin der Universitätsmedizin Rostock erstellt und von der Krankenkasse DAK-Gesundheit unterstützt.

Trotz Krankheitsgefühl im Dienst

Danach kommt es bei neun von zehn Lehrern innerhalb eines Jahres vor, dass sie trotz Krankheitsgefühl zum Dienst gehen. Gut ein Drittel der Befragten geht sogar entgegen der Empfehlung des Haus- oder Facharztes zur Arbeit.

Obwohl die große Mehrheit der Lehrkräfte angibt, auf ihre Gesundheit und ein gesundheitsförderndes Verhalten zu achten, gelingt nur der Hälfte eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Trotz einer als hoch erlebten Belastung am Arbeitsplatz fehlt das Gros der Lehrer (78 Prozent) wegen Krankheit nur wenige Tage im Jahr.

Mehr Stunden, höhere Belastung

Zwei Drittel der rund 176.000 Gymnasiallehrer erleben der Umfrage zufolge in ihrem Schulalltag eine hohe oder sehr hohe berufliche Belastung.

Diese steigt mit längeren Arbeitszeiten deutlich an: So sprechen den Angaben zufolge 74 Prozent der Lehrer mit 40 bis 45 Wochenstunden von einer hohen oder sehr hohen Belastung. Von denen, die länger als 45 Stunden die Woche Dienst leisten, geben dies sogar 83 Prozent an.

Überlastung infolge von Stress

DPhV-Vorsitzende Professor Susanne Lin-Klitzing forderte angesichts der Umfrageergebnisse ein Umdenken der Politik. Deutschlands Lehrern werde ihr Beruf durch schlechte Rahmenbedingungen und die Delegierung immer neuer Aufgaben zunehmend erschwert. „Wir können nicht stillschweigend in Kauf nehmen, dass unsere Gymnasien nur noch durch eine chronische Überlastung der Lehrkräfte funktionieren.“

Diese Überlastung ist vor allem Ausfluss von Stress. So vermisst die Mehrheit der Lehrer (74 Prozent) laut Studie vor allem Ruhezonen in den Schulen. Die Hälfte gibt zudem an, sich von einem hohen Lärmpegel im Klassenzimmer geplagt zu fühlen.

Gut ein Drittel kann sich während der Arbeitszeit nicht ausreichend erholen. Vier von zehn Lehrkräften berichten überdies von Schlafproblemen.

DAK will „Gesundheitsgipfel Schule“

„Wir müssen das Thema Lehrer-Gesundheit in den Fokus der Öffentlichkeit rücken“, umriss DAK-Vorstandschef Andreas Storm eine Konsequenz aus der Umfrage. Nötig sei ein „Gesundheitsgipfel Schule“ der Kultus- und der Gesundheitsminister aller 16 Bundesländer.

Das Institut für Präventivmedizin regte schulbezogene Präventionsmaßnahmen an, um die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit von Lehrern längerfristig zu erhalten.

„Lehrer benötigen einen modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz, weil sie hohe Anforderungen zu bewältigen haben und einen erheblichen Beitrag zum gesellschaftlichen Gemeinwohl leisten“, so Studienleiterin Dr. Reingard Seibt.

Schule als Ort der Gesundheit

„Die Studie zeigt, dass Lehrer dringend Unterstützung beim Gesundbleiben brauchen“, betonte DAK-Chef Storm. Nur wenn Lehrer sich selbst fit fühlten, könnten sie Schülern einen gesunden Lebensstil vermitteln. „Schule muss zu einem Ort der Gesundheit werden.“

Die Umfrage hält aber auch gute Nachrichten bereit: So sind drei Viertel der Befragten mit ihrem Beruf sehr zufrieden oder zufrieden. An erster Stelle der Gründe steht mit 45 Prozent die Arbeit mit den Schülern, gefolgt von flexibler Zeiteinteilung (42 Prozent). Autonomie im Unterricht und die Zusammenarbeit mit Kollegen werden als weitere zufriedenheitsstiftende Aspekte genannt.

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