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Osteoporose - überlebensgroß, nackt und ungeschminkt

Eine ungewöhnliche Ausstellung zeigt überlebensgroße Aktfotografien aus der Linse des Starfotografen Oliviero Toscani. Sie irritieren, denn statt der wohlgeformten Körper bekannter Modells zeigen sie Spuren der Osteoporose an Betroffenen aller Altersgruppen. Erstmals in Deutschland ist die Ausstellung nun in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu sehen.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:

Fürchterlich erschrocken ist Klaus Weber, als er vor zwölf Jahren ein Kind hochgehoben hat. Durch die Brust fuhr ihm heftiger Schmerz. Beinahe hätte er das Kind fallen lassen. Damals war der Ingenieur 45 Jahre alt. Sein Hausarzt diagnostizierte eine Zerrung, gab ihm eine Spritze. Weber war zufrieden. Bis der Schmerz wiederkam. Bei der dritten Attacke fand ein Orthopäde die Ursache: Osteoporose. Bis zur passenden Therapie vergingen zwei Jahre.

"Von da an ging es mir allmählich besser. Doch die Osteoporose macht mir schwer zu schaffen", berichtet Weber. Permanent ist er in Behandlung. Seinen Beruf kann der 57jährige Ingenieur seit fünf Jahren nicht mehr ausüben.

Klaus Weber ist einer von 24 Osteoporose-Kranken, die sich für die Ausstellung "Osteoporosis - A Fotografic Vision" vor die Linse des italienischen Starfotografen Oliviero Toscani gestellt haben. Nackt, ungeschminkt und ungeschmückt berichten ihre Körper von Schmerzen, Brüchen und dem Kampf gegen das Leiden. Die Betroffenen selbst erzählen ihre Geschichten im Ausstellungskatalog.

Toscani erregte bereits mit provokanten Werbefotos für die Modemarke Benetton Aufsehen. Auch seine fotografische Sicht der Osteoporose sorgt für große Aufmerksamkeit. "Die Betroffenen wurden fotografiert wie beim Doktor", sagte Toscani bei der Eröffnung der Ausstellung in Berlin. In einem Studio im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg sind die Fotografien 1999 aufgenommen worden. Nach der Eröffnung zum Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober 2001 in Rom tourte die Ausstellung durch Europa. Sie kehrt nun in die Nähe ihres Entstehungsortes zurück und ist erstmals in Deutschland zu sehen.

In der fensterlosen Halle eines alten Berliner Umspannwerkes entfalten die 2,80 Meter hohen Schwarz-Weiß-Fotos ihre beklemmende Wirkung. 24 dreiseitige Stelen zeigen die Folgen der Osteoporose an Körpern von Erkrankten aller Altersgruppen von vorne, von hinten und von der Seite. Die jüngste Patientin ist 1973 geboren, die Älteste 1907.

Da auch Männer gezeigt werden, räumt die Ausstellung mit dem Vorurteil auf, Osteoporose sei eine Krankheit alter Frauen. "Ich hoffe, möglichst viele Betrachter schaffen es, sich mit den Irritationen zu beschäftigen, welche die Bilder in ihnen auslösen", sagt Toscani. "Und ich hoffe, die Bilder führen dazu, etwas an den Bedingungen zu ändern, die das Leid verursacht haben."

Das hofft auch Barbara von Stackelberg, Geschäftsführerin des Deutschen Grünen Kreuzes, das die Ausstellung gemeinsam mit der International Osteoporosis Foundation (IOF) präsentiert. Auf von Stackelberg geht die Idee zur Ausstellung zurück. Sie konnte Oliviero Toscani unentgeltlich für die Aufnahmen gewinnen. "Worte allein reichen offenbar nicht, die dramatischen Folgen von Osteoporose ins Bewußtsein zu rücken", so Barbara von Stackelberg.

Professor Helmut Minne, Endokrinologe und Vorstandsmitglied der IOF, rät Ärzten, transplantierte und kortisonbehandelte Patienten generell osteologisch zu untersuchen, da sie besonders gefährdet seien. Seiner Auffassung nach ist es oft zu spät, wenn eine Messung der Knochendichte innerhalb des Leistungskatalogs der Krankenkassen erst nach einem Bruch vorgenommen werden kann. Erblich vorbelasteten Patienten können Ärzte die Untersuchung als IGeL anbieten.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, die die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen hat, setzt auf Prävention, um dem Knochenleiden zu begegnen. "Durch einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung und ausgewogener, kalziumreicher Ernährung kann das Auftreten von Osteoporose wesentlich beeinflußt werden", so Schmidt.

Nach Angaben ihres Ministeriums leiden allein in Deutschland schätzungsweise vier bis sechs Millionen Menschen an Osteoporose. Die Weltgesundheitsorganisation hat Osteoporose in die Liste der zehn bedeutendsten Krankheiten aufgenommen.

"Osteoporosis - A Fotografic Vision" by Oliviero Toscani. Ausstellung bis 12. Juni im Umspannwerk Humboldt, Kopenhagener Str. 57, Berlin-Prenzlauer Berg. Katalog: Hrsg. von Barbara von Stackelberg, Verlag im Kilian, ISBN 3-932091-91-4, 96 Seiten, 95 Schwarz-Weiß-Fotos. Weitere Informationen im Internet unter: www.dgk.de

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