Vergiftung?

Pussy Riot-Mitglied wird in Charité behandelt

Der als "WM-Flitzer" bekannte Pjotr Wersilow ist aus einer Moskauer Klinik in die Charité geflogen worden. Angehörige vermuten, dass er vergiftet wurde.

Veröffentlicht: 17.09.2018, 14:33 Uhr
Pussy Riot-Mitglied wird in Charité behandelt

Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen Polit-Punk-Band Pussy Riot, kommt mit einem Ambulanzflug auf dem Berliner Flughafen Schönefeld an und wird von Sanitätern geschoben.

© Cinema for Peace Foundation / dpa

BERLIN/MOSKAU. Das möglicherweise vergiftete Mitglied der russischen Polit-Punk-Gruppe Pussy Riot, Pjotr Wersilow, wird nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur an der Berliner Charité behandelt.

Der Gründer der Initiative Cinema for Peace, Jaka Bizilj, bestätigte, dass Wersilow am Samstagabend auf dem Flughafen Schönefeld gelandet ist.

"Uns verbindet eine langjährige Beziehung zu Pussy Riot. Die Familie hat uns um Hilfe gebeten", sagte Bizilj am Sonntag der dpa.

Kaum noch sehen, sprechen und bewegen

Die Hilfsaktion sei von dritter Seite mit dem Kanzleramt und dem Auswärtigen Amt abgestimmt gewesen. Wersilows Angehörige gingen von einer Warnung oder einem Mordanschlag aus, sagte Bizilj.

Das Pussy-Riot-Mitglied habe nach dem Aufenthalt in einem Gericht in Moskau kaum noch sehen, sprechen oder sich bewegen können.

Wersilow habe eine russische und eine kanadische Staatsbürgerschaft, seine Angehörigen Visa für den Schengen-Raum. "Deshalb war ein Ausfliegen so schnell möglich", sagte Bizilj.

Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass Wersilow am Samstagabend mit einem Ambulanz-Flugzeug in Berlin-Schönefeld gelandet sei. Der Flughafen bestätigte die Ankunft der Maschine.

Wersilows Ex-Partnerin Nadeschda Tolokonnikowa veröffentlichte auf Twitter Bilder und ein Video, die bei der Ankunft Wersilows auf dem Berliner Flughafen aufgenommen wurden.

Wochenlanger Arrest für "Flitzer"

Wersilow war beim Finalspiel der Fußball-WM Mitte Juli mit drei anderen Pussy-Riot-Mitgliedern in Uniformen auf das Feld gerannt, um unter anderem gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.

Die "Flitzer" wurden zu wochenlangen Arreststrafen verurteilt. Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption bekannt geworden.

Tolokonnikowa, mit der Wersilow eine Tochter hat, war 2012 nach einem "Punk-Gebet" in einer Kirche festgenommen und wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Sie kam Ende 2013 frei.

Für Jaka Bizilj ist auffällig, dass Wersilows Krankheitssymptome begannen, nachdem er in einem Moskauer Gericht gewesen war.

"Das war zur Freilassung anderer Pussy-Riot-Mitglieder, die am WM-Finale teilgenommen hatten und am vergangenen Wochenende unter fadenscheinigen Gründen festgenommen worden waren", ergänzte er.

Wersilow habe im Gericht etwas gegessen. "Zwei Stunden später begannen die ersten Symptome." Pussy-Riot-Mitglieder mutmaßen, Wersilow sei vergiftet worden.

Transport nach Deutschland

Die Ärzte in der Moskauer Klinik hätten zwei Tage lang geblockt und keinen Besuch zugelassen, als er künstlich beatmet wurde, berichtete Bizilj.

Am Freitag habe der Gesundheitszustand einen Transport nach Berlin noch nicht zugelassen. Auch am Samstag war ein Flug in einer Linienmaschine noch nicht möglich.

"Deshalb haben wir auf ausdrückliche Bitte von Peters Eltern am Samstagnachmittag ein Ambulanz-Flugzeug mit Ärzten von Berlin nach Moskau und zurückgeschickt. Dieser Flug wurde von Unterstützern und von mir finanziert", berichtete Bizilj.

Für den Transport nach Deutschland habe es mit der Moskauer Klinik keine Probleme gegeben, auch die medizinischen Dossiers seien zur Verfügung gestellt worden.

In Kürze wollten sich Berliner Ärzte zu Wersilows Zustand äußern. "Lebensgefahr besteht nach meiner Kenntnis von letzter Nacht im Moment nicht mehr", sagte Bizilj. (dpa)

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