Kommentar

Sauerei mit Pferden

Von Robert BublakRobert Bublak Veröffentlicht:

Man könnte fast sagen: "Es ist eine echte Sauerei". Mit diesen Worten hat Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) den jüngsten Lebensmittelskandal kommentiert.

Wenn's nur so wäre - hätte man nämlich das Rindfleisch für Tiefkühllasagne "nur" mit Schweinernem gepanscht, die Empörung wäre wohl kaum so groß gewesen. Doch das Fleisch in den jüngst entdeckten Produkten, das betrügerisch als Rindfleisch etikettiert war, stammte vom Pferd.

Die Bedenken gegen Pferdefleisch bestehen nicht zu Unrecht. Immerhin könnte das Fleisch mit Phenylbutazon belastet sein. Das nicht-steroidale Antirheumatikum wird bei Pferden häufig eingesetzt und steht ganz oben auf der Liste der Dopingvergehen im Reitsport.

Die EU-Kommission will daher entsprechende Tests vorschlagen. Denn jährlich werden in Europa rund 110.000 Tonnen Pferdefleisch verspeist - wissentlich, wohlgemerkt.

An sich ist Pferdefleisch auf dem Teller unbedenklich. Es ist fettarm und reich an Eisen. Mancherorts gilt es sogar als Delikatesse. Hierzulande ist der Verzehr von Pferdefleischaber mit emotionalen Vorbehalten verknüpft.

Dennoch, und auch wenn es wenig bekannt ist: Eines der bekanntesten deutschen Gerichte, der Rheinische Sauerbraten, wird traditionell mit Pferdefleisch zubereitet.

Lesen Sie dazu auch: Arznei im Fleisch: Pferdefleisch-Skandal erreicht neue Dimension

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Kommentare
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Dr. Horst Grünwoldt

Verbraucher-Schutz

Mal was Neues in den sog. Lebensmittel-Skandalen: verstecktes Pferdefleisch in einem "convenient" Fertig-Pasta-Produkt! Dabei lieben doch Italiener carne di cavallo; und Belgier und Franzosen auch das chevalline und bezahlen dafür gut. Allerdings die gut abgehangenen, zarten Steaks.
Nach Einführung des Individual-Ausweises für jede Art von lebenden Equiden in menschlicher Obhut im Rahmen der amtl. Fleischhygiene- und Tierarztneimittel- Überwachung schon vor vielen Jahren, dürfte in der EU eigentlich kein pharmazeutisch belastetes Pferdefleisch in den Handel kommen.
Daß das vermeintliche Herkunftsland Rumänien bei der Anwendung der entsprechenden Verordnungen evtl. noch weniger lückenlose Kontrollen vollzieht, erscheint möglich. Allerdings dürfte dort "Doping" bei Pferden keine besondere Bedeutung haben, weil der Renn- und Turniersport nicht besonders verbreitet ist, und bisher auch nicht auf dopingverdächtigen Niveau stattfindet.
Jedenfalls hat unsere Bundes-Verbraucherschutz-Ministerin, eine gelernte Radiotechnikerin, nach der schönen Grünen Woche wieder einmal Anlaß ihr Entsetzen in deftiger bayrischer Art auszudrücken und lückenlose Überwachungs-Maßnahmen und teure Tests zur Vermeidung (oder Fststellung?) künftiger LM- Skandale zu fordern. Dabei muß aber auch dem aufgeklärten und gesundheitsbewußten Konsumenten (Esser) mitgeteilt werden, daß im Rahmen der personell mit Kontrolleuren und Amtstierärzten gut besetzten amtlichen Lebensmittel-Überwachung seit Jahren ca. 80-90 Prozent aller festgestellten Beanstandungen sich lediglich auf "Etiketten-Schwindel" (irreführende Falschdeklaration) einzelner Produkte beziehen, und nicht auf gravierende Hygienemängel.
Natürlich ist das auch "Verbraucher"-Täuschung und der Konsument davor zu schützen.
Zuerst sollten aber unsere Genuß- und Nahrungsmittel- Käufer immer selbst bei der Fülle des verlockenden Warenangebots mit ihren drei natürlichen Sinnen Sehen, Riechen und Schmecken die "Eingangs-Kontrolle" (sog. Organileptik) durchführen und nicht wahllos zu jedem hermetisch und unsichtbar verpackten Zeug greifen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock


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