Corona-Pandemie

Söder will „kompletten Lockdown“ für knapp drei Wochen

Die Zahl der Corona-Toten steigt, das Personal in Kliniken und Pflege arbeitet am Anschlag: Bayern und Sachsen als Länder mit hohen Infektionszahlen sind nun mit verschärften Maßnahmen vorgeprescht.

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Maske auf und durch: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Maske auf und durch: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

© Peter Kneffel/dpa

Berlin. Bayern und Sachsen machen Druck für bundesweit noch schärfere Auflagen, um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Für dringend notwendig halten dies auch Ärztevertreter, um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Möglicherweise beraten Bund und Länder noch einmal über ein gemeinsames Vorgehen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“, dies könne wegen der Termine der Kanzlerin beim EU-Gipfel aber frühestens am Wochenende oder Anfang nächster Woche geschehen.

Söder sprach sich für einen „kompletten Lockdown“ von Weihnachten bis zum 10. Januar aus. „Einfach mal alles runterfahren von den Geschäften bis hin zu den Betriebsferien in vielen Unternehmen. Wenn alle mitmachen, wäre das super. Dann hätten wir knapp drei Wochen, in denen wir einfach Kontakte reduzieren können. Eine bessere Zeit als diese Zeit zwischen Weihnachten und 10. Januar wird man im ganzen Jahr nicht mehr finden“, sagte der CSU-Chef.

Sachsen fährt ab Montag runter

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer äußerte die Hoffnung, mit den anderen Ländern zu gemeinsamen Ergebnissen zu kommen, verwies aber auf die schon im Freistaat beschlossenen Maßnahmen. „Wir haben uns für unseren sächsischen Weg jetzt entschieden und werden ihn mit aller Konsequenz gehen“, sagte Kretschmer. Im Freistaat sollen von kommendem Montag an Schulen, Kitas, Horte und viele Geschäfte geschlossen werden. Geöffnet bleiben sollen Lebensmittelgeschäfte und Läden für den Grundbedarf. Handel, Schulen und Kitas offenzuhalten - „das wird nicht diese Wirkung bringen“, sagte Kretschmer.

Das Bundesland hat sich zum bundesweit größten Hotspot der Pandemie entwickelt. In Bayern, das im Bundesländer-Vergleich ebenfalls überdurchschnittlich hohe Infektionszahlen aufweist, gelten schon seit Mittwoch strengere Regeln wie Ausgangsbeschränkungen, Alkoholverbot in Innenstädten und Ausgangssperren in Hotspots.

In Schleswig-Holstein, wo die Infektionszahlen steigen, aber im bundesweiten Vergleich noch niedrig sind, soll der Corona-Kurs ebenfalls verschärft werden. Es sei notwendig, „dass wir spätestens ab Weihnachten in einen harten Lockdown gehen – um die Zeit über den Jahreswechsel zu nutzen, diese gefährliche Entwicklung in Deutschland zu stoppen“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) Mittwochabend in Kiel.

DKG-Chef Gaß will Lockdown gemäß Leopoldina-Rat

Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Dr. Gerald Gaß fordert angesichts der stetig steigenden Infektionszahlen den von der Wissenschaftsakademie Leopoldina empfohlenen harten Lockdown. Gaß argumentierte ähnlich wie Söder: „Die große Chance eines harten Lockdowns über drei Wochen ist es, dass die Infizierten nicht mehr mit Gesunden in Kontakt treten. Dann hat das Virus keine Chance, sich zu verbreiten“, sagte Gaß der „Passauer Neuen Presse“. Als „besorgniserregend hoch“ bezeichnete er die hohe Zahl von Corona-Toten. „Es sterben mehr Menschen als normal und wir erleben eine Übersterblichkeit. Das sind verlorene Lebensjahre von vielen Menschen und vor allem von Älteren.“

Auch die Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Susanne Johna, betonte: „Das ärztliche und pflegerische Personal arbeitet am Anschlag.“ Die verschärften Maßnahmen in einigen Regionen seien zweifellos mit Härten verbunden, aber ohne vernünftige Alternative, sagte Johna der „Rheinischen Post“.

Janssens fordert einheitliche Linie der Ministerpräsidenten

„Wir haben jetzt eine wirkliche Krisensituation“, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), der Deutschen Presse-Agentur. Er sieht ein Problem bei den zu zögerlich und uneinheitlich reagierenden Ministerpräsidenten der Länder. „Wir sind da gerade ein Stück weit im Föderalismus gefangen.“ Es sei unsolidarisch, dass bestimmte Ministerpräsidenten bei den nötigen Verschärfungen des Teil-Lockdowns nicht mitzögen. „Wünschenswert wäre, eine klare und bundesweit einheitliche Regelung für vier, fünf Wochen oder wenn nötig auch länger durchzuziehen.“

Nicht nachvollziehbar sei die Idee, einen verschärften Lockdown erst nach Weihnachten oder Silvester ansetzen zu wollen. „Die Mitarbeiter auf den Intensivstationen kommen an ihre Grenzen, viele sind sehr enttäuscht vom Verhalten der Politiker, aber auch der Bevölkerung“, sagte Janssens. Die Pflege von COVID-19-Intensivpatienten bedeute immensen Aufwand, den das Personal auch an den Feiertagen leisten müsse und werde.

Spahn hofft auf hinreichend Impfstoff bis zum Herbst

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, das Land brauche um den Jahreswechsel zwei Wochen, „wo wir insgesamt Kontakte reduzieren, runterfahren, Schulen geschlossen sind, damit wir diesem Virus einfach mal zwei Wochen so gut wie gar keine Chance geben, um auch auf ein anderes Niveau wieder zu kommen.“

Spahn äußerte ferner die Erwartung, dass spätestens im Herbst 2021 ausreichend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung vorhanden ist. Deutschland habe sich 300 Millionen Impfstoffdosen bei verschiedenen Herstellern gesichert. „Die werden jetzt Zug um Zug ausgeliefert und verimpft werden“, sagte der Gesundheitsminister. „Wenn all die Zulassungen kommen über den Zeitraum, in dem wir es erwarten, dann können wir spätestens im dritten Quartal jedem in Deutschland, der geimpft werden will, ein Impfangebot machen.“ Mit ersten Impfungen wird spätestens im Januar gerechnet. (dpa)

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