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Plastischer Chirurg im humanitären Einsatz

Starke Nerven und viel Know-how immer im Gepäck

Seine Patienten sind meist Kinder mit Geburtsanomalien oder Verbrennungen. Dr. Hajo Schnecks Auslandseinsätze werden über Interplast Germany oder einen selbst gegründeten Förderverein finanziert.

Von Birgit Fenzel Veröffentlicht:
Wenn Kinder wieder lächeln können, war das für Dr. Hajo Schneck allein schon die Reise – hier in Indien – wert.

Wenn Kinder wieder lächeln können, war das für Dr. Hajo Schneck allein schon die Reise – hier in Indien – wert.

© Dr. Wolfgang Detterbeck

Grafing. Seit 30 Jahren fliegt Professor Dr. Hajo Schneck mit freiwilligen Ärzteteams nach Afrika, Indien und Südamerika, um dort vor Ort mit bescheidenen Mitteln, aber viel Know-how und Improvisationskunst, humanitäre plastische Chirurgie vorzunehmen.

Zudem ist der inzwischen pensionierte Chef-Anästhesist der Ebersberger Klinik als Netzwerker unterwegs, um Geld- und Sachspenden für die Einsätze zu sammeln oder die Arbeit von Interplast Germany im Allgemeinen und dem von ihm mitgegründeten Förderverein EFI im Besonderen vorzustellen.

Meist sind die Patienten Kinder, die sich an den allgegenwärtigen offenen Herdfeuern verbrannt haben. Operiert werden aber auch Geburtsanomalien wie Kiefer-Lippen-Gaumenspalten, schwere Brüche oder auch Kriegsverletzungen.

Professor Hajo Schneck

  • Facharzt für Anästhesie
  • Gründer, Vorsitzender Ebersberger Förderverein Interplast
  • 30 Jahre im Einsatz für Interplast Germany

Seine ersten Einsätze hat Schneck mit Anfang 30 für Interplast Germany geflogen. Seit zwanzig Jahren stellt er zusätzlich seine eigenen Projekte auf die Beine. Finanziert werden sie im Wesentlichen durch die Spendeneinnahmen des Ebersberger Fördervereins Interplast, kurz EFI, den er im Jahr 2000 gemeinsam mit einer Handvoll Gleichgesinnter gegründet hat. Ursprünglich, um zusätzliche Spenden für die Einsätze zu generieren.

Inzwischen finanziert EFI auch andere humanitäre Projekte. Zwar machen die Teams alle Operationen unentgeltlich und in ihrer Freizeit. Dennoch kostet ein Aufenthalt über 10 .000 Euro. Allein für Medikamente brauche man zwei bis dreitausend Euro pro Einsatz. Geld, das über Spenden gewonnen werden muss.

„Wahnsinnig mühsam geworden“

„Es ist schwieriger geworden“, sagt der fast 70-jährige Arzt heute nach 30 Jahren humanitärer Hilfe. Damit meint er zum Beispiel die Materialbeschaffung. Früher habe man das meiste als Sachspende aus der Industrie bekommen. „Da lief viel über persönliche Kontakte. Nach fünf Telefonaten hatte man alles zusammen“, erinnert er sich. „Heute ist das wahnsinnig mühsam geworden.“

Dass es so gut wie keine Sachspenden mehr von der Industrie gebe, liege teilweise daran, dass die persönlichen Beziehungen weniger würden.

„Ich habe noch alte Drähte, es werden aber weniger“, stellt er mit Bedauern fest. Viele seiner alten Kontakte seien inzwischen nicht mehr aktiv im Berufsleben. Die neuen Entscheider säßen nicht mehr vor Ort, sondern „irgendwo in Übersee“.

Schade findet er auch, dass die Fluggesellschaften inzwischen anders reagieren, wenn die Teams mit ihren Kisten voller Medikamente, Material, Instrumente und Geräten anrücken. „Upgrades, so wie früher, gibt es nicht mehr“, so Schneck. „Und unser Übergepäck müssen wir zahlen wie alle anderen auch.“

Inzwischen operiert Hajo Schneck selbst nicht mehr. Dennoch fliegt er oft mit, so es seine Zeit erlaubt. In 30 Jahren hat er reichlich Erfahrung im Umgang mit Hindernissen und Imponderabilien aller Art gesammelt. Da die medizinischen Standards vor Ort oft unzureichend sind, reist er nie ohne seinen Werkzeugkasten.

Narkosegerät selbst basteln

Wenn es sein muss, bastelt er aus einer Kaffeemaschine und einem Schlauch ein funktionierendes Narkosegerät; oder verhilft mit dem Schraubenzieher klapperigen OP-Tischen zu mehr Standfestigkeit. Schwieriger als die Tücken der Technik sind Veränderungen im politischen Klima. In manchen Ländern seien die Ärzte aus Deutschland inzwischen nicht mehr so gern gesehen wie früher.

Als Beispiel nennt er Indien. Bei jeder Einreise legten die indischen Behörden mit unzähligen Behördenanträgen aufs Neue die Hürden hoch. „Man gewinnt den Eindruck, dass NGOs nicht erwünscht sind, weil sie das positive Bild des Landes stören“, so Schneck. „Manchmal sagt es auch einer laut.“

Doch lässt er sich davon nicht von seinen Reisen abbringen. Im März fliegt er wieder mit seinem Ebersberger Team nach Indien.

Warum er sich den Stress in seiner Freizeit antut? Die Freude von Menschen zu erleben, die durch eine plastische OP Lebensqualität und Chancen auf ein menschenwürdiges Leben gewinnen, wäre sicher ein guter Grund, räumt er ein.

Aber er kennt noch einen zweiten, sehr persönlichen: „Ich bin einfach neugierig und bekomme so Einblicke in fremde Kulturen, die man als gewöhnlicher Reisender nicht erhält.“

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